Offen gesagt

Urheberrecht gilt auch im Netz, Herr Böhmermann!

Foto: Michael Rauhe

Ein Kommentar von Alexander Josefowicz

Wenn man spontan und ungeplant 1000 Euro bezahlen soll, kann man sich schon einmal aufregen. Gerade wenn man sich augenscheinlich keiner Schuld bewusst ist. Und wenn man dazu noch Jan Böhmermann heißt, hochgelobter Moderator des "Neo Magazins" ist und über eine Gefolgschaft von gut 154.000 Followern verfügt, bekommt ein per Twitter abgesetztes Wutschnauben wie "Wer das Rostock-Lichtenhagen-Foto mit Hitlergruß und zugepisster Jogginghose twittert, wird vom Fotografen Martin Langer abgemahnt! 1000€!" gleich erhebliche Schlagkraft. Klasse, wie sich die Leute echauffieren, böse Machenschaften des doch sicherlich steinreichen Fotografen wittern und dem viel geschundenen Böhmermann zu Seite stehen.

Ja, 1000 Euro bezahlen zu müssen, das ist ärgerlich. Fast genauso ärgerlich, wie ein ums andere Mal erleben zu müssen, dass sich andere Menschen ungefragt der eigenen Arbeit bemächtigen – sei es mit böser Absicht oder ohne. Gerade ein Medienmensch wie Böhmermann sollte doch wissen, dass das Urheberrecht auch im Internet gilt. Und selbst wenn er sich trotzdem im Recht fühlt, ist es kein schöner Stil, einen Shitstorm über den Fotografen hereinbrechen zu lassen. Der hat schließlich nichts anderes getan, als seine Rechte an einem Foto zu wahren, das er 1992 unter nicht unerheblicher Gefahr für seine körperliche Unversehrtheit gemacht hat.