Deutsches Schauspielhaus

Viel Applaus für "Jungfrau von Orleans"-Premiere

Neben den Darstellern überzeugte auch das Bühnenbild. Themen erschreckend modern, ohne krampfhaft aktuell sein zu wollen.

Hamburg. Großer Erfolg für Tilmann Köhlers zeitgemäße Inszenierung von Schillers "Jungfrau von Orleans", die am Sonnabendabend am Deutschen Schauspielhaus Premiere hatte. Anne Müller spielt die Titelheldin, die wild entschlossen die französische Armee siegreich gegen die Engländer führt, hinreissend mit sanftem Furor, ansteckendem Charme und packender Leidenschaft.

König Karl ist bei Paul Herwig ein überzeugend zynischer Zauderer, dem die Welt zu Füßen liegt. Sein Hofstaat - lauter Politiker in schwarzen Anzügen, die neben den Schillerschen Worten auch Texte über Bomben, den Irakkrieg oder über Methoden, sich gegen Fremde abzuschotten vortragen, erschien erschreckend modern und vermied doch jegliche krampfhafte Aktualisierung.

Dominant und doch erhellend zeigte Karoly Risz' Bühnenbild, eine riesige halb offene Schale, die das Auf und Ab der Weltpolitik deutlich vor Augen führte, wenn die Spieler hochklettern, sich hinabstürzen oder von oben dozieren mussten. Nach Eindreiviertel-Stunden gab's viel Applaus.