Nachtleben

Das ist Hamburgs bester neuer Club

Claudia Vasquez (links) und Kristina Kasat betreiben die Cascadas Bar
in der Ferdinandstraße

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Claudia Vasquez (links) und Kristina Kasat betreiben die Cascadas Bar in der Ferdinandstraße

Die Cascadas Bar wurde jetzt ausgezeichnet. Fünf Jahre lang hatten die Betreiberinnen nach einer geeigneten Location gesucht.

Hamburg.  Wer heutzutage einen Liveclub eröffnen möchte, muss entweder über eine Menge Geld verfügen oder grenzenlos naiv sein. "Mit unserem ursprünglichen Konzept waren wir schon naiv ", räumt Claudia Vasquez ein und lacht. Zusammen mit ihrer Freundin Kristina Kasat hatte sie viele Jahre davon geträumt, einen Club zu gründen, der jeden Abend geöffnet ist und der eine Plattform für junge Künstler sein sollte. Finanziert werden sollte diese Nachwuchsunterstützung durch den Barbetrieb bei freiem Eintritt.

"Von dieser Idee mussten wir uns sehr schnell wieder verabschieden", sagt die gebürtige Chilenin. Aber aufgeben wollten die beiden Frauen nicht. Also machten sie aus der Cascadas Bar einen Veranstaltungsclub, der in der Regel von dienstags bis sonnabends geöffnet ist. Dieses wöchentliche Programm ist in den vergangenen zwölf Monaten so interessant gewesen, dass der Laden in der Ferdinandstraße unlängst bei den Hamburger Club Awards mit dem Preis als "bester neuer Club" ausgezeichnet worden ist.

Fünf Jahre lang haben die beiden Profi-Sängerinnen nach einer geeigneten Location gesucht. "Am liebsten wären wir nach St. Pauli, Altona oder in die Schanze gegangen. Aber bei dem Wort ,Liveclub' haben viele Vermieter sofort abgewunken, weil in vielen Häusern auch Wohnungen sind und sie Probleme mit Mietern aus Lärmschutzgründen vermeiden wollten", erzählt Kristina Kasat. Gelandet sind die beiden in der Ferdinandstraße unweit des Hauptbahnhofs in einem Bürogebäude. In seiner Nachtruhe wird hier zwar niemand gestört, aber Laufkundschaft gibt es auch nicht, denn mit Ausnahme eines Hotels reiht sich hier ein Bürohaus ans nächste. "Dafür liegt das Cascadas zentral, der Vermieter war von Anfang an auf unserer Seite und die Alster ist auch in der Nähe", nennt Claudia Vasquez die Vorzüge. Das Haus gehört der Alfred-Toepfer-Stiftung und die gewährte den beiden Club-Betreiberinnen sogar einen Kredit in Höhe von 20.000 Euro für notwendige Umbaumaßnahmen. Wo sich jetzt eine Bühne und zwei Bars befinden, saß früher eine Zeitarbeitsfirma.

Goldlackierte Schallplatten unter der Decke und große Drucke von Jazz-LP-Hüllen schmücken den Raum. Billie Holiday hängt hier genauso wie Joe Henderson und Sonny Rollins. Jazz ist eine wichtige programmatische Schiene des Cascadas, aber nicht die einzige. 150 Zuschauer fasst der mit einem Durchgang unterteilte Raum. Das Gestühl aus Hockern, Ledercouch und drei gelben Flugzeugsitzen wirkt etwas zusammengesucht, auf der Bühne steht vor einem roten Vorhang ein Kurzflügel, ein Schlagzeug ist auch aufgebaut. Ein weiteres Drumset, Percussion­instrumente, Mikros und Lautsprecher gehören ebenfalls zum musikalischen Inventar. Vor den Fenstern hängen Paillettenvorhänge, das Licht ist schummrig, so wie es sich für einen Club gehört.

Ein wichtiger Partner für die beiden Club-Betreiberinnen ist die Jazz Federation geworden, die im Cascadas eine neue Heimat gefunden hat. Der Verein, früher im Birdland zu Hause, veranstaltet hier jeden Mittwoch bei freiem Eintritt eine Jam Session und jeden Freitag Konzerte. Größen wie der Klarinettist Rolf Kühn, die Pianistin Aki Takase und ein Free-Jazz-Trio mit Louis Moholo, William Parker und Conrad Bauer haben hier im vergangenen Jahr gespielt. Auch bedeutende Hamburger Musiker wie Gabriel Coburger oder Vladislav Sendecki von der NDR Bigband treten hier auf. In dieser Woche steht der Pianist Jef Neve am 4. März mit einem Solokonzert auf dem Programm, eine Woche später spielt der Avantgarde-Posaunist Christophe Schweitzer im Cascadas mit einem Fusion-Quintett. Prominenter Gast dabei ist der afroamerikanische Schlagzeuger Gerry Brown, der in den 70er-Jahren in den Bands von Größen wie Chick Corea und Stanley Clarke getrommelt hat.

"Wir haben aber auch die Swing-Szene zu Gast. Wir veranstalten Partys mit Salsa, Funk und Soul, eine Karaoke-Show gehört ebenfalls zum Programm", erklärt Claudia Vasquez. "Die Leute sollen sich im Cascadas fühlen wie in einem Wohnzimmer", ergänzt Kristina Kasat. Fünf Tage in der Woche erklingt im Cascadas Musik, wenn zusätzliche Veranstaltungen hinzukommen, öffnet sich die gläserne Eingangstür auch mal sonntags oder montags – wie etwa am 13. März, wenn das Landesjugendjazzorchester sich dort schon um 19 Uhr versammelt.

Sechs Tresenkräfte beschäftigen Vasquez und Kasat, sie selbst wollen nicht jede Nacht bis drei Uhr morgens hinter der Theke stehen. "Dafür ist die tägliche Organisation zu aufwendig", so Vasquez. Die 48-Jährige kümmert sich außerdem noch um die Hamburger Reggae-Band Dubtari und singt seit 20 Jahren in unterschiedlichen Formationen. Die zehn Jahre jüngere Kristina Kasat arbeitet gerade an ihrem Debütalbum und jobbt noch zweimal pro Woche bei einer Plattenfirma. Es hat lange gedauert, doch Kasat und Vasquez haben sich ihren Traum erfüllt: "Ein paar Reihen könnten noch besser laufen, aber mit jedem Monat wird es besser. Wir sind sehr zufrieden."

Internet: http://www.cascadas.club/

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.