Hamburg

Brahms' f-Moll-Sonate mal ganz anders

Auch Mozart und Beethoven spielten die Symphoniker Hamburg in der Laeiszhalle

Hamburg.  Johannes Brahms hatte gegen Ende seines Lebens eine Art Liebesbeziehung mit der Klarinette begonnen. Seine Sonate f-Moll op. 120, selten gespielt, war nun in Hamburg gleich zweimal kurz hintereinander zu hören, nämlich im Original mit Jörg Widmann und Mitsuko Uchida und einige Tage später in der Reihe "VielHarmonie" der Symphoniker Hamburg in einer ganz besonderen Fassung. Komponist Luciano Berio (1925–2003), ein Klassiker der Avantgarde, hatte Brahms' spätes, sprödes Werk für Bratsche und Orchester bearbeitet.

Wie die Streicher die einleitenden Akkorde raunend verfremdeten, wirkte das Stück tatsächlich vollkommen andersartig. Die Idee, eine Bratsche statt der Klarinette zu besetzen, stammte nicht von Berio, sondern von Brahms. Amihai Grosz, im Hauptberuf Solobratscher der Berliner Philharmoniker, spielte seinen Part mit großem Ton und reichhaltigem Vibrato – und einigen produktiven Widerhaken. Eine Sonate ist nun einmal kein Solowerk. Vielmehr wechselt sich das Melodieinstrument mit dem Klavier in der Führung ab. Also flocht sich auch in der Orchesterfassung der Solist immer mal ins Geschehen.

Und dann ist eine Bratsche halt keine Geige. Brillanz und Glamour waren an diesem Abend Fehlanzeige, gefragt waren Bereitschaft zu Reflexion und Bereitschaft zum aktiven Zuhören, auch vom Publikum. Schade nur, dass Grosz für die ganz großen Linien manchmal die Puste fehlte oder einfach die Technik, einen endlosen Bogenstrich zu imitieren.

Guy Braunstein, der Erste Gastkünstler der Symphoniker und seinerseits ehedem Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, lotste die Musiker durch die brahmsschen Tiefen und Abgründe mit der Erfahrung des Praktikers und holte Berios Effekte im Handumdrehen ans Licht: hier ein Schnarren von Kontrafagott und Pauke und da einen Seufzer der Geigen, der mit der Bratschenstimme zusammen regelrecht nach Sibelius klang.

Über kleinere Malheurs im Orchester hörte man gern hinweg. Vorweg dirigierte Braunstein eine beschwingte Sinfonie B-Dur KV 319 von Mozart. Beethovens "Pastorale" (seine 6. Sinfonie) nach der Pause allerdings hätte etwas Schärfung sowohl im Zusammenspiel wie auch im Ausdruck gutgetan.

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