Musikpreis Hans

Welche Musiker bekommen den Hamburger Musikpreis?

Foto: Till Gläser

Die Finalisten für den Hamburger Musikpreis Hans, der am 26. November vergeben wird, stehen fest. Das Abendblatt stellt die Bands der Nachwuchs-Kategorie vor: Trümmer, Rhonda, Mantar und Neonschwarz.

Hamburg. Rock, Hip-Hop, Metal, Soul. Ein äußerst vielfältiger Jahrgang ist es, der da für den Hamburger Musikpreis Hans in der Kategorie "Nachwuchs des Jahres" nominiert ist. Zum bereits sechsten Mal kürt eine Experten-Jury künstlerisch herausragende Musiker der Hansestadt. In insgesamt acht Rubriken wie "Hamburger Künstler/Künstlerin des Jahres" oder "Programmmacher des Jahres" konkurrieren bei der Hans-Verleihung am 26. November jeweils vier Finalisten, die jetzt bekannt gegeben wurden (siehe Kasten).

Und es lohnt sich, das Augenmerk vor allem auf die Newcomer zu richten. Zeigt sich in dieser Kategorie doch eine besonders impulsive und spannende Bandbreite, wie sich musikalisches Schaffen zwischen Elbe und Alster gestalten kann. Denn prägend für alle vier Nominierten ist, dass sie nicht von einer großen Plattenfirma angeschoben wurden, sondern aus subkulturellen Keimzellen stammen. Aus Szenen, die wie kleine kreative Kraftzentren in die sich wandelnde Stadt hinein und weit darüber hinaus wirken. Mit wuchtiger Musik, mit guten Texten und mit einer im besten Sinne eigensinnigen Haltung.

Dass es reichlich mündige Hörer gibt, die Meinungsstärke, aber auch richtig gestellte Fragen zu schätzen wissen, das zeigt die Band Trümmer. Derzeit befindet sich das Rocktrio auf Tour durch Österreich und Deutschland, um ihr hoch gelobtes Debüt vorzustellen. Zwar haben Sänger Paul Pötsch, Schlagzeuger Max Fenski und Bassist Tammo Kasper ihr Album bei der Plattenfirma Pias veröffentlicht.

Eine Plattenfirma veröffentlicht alternative Popkultur

Allerdings haben sie sich mit dem Label Euphorie längst ein eigenes künstlerisches Netzwerk geschaffen, das Gleichgesinnte mit- und anzieht. Kennzeichnend ist eine Art wütende Menschenfreundlichkeit. Mit zärtlichem Druck singen und spielen die Mittzwanziger gegen die Lethargie ihrer Altersgenossen an und laden alle ein, bei ihrer Revolte mitzumachen. "Eine Stadt, eine Leiche, ein Planet, ein Patient./Wo jeder nur an sich selbst denkt/und niemanden wirklich kennt", lautet ihre Zeitgeist-Analyse.

Mit viel Beat wiederum kommt die Sozialkritik bei Neonschwarz daher. In ihrem aktuellen Video zu dem Song "2014" erinnert das Hamburger Hip-Hop-Quartett an rassistische Anschläge Anfang der 1990er-Jahre und schneidet Kommentare zur heutigen Lage der Flüchtlinge dagegen. Zum energiegeladenen Sound von DJ Spion Ypsilon sprechsingen die Rapper Captain Gips, Johnny Mauser und Marie Curry ganz geradeheraus, was sie bewegt. "Bitte guck nicht weg / bitte misch Dich ein", fordern die "Schwizzys", wie ihre Fans sie nennen. Ihr Debütalbum "Fliegende Fische" ist dieses Jahr bei Audiolith erschienen.

Eine Plattenfirma, die seit mehr als zehn Jahren alternative Popkultur veröffentlicht. Und die 2010 mit einem Hans als "Label des Jahres" geehrt wurde. Audiolith-Chef Lars Lewerenz zerhackte damals die Trophäe auf der Bühne. Unter anderem, um auf die Selbstausbeutung von Kulturschaffenden aufmerksam zu machen. Dass eine Veranstaltung wie der Hans einen solchen Dissens nicht nur aushält, sondern immer wieder mit offenen Armen einlädt, zeigt das Bemühen, die Hamburger Szene wirklich ernst zu nehmen.

