Hamburg

Hallo, Festspiele! Oder: Räume öffnen in Hammerbrook

Ein neues Festival sucht den Austausch mit Hamburger Besuchern

Hamburg.  Es gibt ein neues Festival in Hamburg, es ist klein, alternativ und dazu noch in Hammerbrook, im und rund um das Kraftwerk Bille: Die interdisziplinären "Hallo-Festspiele" geht in der ersten Septemberwoche neue Wege. Wohin die führen sollen, das erklärt Dorothee Halbrock vom Festivalteam im Interview

Hamburger Abendblatt: Um was geht es bei den Hallo-Festspielen?

Dorothee Halbrock: Die Hallo-Festspiele wollen neue Orte und Menschen in Hamburg zusammenbringen – und die Mittel eines Festivals nutzen, um Räume auch langfristig zu öffnen. Ein "Hallo" ist in der Kommunikation ja auch eine Form von Einladung zu mehr als nur einer Begrüßung. Daraus entwickelt sich hoffentlich ein Gespräch.

Was versteht das Festival-Komitee unter "Räume öffnen"?

Halbrock: Das ist kein definiertes Programm, sondern die wiederkehrende Strategie: Wir schauen uns einen Ort an mit Menschen aus verschiedenen Disziplinen wie Architektur, Performance, Spiel, Diskurs und Musik. Dann versuchen wir das bereits am Ort Vorhandene sichtbar zu machen und etwas daraus entstehen zu lassen – mit den Nachbarn zusammen. Das ist eben kein Festival um des Festivals Willen, sondern wir feiern einen ganz bestimmten Ort. Dabei interessiert uns auch und vor allem: Was passierte hier vorher? Was passiert, wenn das "Hallo" vorbei ist?

Wie haben Sie den Veranstaltungsort ­gefunden?

Halbrock: Räume für nicht stadtentwicklungskonforme Nutzung sind ja bekanntlich rar in Hamburg. "Hallo" ist viel gelaufen, Rad gefahren und Bus und Schiff und Auto. So landete es dann beim Kraftwerk Bille in Hammerbrook. Der Ort selbst, das Umfeld, die Gebäude und die umliegenden Freiflächen sind einfach sehr spannend, da gibt es so viel zu sehen, zu diskutieren und zu spielen.

Was gibt es zu sehen?

Halbrock: Industriearchitektur aus Backstein aus dem frühen 20. Jahrhundert, Betonberge auf der anderen Seite der Bille, Brombeerbüsche, ratternde ­S-Bahnen aus Hamburgs Süden und der Innenstadt, ICEs nach Berlin. Ein Amphitheater aus Pflastersteinen, Bühnen aus Baugerüst, tanzende, diskutierende, fischende Menschen. Und es ist eben nicht nur Gucken, bei uns entstehen Dinge auch und vor allem durch die Hände und Worte der Anwesenden.

Was ist wichtiger: Der Ort oder die ­Performance?

Halbrock: Da gibt es keine Hierarchie, beides bedingt sich. Die beiden Teile der Hallo-Festspiele sind in ständigem Austausch. Die Performance entwickelt den Ort und umgekehrt. Aus dieser anhaltenden Kommunikation und auch aus der Kritik entsteht etwas Eigenes.

Was kann und soll aus den Hallo-Festspielen mittelfristig entstehen?

Halbrock: "Hallo" wandert in Hamburg. Wir wollen immer wieder an neue Orte, ohne die alten dabei zu vergessen. Dazu gibt es auch kleine "Hallos", die "Hallöchen", die über das Jahr verteilt stattfinden. (tha)

Hallo-Festspiele bis 5.9., Kraftwerk Bille (S Hammerbrook), Anton-Ree-Weg 50. Alle Informationen unter www.hallo-festspiele.de

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