Kultur

Lars Mikkelsen begann als Jongleur, Bruder Mads als Tänzer

Lars Mikkelsen spielt den dänischen Ermittler

Foto: ZDF/Mathias Bothor

Lars Mikkelsen spielt den dänischen Ermittler

Lars Mikkelsen spielt in "The Team" den dänischen Ermittler Harald Bjørn. Er ist derzeit in der neuen Staffel von "House of Cards" zu sehen.

Lars Mikkelsen spielt den dänischen Ermittler Harald Bjørn. Der ältere Bruder von Mads Mikkelsen ist unter anderem aus den TV-Serien "Borgen", "Sherlock" und dem Kinofilm "Headhunters" bekannt. Zurzeit ist er auch in der dritten Staffel von "House of Cards zu sehen.

Hamburger Abendblatt: Herr Mikkelsen, Sie haben vorher schon einmal für das ZDF gearbeitet, oder?

Lars Mikkelsen: Ja. Ich habe hier die Reihe "Unter anderen Umständen" mit Natalia Wörner gedreht. Es war mein erster Job außerhalb Dänemarks.

Und Sie haben in Ihrer Rolle Deutsch gesprochen?

Lars Mikkelsen: Ich fand mich brillant. Aber als ich es hinterher anhörte, klang es alles ganz weich. Ich komme eben aus Dänemark.

"The Team" will die Eigenständigkeit in der Ermittlungsarbeit jedes Landes zeigen und gleichzeitig betonen, dass man die dabei entstehenden Schwierigkeiten überwinden kann. Das ist ein ziemlicher Drahtseilakt.

Lars Mikkelsen: Ich bin aber ganz zufrieden mit dem Resultat. Für mich funktioniert das. Es macht Sinn, wenn man bei so einem Konzept ein bestimmtes Niveau erreicht. Es ist natürlich teuer, es so zu machen, und es hat bestimmt auch Leute gegeben, die das alles nicht für eine gute Idee halten, aber ich sehe das anders.

Das Fernsehen wird immer cinematischer. Macht es für Sie noch einen großen Unterschied aus, ob Sie für das TV oder das Kino arbeiten?

Lars Mikkelsen: Das kommt darauf an. Die Filme werden unter anderem deshalb immer ähnlicher, weil wir mit denselben Kameras arbeiten. Die Technologie hat hier fast für einen Gleichstand gesorgt. Auch die Rezeptionssituation mit all den Großbildschirmen in unseren Wohnzimmern hat sich in Richtung Kino verändert.

Dänemark war lange Zeit ein eher ruhiges Land, dann kam in den 90er-Jahren die Dogma-Bewegung, jetzt sind TV-Serien wie "Borgen" oder "Kommissarin Lund" international erfolgreich. Was ist da eigentlich los?

Lars Mikkelsen: Die Dogma-Regisseure hatten sich entschlossen, weniger darauf zu achten, Dinge mit den Kameras einfach nur abzufilmen, sondern bewusste stilistische Entscheidungen zu treffen. Dazu kam eine neue Generation von Schauspielern, die einen neuen Zugang zu ihrer Kunst versucht haben. Sie haben sehr auf Wahrhaftigkeit gesetzt. Das große Netzwerk des öffentlich-rechtlichen Senders Danmarks Radio wollte Dramen im Programm haben. Und wir haben diese Filmschule, die erstaunlich gute Absolventen hervorbringt. Es ist wohl eine Kombination all dieser Faktoren. Und wir subventionieren diese Industrie, sonst wären wir ein Nichts. Außerdem gibt es bei uns ziemlich flache Hierarchien. Drehbücher sind für uns nicht unantastbar. Wir arbeiten gemeinsam an ihnen, um ihren Wahrheitsgehalt zu steigern. Wir helfen einander.

Für Ihre Rolle als Harald Bjørn mussten Sie Ihre Höhenangst überwinden. Gab es noch mehr körperliche Herausforderungen?

Lars Mikkelsen: Ich habe vorher richtig trainiert, obwohl ein Großteil der Rolle sich am Telefon oder auf Bildschirmen abspielt. Ich wollte den Charakter aber als körperbetont darstellen.

Was war für Sie interessant zu spielen?

Lars Mikkelsen: Die Videokonferenzen, zu denen sich die Ermittler aus Belgien, Dänemark und Deutschland zusammenschalten, wobei sie sich direkt in die Augen sehen können. Das macht man bei Europol tatsächlich so. Bei einer Skype-Unterhaltung tut man das ja nicht. Das war für uns eine große Herausforderung. Wir haben es an die 50 Mal gedreht, damit die Winkel und das Timing stimmt. Und die Verfolgungsjagd im Gebirge. Meine Güte, war das da oben kalt. Ich produziere bei Dreharbeiten immer eine Menge Ideen, die ich den Regisseuren dann vorschlage.

Klingt, als hätte Sie selbst Regie-Ambitionen.

Lars Mikkelsen: Oh ja. Ich habe schon inszeniert und will im kommenden Jahr eine komplette Produktion an einem Theater in Kopenhagen leiten.

Sie haben bisher einmal mit Ihrem Bruder Mads zusammen vor der Kamera gestanden. Wie wäre es mit einer Zugabe?

Lars Mikkelsen: Würden wir total gern. Wir warten nur auf das geeignete Drehbuch.

Haben Sie und er identische Vorstellungen von der Schauspielerei?

Lars Mikkelsen: Nein. Wir werden einander vielleicht mit dem Alter wieder ähnlicher, aber wir sind beide aus ganz unterschiedlichen Richtungen ins Geschäft gekommen. Ich habe am Theater angefangen, er hat von Anfang an Filme gedreht. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der man sich ein bisschen umsehen konnte, bevor man einen Beruf ergriff. Ich habe die Universität und das Militär ausprobiert, bin dann als Jongleur auf den Straßen aufgetreten. Mads ist über das Tanzen zur Schauspielerei gekommen.

Haben Sie Hobbys?

Lars Mikkelsen: Ich angele gern und habe ein kleines Boot im Norden von Seeland. Ich schaffe es zwar nur selten, aber es ist so beruhigend, fast schon wie eine Meditation.

Dann macht Ihnen Einsamkeit wahrscheinlich nichts aus?

Lars Mikkelsen: Nein, darf sie auch nicht in diesem Beruf. Man reist viel, verbringt viel Zeit allein in Hotzelzimmern. Einsamkeit gehört dazu.

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