Kinopremiere

"buy buy st. pauli": Abschied von den Esso-Häusern

Foto: Baldwin Production

Die Langzeit-Dokumentation "buy buy st. pauli" feiert an diesem Montag im Abaton ihre Kinopremiere. Filmemacher haben die Bewohner und ihre Unterstützer mehr als zwei Jahre lang begleitet.

Abaton. Kiezgänger und St. Paulianer sehen zurzeit am Spielbudenplatz vor lauter Zaun die Baulücke nicht. Aber in der "PlanBude", die bis Mitte Februar an der Ecke Taubenstraße steht, können sie Ideen und Wünsche hinterlassen, wie es zukünftig an diesem Ort aussehen soll. Hier, wo bis zum Vorjahr die Esso-Häuser standen.

Die Bude ist nur eine kleine sichtbare Folge des Abrisses und der Auseinandersetzung um die beiden je achtstöckigen Plattenbauten aus den frühen 1960er-Jahren mit Wohnungen, Gewerberiegel, Geschäften und Clubs. Die größeren Fragen: War der Abriss wirklich unvermeidbar? Und wie kann sozialverträgliche Stadtentwicklung mit echter Beteiligung künftig aussehen?

Die Dokumentation "buy buy st. pauli" liefert Diskussionsstoff. An diesem Montag erlebt sie im Abaton ihren Kinostart mit den Protagonistinnen, das sind vor allem die früheren Bewohner der Esso-Häuser. Die Filmemacher Irene Bude und Olaf Sobczak, die sich schon 2009 mit ihrer Doku "Empire St. Pauli – von Perlenketten und Platzverweisen" dem Wandel ihres Stadtteils gewidmet hatten, haben mit Steffen Jörg die Bewohner und ihre Unterstützer mehr als zwei Jahre lang begleitet.

Mieter wie Evi Madejski etwa, eine resolute Oma, Ex-Seemann Heinz Barth oder Ruth Oberdick, mit 52 Jahren Verweildauer die "Rekordmieterin" der Esso-Häuser. Kontraste machen den filmischen Reiz aus: oben die oft liebevoll-plüschig eingerichteten kleinen Wohnungen, unten schon die großen Planierraupen. Dazu Aufnahmen von Demos und Stadtteilversammlungen, Momente der Hoffnung und Enttäuschung bis zum Packen der Umzugskartons und dem Einzug in neue Wohnungen. Auch Vertreter des Investors aus München und Stadtplaner kommen zu Wort – ohne Anspruch auf Objektivität.

Nach der Premiere im Abaton folgt ein Filmgespräch. Da die Esso-Häuser über Hamburg hinaus längst als Symbol von Gentrifizierung und den Widerstand dagegen gelten, ist "buy buy st. pauli" danach bundesweit auf Tour zu sehen. Gesprächsbedarf besteht schließlich auch andernorts.

"buy buy st. pauli" Premiere Mo 19.1., 20.00, auch So 25.1., 11.00, Abaton (Bus M4, M5), Allende-Pl. 3, Karten zu 8,-/erm 7,50 unter T. 41 32 03 20

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