Kritik an medialer Darstellung von Muslimen

Hannover. Migrationsexperten haben die ihrer Ansicht nach undifferenzierte Darstellung von Muslimen in den Medien kritisiert. Es werde nur selten zwischen Islam und Islamismus unterschieden, sagte der Vorsitzende des muslimischen Landesverbands Schura Niedersachsen, Avni Altiner, bei einer Fachtagung in Hannover. Die Präsidentin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Maren Brandenburger, machte die soziale Ausgrenzung junger Muslime für die Radikalisierung verantwortlich: "Salafismus sollte nicht nur vom Islam her gedacht werden, sondern als Folge gesellschaftlicher Desintegration."

Altiner zufolge stellen Medien und Politik den Islam oft als Bedrohung dar. Positiventwicklungen würden häufig ignoriert. Anschläge auf Moscheen riefen hingegen kaum Betroffenheit hervor. "Obwohl wir hier seit 50 Jahren friedlich leben, müssen wir uns immer noch von extremistischen Bewegungen distanzieren." Die Muslime könnten das Islamismusproblem nicht allein lösen, sagte Altiner. Die Moscheen brauchten mehr Geld, um hauptamtliche Mitarbeiter für die Jugendarbeit beschäftigen zu können.

Der Fokus des Verfassungsschutzes liege derzeit stark auf dem Islamismus, erklärte Brandenburger. Viele junge Muslime, die sich radikalisierten und etwa nach Syrien in den Kampf zögen, hätten keine Ausbildung und keine Perspektive in Deutschland. Viele hätten hier Ausgrenzungs- und Ohnmachtserfahrungen in der Schule oder bei der Berufssuche gemacht, sagte sie und warnte vor einer gefährlichen Wechselwirkung zwischen Islamismus und Rechtsextremismus. "Die Radikalisierung der einen führt zur Radikalisierung der anderen." Der Islamwissenschaftler Götz Nordbruch sagte, für den Umgang mit Islamismus könne die Gesellschaft viel aus den Erfahrungen mit dem Rechtsextremismus der vergangenen 20 Jahre lernen.