Hamburg

Dirigent John Axelrod erwies sich als würdiger Interpret Dvoráks

Hamburg.  Wie viel ist dran an der Psychologie der Völker? Gibt es tatsächlich solche nationalen Eigenarten, oder sind das lediglich Klischees? Das 7. Symphoniekonzert der Hamburger Symphoniker am Sonntag im Großen Saal der Laeiszhalle gab Anlass, sich über solche Fragen Gedanken zu machen. Auf dem Programm standen zwei Werke, die die USA zum Thema haben, und ein Werk eines US-Komponisten. Am Pult stand der Texaner John Axelrod und bestätigte zumindest ein Klischee, dass man gerne mit seinen Landsleuten verbindet: Er kann ein ganzes Konzert über lächeln.

Die Behauptung, er habe in seiner Symphonie "Aus der neuen Welt" Melodien von Indianern und Sklaven verwendet, hat Antonin Dvorák stets als "Unsinn" zurückgewiesen. Für ihn bestand das Wesen der Amerikaner in ihrer "Fähigkeit zum Enthusiasmus".

Dvoráks "amerikanische" Neunte Symphonie ist eine Hymne in vier Sätzen an diesen Geist des unverwüstlichen Optimismus, Axelrod erwies sich als deren würdiger Interpret. Vom ersten Takt der Einleitung an präparierte Axelrod die dramatischen Kontraste heraus. Mit zum Teil enormen Temposchwankungen ließ er im ersten Satz das Schwungvolle extra schwungvoll und das Elegische besonders elegisch musizieren. Nach dem gleichen Rezept gelang den Symphonikern so ein besonders inniges Largo – mit einem schönen Solo des Englischhorns – und ein mitreißendes Finale. Dass Axelrod mit voller Energie zu Werke geht, war demonstrativ schon in den ersten Akkorden des Abends bei Kurt Weills Ouvertüre zu "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" zu hören gewesen.

Dass man kein Amerikaner sein muss, um sich auf den amerikanischen Tonfall zu verstehen, bewies eindrucksvoll der Hannoveraner Klarinettist Sebastian Manz. Man muss allerdings ein exzellenter Musiker und Entertainer in Personalunion sein. Sein Konzert für Klarinette schrieb Aaron Copland für den King of Swing, Benny Goodman.

Das Werk ist teils langatmig, teils zickig; doch Manz machte daraus einen großartigen Grenzgang zwischen den musikalischen Welten. Wie er sich langsam ins Idiom des Jazz hinübertastete, die Intonation schärfte, immer wieder fast unwillkürlich zu swingen anfing, das war große Show und gute Musik.

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