Hamburg

Spanisches Schneewittchen, zum Dahinschmelzen schön

Hamburg.  Im Kino gewesen. Verliebt. In ein kleines Mädchen! Wer sich da am Donnerstag in die spanische Kinderdarstellerin Sofía Oria verliebte, das war der kleine Junge in mir. Wie vermutlich viele andere im Saal hatte der Film "Blancanieves" mich sowieso schon in die Kindheit zurückversetzt. Schließlich ging es um Schneewittchen, nach den Brüdern Grimm, und was wir sahen, war ein Stummfilm, also auch ästhetisch etwas aus den Kindertagen des Kinos. Dabei ist der Film erst ein paar Jahre alt. Und das Kino war gar kein Kino, sondern die Laeiszhalle, aber das spielte keine große Rolle, höchstens deswegen, weil man die Bühne brauchte, damit ein ganzes Orchester, die Hamburger Symphoniker, die nahezu pausenlose Musik zu "Blancanieves" spielen konnte. Wir saßen gebannt vor der Leinwand wie früher die Dörfler, wenn der Kinowagen über Land fuhr und ein ratternder Projektor abends unter Sternen etwas Anrührendes an die gekalkte Hausmauer warf.

Sofía Oria spielt Schneewittchen als Kind. Die Stiefmutter ist eine Domina, die Zwerge sind echte Kleinwüchsige, das erwachsene Schneewittchen eine Stierkämpferin. Sehr spanisch, sehr expressiv, die Musik dazu ist hemmungslos emotional. Vorn machten vier Spanier Flamenco, der Komponist Alfonso de Vilallonga spielte selbst Akkordeon und Klavier, auch eine singende Säge kam vor. Ein magischer Abend für das innere Kind.

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