Historischer Roman

Eine literarische Reise ins barocke Hamburg

Ludger Bollens historischer Roman "Das kalte Licht" erzählt vom mysteriösen Tod eines Hamburger Ratsherrn.

Hamburg.  Mit rund 1,8 Millionen Einwohnern ist Hamburg derzeit die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Doch der Metropol-Status ist der Hansestadt nicht erst seit gestern zu eigen. Schon vor mehr als 300 Jahren galt die Siedlung an der Elbe, die damals nur rund 40.000 Einwohner zählte, als Weltstadt und bildete neben Nürnberg, Köln, Augsburg und Wien eine der größten Gemeinden des Landes. Im 17. Jahrhundert erstreckte sich die Stadt noch über ein, im Vergleich zu heute, recht kleines Areal rund um Rathaus, Binnenalster und Neuer Wall. An eben diesem Ort spielt auch Ludger Bollens historischer Kriminalroman "Das kalte Licht" (Europäische Verlagsanstalt).

Nur widerwillig kehrt Ulrich Hesenius vom Medizinstudium in Leyden in seine Heimatstadt Hamburg und damit ins Kontorhaus seines Vaters zurück. Dort darf er sich nicht mit spannenden Fragen der Medizin auseinandersetzen, sondern muss, dem väterlichen Willen nach, die ihm so fremde Kaufmanns­tätigkeit ausüben. Da kommt Ulrich die Leichenbeschau des verunglückten Ratsherrn Heinrich von Brempt, zu der er ob seiner medizinischen Kenntnisse hinzugezogen wird, als Abwechslung ­gerade recht.

Feines ­Auge für historische Details

Doch während seiner Untersuchungen entdeckt der kundige Student einige Ungereimtheiten, die einen gewaltvollen Tod des Ratsherren vermuten lassen. Besonders rätselhaft erscheint ihm dabei ein unheimlicher Lichtschimmer an der Hand des Toten. Die Stadt beauftragt Ulrich als Ermittler im Fall, doch seine Recherchen führen ihn bald in ungeahnte Abgründe des Hamburger Bürgertums.

Sprachgewandt und mit feinem ­Auge für historische Details nimmt Ludger Bollen den Leser mit auf eine Reise durch das barocke Hamburg. Gekonnt integriert er dabei die Geschichte der Hansestadt in seine spannende Kriminalerzählung. Ausführliche Beschreibungspassagen erfordern beim Lesen zwar volle Aufmerksamkeit, zeichnen zugleich aber lebhafte Bilder einer längst vergangenen Zeit.

Mit Ermittler Ulrich Hesenius begibt sich der Leser auf Entdeckungstour durch das historische Hamburg und trifft dabei auf erfahrene Alchemisten, die Gemeinde der ­sephardischen Juden, gestandene Kaufleute und zwielichtige Ratsherren, die der Autor wortgewandt zum Leben erweckt. Die Geschichte der mysteriösen Ermordung Heinrich von Brempts fesselt und nimmt regelmäßig unverhoffte Wendungen, die den Spannungsbogen aufrechterhalten. Einzig die teils sehr detaillierten Beschreibungen von Orten, Gemütszuständen und Personen unterbrechen zuweilen die sonst sehr packende Handlung des Historien-Krimis.

Bollen, der neben seiner Schriftsteller-Tätigkeit als Grafiker beim "Spiegel" arbeitet, untermalt seine Geschichte mit diversen eigenen Illustrationen im Stil alter Holzschnitte und gibt dem ­Leser so ein noch lebendigeres Bild der Hansestadt im Zeitalter des Barocks.

Erhältlich in der Abendblatt Geschäftstelle (Großer Burstah 18–32) und im Buchhandel

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