Haspa-Neujahrskonzert

Exzellent: Braunstein und Marin beflügeln Hamburger Symphoniker

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Hamburger Symphoniker liefern in der Laeiszhalle mit Guy Braunstein und Ion Marin ein Neujahrskonzert nach Maß.

Hamburg. "Fast schon venezolanische Ausmaße" auf der Bühne kündigte der Intendant der Hamburger Symphoniker Daniel Kühnel dem Publikum des Haspa-Neujahrskonzerts in der nahezu voll besetzten Laeiszhalle an. Tatsächlich erschien das Orchester zum Entree mit reichlich Zuwachs: Das Felix Mendelssohn Jugendsinfonieorchester Hamburg, seit dieser Saison das Patenorchester der Symphoniker, spielte bei der Trompeten-Ouvertüre C-Dur op. 101 des Namensgebers mit. Weniger mit dem Ungestüm der Jugend als mit der Freude über die Anerkennung ihres Potenzials und ihrer Leistung webten sich die jungen Mitspieler ins Klangbild ein.

Das lag auch am neuen Ersten Gastdirigenten Ion Marin, der seiner Aufgabe mit einer einnehmenden Mischung aus Präzision, Willenskraft und Sanftmut nachgeht. Bei Max Bruchs Violinkonzert, das Guy Braunstein höchst musikantisch, voller Sensibilität und mit einer das Orchester beflügelnden Hingabe spielte, schien die Matrix dafür auf, wie Beziehung gelingt: Wenn jeder sein Bestes für den anderen gibt, vor allem aber für die gemeinsame Sache.

Zusammen atmen, lebendige Dynamik, zuhören, sich selbst zurücknehmen, ohne deshalb Verantwortung abzugeben – so erwuchs ein wunderbar offenes, verletzliches und blühendes gemeinsames Spiel. Und wie unverschämt mühelos Braunstein das Geigespielen aussehen lässt, verblüfft immer wieder.

Tschaikowskys 4. Sinfonie gestalteten die weiterhin hellhörigen Symphoniker ebenso delikat. Nicht mal im Andantino drückte Marin emotional auf die Tube. Er sorgte für die Entfaltung von Schönheit ohne Zuhilfenahme breiten Vibratos, und all die wunderbar kantablen Stellen der Bläser fügten sich bruchlos aneinander. Den rauschhaften Pizzicato-Rahmen des dritten Satzes musizierten die Symphoniker äußerst lebendig und klangstark, und im Finale herrschte freudige Konzentration bis hin zum vorzüglichen Triangelspieler. Nach diesem Auftakt könnte 2015 ein richtiges gutes Jahr werden.

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