Produzentenkunstmesse

Garten für Kunst-Entdecker im früheren Kraftwerk Bille

Aleksandra Olegovna arbeitet mit den
Farben von Fitness-Mode

Foto: Andreas Laible / HA

Aleksandra Olegovna arbeitet mit den Farben von Fitness-Mode

Die fröhlich-bunte Produzentenkunstmesse P/Art läuft ab 24. September. Wer hierher kommt, der wird in eine Wundertüte greifen.

Hamburg.  Hoch über all den Kunstwerken, die derzeit im ehemaligen Kraftwerk Bille einziehen, hängt ein riesiges Plakat, welches die Künstlergruppe Burnrate so bearbeitet hat, dass es eine neue, knallige Botschaft aussendet: "Bauhaus is winning the war!" steht dort. Es ist ein Spiel mit dem "Bauhaus"-Baumarkt-Schriftzug, der Do-it-yourself-Idee dahinter und dem Stilbegriff des Weimarer Bauhauses über alldem. Und es verbindet sich in dieser pfiffigen Arbeit mit dem alltäglichen Kampf auf dem Kunstmarkt um Anerkennung.

Burnrate ist eine Gruppe unter insgesamt rund 100 Künstlern, die vom 24. bis 27. September bei der Produzentenkunstmesse P/Art in Hammerbrook ausstellen. Hier gibt es keine öden Messeboxen, "davon genau wollen wir weg", sagt Justus Duhnkrack, einer der Hauptorganisatoren. Primär geht es um das, was spannend und interessant ist, nicht ums Verkaufen. Natürlich muss das kein Widerspruch sein, auch hier findet man wunderschöne Malerei, Fotografie, Grafik und Bildhauerei. Aber es darf auch bekloppt, abgedreht, wild und schmutzig sein, das Leben ist schließlich auch nicht immer schön. Wer ein Werk verkauft, muss 25 Prozent an die Organisatoren zahlen, womit die Unkosten gedeckt werden. Üblich sind 50 Prozent und mehr.

Ohne das hochmotivierte achtköpfige Organisationsteam wäre diese ehrenamtlich und gemeinnützig betriebene alternative Kunstpräsentation gar nicht möglich. Viele Künstler, die überwiegend persönlich anwesend sein werden, haben eigens für die Räume neue Arbeiten geschaffen.

Das Obergeschoss ist für all jene, die auch Exoten eine Chance geben

Nicht weit vom Eingang hängen die erleuchteten, menschenleeren Landschaften von Anna Fiegen, klassische Malerei gibt es also noch. Das Performance-Duo CMMC aus Belgien sortiert gerade künstliche Blumensträuße. Hauptsächlich werden sich die beiden Frauen stündlich zwischen die Besucher mischen und Alltagsposen imitieren: "Wir wollen auf diese Weise unsere Texte zum Leben erwecken."

Das Obergeschoss ist ein wilder Garten für Kunst-Entdecker, die bereit sind, auch Unkraut und Exoten eine Chance zu geben. Wer hierher kommt, der wird in eine Wundertüte greifen – manchmal süß, oft herb-aromatisch und manchmal auch ungenießbar. Zum Beispiel hat hier Simon Hehemann zwei Räume bespielt: In einem steht eine Art überdimensionierter Flipperkasten ohne Deckel mit chaotischem Innenleben, das er weiß überpinselt und mit Leuchtstoffröhren versehen hat – eine hybride Kreuzung zwischen Skulptur, Malerei und Installation.

Nebenan hat er nicht nur in einem Kasten eine Küche improvisiert. Sondern er hat sein Moped, mit dem er kürzlich einen Unfall hatte, mitten in dem engen Raum an Stahlseilen aufgehängt und mit halbgaren Spaghetti garniert. Dieser Raum erzählt unschwer erkennbar eine Geschichte, vielleicht ist es die des Künstlers, von seinem Traum vom Fliegen und die unsanfte Landung in der banalen Wirklichkeit.

Gegenüber sind zwei spannende Positionen zwischen Malerei und Fotografie zu erleben. Während Marcel Große das, was auf seinen gemäldeartigen Fotos zu sehen ist, dem physikalischen Zufall überlässt, indem er genau dann auf den Auslöser drückt, wenn zwei Drähte sich berühren und es gehörig britzelt, hat sich der klassische Bildhauer Janus Hochgesand erst kürzlich der Malerei überlassen, wild, gestisch, aber nicht ganz ungesteuert. Die Kraft dieser lustvollen Entladungen ist seinen Leinwänden anzumerken.

P/Art im früheren Kraftwerk Bille (Bus 160), Anton-Ree-Weg 50, 24.-27.9., Eintritt 10, erm. 8 Euro

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