Hamburg

Zum Geburtstag Bach, Kerschek und Haydn

Die Hamburger Camerata feierte in der Laeiszhalle ihr 30. Jubiläum

Hamburg.  Manche Menschen fangen ja mit 30 an, bequem zu werden und sich auf dem Erreichten auszuruhen. Doch keine Sorge, von dieser Haltung sind die Mitglieder der Hamburger Camerata weit entfernt. Nach der existenziellen (Finanz-)Krise des vergangenen Jahres blickt das Ensemble mit neuem Mut in die Zukunft – und verströmte beim Festkonzert zum 30. Jubiläum in der Laeiszhalle jugendliche Frische.

Mit spritziger Energie belebte das Kammerorchester unter Leitung von Simon Gaudenz den Sturm-und-Drang-Ton von Carl Philipp Emanuel Bach: in dessen D-Dur-Sinfonie, die vor Aufbruchslust förmlich überschäumt. Ein starker Auftakt.

Mit dem "Hamburger" Bach bekannte sich die Camerata zur Musiktradition der Stadt, mit einer Uraufführung von Wolf Kerschek trug sie anschließend selbst zu dieser Tradition bei. Kerschek, Professor an der Musikhochschule, hat zum Jubiläum ein Auftragswerk namens "The Trumpets Shall Sound" komponiert, maßgeschneidert für die Camerata und den Hamburger Weltklassetrompeter Matthias Höfs. Mit perfektem Ansatz und schier endlosem Atem zauberte er ein breites Farbspektrum aus seinen Instrumenten, vom Fanfarenstoß bis zum gedämpften Schmuseklang, von barocker Reinheit bis zu sprachhaften Lauten; eingebettet in den Surroundsound von neun weiteren Trompetern – Studenten von Matthias Höfs –, die den Hörern ihre Töne links und rechts aus den Rängen um die Ohren bliesen.

Kerscheks Stück reizt diese Effekte genüsslich aus und kennt keine Berührungsängste mit dem Kitsch. Manche Passagen klangen wie der Soundtrack zu einem sehr, sehr langen Ritt in den Sonnenuntergang. Das wirkte auf Dauer etwas zäh, tat aber nicht weh und kam beim Publikum gut an, das sich nach der Pause mit einem Geburtstagsständchen revanchierte – initiiert vom Kultmoderator und langjährigen Camerata-Förderer Rolf Seelmann-Eggebert.

In Haydns Londoner Sinfonie Nr. 102 zündeten Simon Gaudenz und seine Musiker dann zum Abschluss noch einmal musikantisches Feuer und offenbarten jene Spielfreude, die den besonderen Charme des Orchesters ausmacht. In puncto Homogenität, Präzision und intonatorisches Feintuning bleibt allerdings, bei allem Temperament, noch deutlich Luft nach oben. Aber das wird dem Konzertmeister und ehrenamtlichen Geschäftsführer Gustav Frielinghaus und seinen Kollegen sicher bewusst sein. Man braucht ja auch mit 30 noch Ziele und Herausforderungen.

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