Kultur

Neue Jazz-CDs, mal beschwingt, mal introspektiv

Hörenswertes vom Jazz Ensemble Düsseldorf, Joachim Kühn und Iyer/Smith

"Allein machen sie dich ein", sangen einst Ton Steine Scherben und bezogen sich dabei auf politischen Protest und gesellschaftlichen Widerstand. Dass gemeinsames Wirken auch musikalisch sinnvoll sein kann, zeigt das Debütalbum des Jazz Ensembles Düsseldorf (JazzSick Records), auf dem sich Bearbeitungen von Schumann-Stücken (Robert und Clara) ebenso finden wie das augenzwinkernd groovende "Mer sind alles Düsseldorfer Jonges". Sechs arrivierte Düsseldorfer Jazzer, als Dozenten, Arrangeure und Komponisten geschätzt, als Begleiter von Größen wie Carla Bley und Miles Davis aktiv gewesen, zeigen der nur auf Verkaufszahlen schielenden Plattenindustrie die lange Nase und bringen ihr Gute-Laune-Album einfach selbst raus. Richtig so.

Eine deutsche Jazz-Legende, mit weltweiter Ausstrahlung: Joachim Kühn ist nicht weniger als das und verfällt doch nie in routiniertes Abspielen bekannter Versatzstücke. Mit "Beauty & Truth" (Act), aufgenommen mit seinem New Trio (Chris Jennings am Bass, Eric Schaefer am Schlagzeug) überrascht der 72-Jährige einmal mehr. Viele bekannte Stücke hat Kühn ausgesucht, die er mit lässigem Groove neu interpretiert, etwa "The End" und "Riders On The Storm" von den Doors oder "Summertime" von George Gershwin. Nummern, an denen man sich längst überhört haben könnte, denen das perfekt harmonisierende Trio aber stets ungehörte Facetten abgewinnt. Toll auch das hingehauchte Titelstück, eine Ornette-Coleman-Komposition, und das forsch vorpreschende Kühn-Original "Machineria".

Die Augen schließen, genau hinhören, jeden Ton aufsaugen und nachwirken lassen. Ein gutes Rezept für viele Veröffentlichungen des ECM-Labels (Keith Jarrett, Jan Garbarek), auf jeden Fall aber für das faszinierende Duett von Pianist Vijay Iyer und Trompeter Wadada Leo Smith. "A Cosmic Rhythm With Each Stroke" haben die beiden es genannt, und das Herzstück, eine siebenteilige Suite, ist im besten Sinne ein Dialog der (Jazz-) Generationen, der die Kunst der indischen Malerin Nasreen Mohamedi (1937-1990) in Musik umsetzt. Ein unbestimmtes Sehnen schwingt da im Ton von Wadada Leo Smith, von Vijay Iver mit so viel Verve aufgenommen, dass man sofort spürt: Diese (Ton-) Kunst erzählt vom Leben in seiner ganzen Fülle.

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