Kultur

Mit einem Comicbuch den Terror verarbeiten

Die "Charlie Hebdo"-Zeichnerin Catherine Meurisse hat "Die Leichtigkeit" veröffentlicht

Was kann man noch für Witze reißen, wenn die Freunde tot sind und man selber nur deshalb lebt, weil man verschlafen hat? Catherine Meurisse zeichnet für die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo". An jenem 7. Januar 2015 wurde sie nur deshalb nicht von islamistischen Terroristen erschossen, weil sie zu spät kam. Vom Gebäude nebenan, in das sie geflohen war, hörte sie die Gewehrsalven, die seitdem ihre Träume durchlöchern, Nacht für Nacht.

In dem Comic "Die Leichtigkeit" zeichnet sich Catherine Meurisse von der Seele, was ihr Leben seitdem bestimmt: Leere im Kopf, Traurigkeit und ein Alltag in Gegenwart zweier Leibwächter. Aber auch das gibt es: witzeln und das Schandmaul wetzen, mal zögerlich, und auch mal fast in alter Frische.

Schon am Abend des 8. Januar zeichnet sie eine fiktive Schlusskonferenz mit den Toten bei sich zu Hause. Der hufeisenförmige Tisch, an dem sich die Zeichner immer versammelten, wird im Buch noch häufiger auftauchen. Schließlich war Catherine zehn Jahre Teil der Individualistentruppe, der für einen guten Scherz nichts heilig war.

Vieles probiert sie, um ein Gefühl für die eigene Identität wiederzufinden, das traumabedingt verschwunden ist: zum Psychologen gehen, allein ans Meer fahren, einen Baum umarmen, das Theater besuchen, ihren ehemaligen Liebhaber treffen ...

Manche der Zeichnungen sind linear brav, andere hoch emotional. Und die besten fassen kleine Geschichten zusammen, etwa die von der Wut, die immer dann hilft, wenn keine Idee für eine gute Zeichnung zur Hand ist.

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