Hamburg

Symphoniker glänzen in der Elbphilharmonie

Besonders beeindruckend war Korngolds Violinkonzert mit der grandiosen Akiko Suwanai

Hamburg. Haben Geigen ein Gedächtnis für die richtigen Töne? Als eine Art musikalisches Leitsystem? So traumwandlerisch treffsicher, wie die Hände von Akiko Suwanai über das Griffbrett ihrer Stradivari rasten, hätte man das beinahe glauben können: dass sie einfach den Fingerstapfen von Jascha Heifetz folgte, dem Jahrhundertgeiger und legendären Vorbesitzer ihres Instruments. Er hat das Violinkonzert von Korngold 1947 aus der Taufe gehoben, das wegen seiner aberwitzigen technischen Schwierigkeiten bis heute selten gespielt wird - und in der Elbphilharmonie jetzt eine umso beeindruckendere Aufführung erlebte.

Akiko Suwanai meisterte die Virtuosenakrobatik scheinbar mühelos und schwelgte mit den Symphonikern Hamburg unter Jeffrey Tate im spätromantischen Breitwandsound. Korngold recycelt in dem Konzert einige seiner Filmmusiken und schickt die Geige auf eine Reise durch die schönsten Szenen, mit süßen Melodien und einer dezenten Prise Hollywood-Kitsch.

Die Akustik der Elbphilharmonie macht den Zauber transparent: man staunt über die Farbmischungen, die der Komponist im üppig besetzten Orchester mixt.

Ja, der große Saal klingt trennscharf und klar – aber eben nicht klinisch und kühl. Davon profitierten Tate und seine gut aufgelegten Symphoniker auch nach der Pause, in der zweiten Sinfonie von Edward Elgar.

Herzstück des einstündigen, in Deutschland sträflich vernachlässigten Meisterwerks ist der langsame Satz, dessen schwermütige Stimmung im Konzert einen unwiderstehlichen Sog entfaltete. Weil Tate mit seinem Orchester dort einen wunderbar warmen Klang fand und tief in die Schmerzensschichten der Partitur eindrang. Eine Interpretation, deren emotionale Kraft einen starken Eindruck hinterließ. Vielleicht haben Konzertsäle ja auch ein Gedächtnis.

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