Der Frauenanteil bei Musikveranstaltungen ist ausbaufähig

Und das bedeutet ebenfalls, sich bisher weniger beachteten Genres zu widmen. Dem Metal etwa. Gitarrist Hanno und Schlagzeuger Erinc stammen ursprünglich aus der Bremer Punkszene und haben sich vor zwei Jahren in Hamburg als Mantar zusammengetan, um mit anarchischer Vehemenz die lauten wie dunklen Seiten des Lebens auszuloten. Ihre Konzerte sind kompromisslose wie schweißgetränkte Infernos, auf denen sie das Innerste von Körper und Seele nach außen zu stülpen scheinen.

Mit einigen selbst produzierten Songs machten die beiden das finnische Label Svart Records auf sich aufmerksam, wo sie auch ihren Erstling "Death By Burning" herausbrachten. Mantar ist unter den vier Hans-Newcomern jene Band mit der größten internationalen Zugkraft. Davon künden nicht nur Lobeshymnen in Metal-Magazinen rund um den Globus, sondern zudem ein Tourplan, der sich von Florida bis nach Norwegen erstreckt.

In die Bremer Subkultur reichen ebenfalls die Wurzeln der Soul-Band Rhonda, die auf Mitgliedern der einstigen Garage-Rock-Combo Trashmonkeys basiert. Sängerin Milo Milone verquickt so unterschiedliche Einflüsse wie Punk und Gospel in ihrem Gesang zu einem satten, eindringlichen Groove. Der besondere Reiz bei Rhondas Platte "Raw Love" liegt in der Liaison von geerdeter Attitüde und eleganten Arrangements, von rauem Retro-Sound und der Verneigung vor Stilikonen wie Amy Winehouse.

Auch wenn der Frauenanteil bei Musikveranstaltungen wie dem Hans ausbaufähig ist, setzt Rhonda ebenso wie Neonschwarz mit starken Frontfrauen ein Zeichen. Und mit Songs, die Mut machen. Wie Rhondas Selbstbehauptungsstück "My Thing".

Bis zur Verleihung in der Markthalle bleibt es spannend, wer einen Hans bekommen wird. Ein gutes Signal ist jedoch bereits die Auswahl der Acts. So erläutert Jury-Vorsitzender und Hans-Ideengeber Alexander Maurus: "Wir haben innerhalb der Jury rege Diskussionen geführt. Kommerzielle Aspekte spielen bei den Entscheidungen keine Rolle, ausschlaggebend sind ausschließlich künstlerische Kriterien."

Hans-Karten gewinnen

Am 26. November wird in der Markthalle vor 500 geladenen Gästen der Musikpreis Hans verliehen, der im Jahr 2009 von der Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft e.V. (IHM) ins Leben gerufen wurde. Bei der Pop-Gala sind neben Lob- und Dankesreden auch zahlreiche Acts live zu erwarten. Moderator Götz Bühler führt durch das Programm.

Das Hamburger Abendblatt, das die Nachwuchs-Kategorie präsentiert, verlost exklusiv zweimal zwei Karten für diese ganz besondere Veranstaltung. Wer Lust hat auf einen durch und durch Hamburger Musikabend, der schickt einfach eine Mail mit dem Stichwort "Hans" in der Betreffzeile an kultur@abendblatt.de und gelangt so automatisch in unsere Verlosung (bitte Alter angeben). Viel Glück!

Die Nominierten für den Musikpreis Hans im Jahr 2014

Künstler/Künstlerin des Jahres

Andreas Dorau

Felix Kubin

Marcus Wiebusch

Y'akoto

Herausragende Hamburger Künstlerentwicklung

Deine Freunde

Neonschwarz

Rhonda

Trümmer

Hamburger Medienformat des Jahres

Byte FM Magazin – Radio

Das Wetter – Magazin

Hanseplatte – Musik von hier, Shop / Newsletter /Radio Holprig

Reeperbahn Festival – Die Veranstaltungs App

Hamburger Produktion des Jahres

Mantar – Death By Burning

Nils Koppruch – Tribute Album

Tensnake – Glow

Trümmer – Trümmer

Hamburger Programmmacher des Jahres

MS Hedi

Pudel Club

Reeperbahn Festival

Überjazz

Hamburger Gestaltung des Jahres

Alex Solmann – Pudel Club, visuelle Gesamtgestaltung

Kopf&Steine – Dockville, Spektrum, visueller Gesamtauftritt

Dennis Dirksen, Björn Lingner – Der Tag wird kommen/Der Film

Scooter – The Fifth Chapter Deluxe Box

Hamburger Nachwuchs des Jahres

Mantar

Neonschwarz

Rhonda

Trümmer

Hamburger Song des Jahres

Deichkind – "Ich hab eine Fahne"

Jan Delay – "St. Pauli"

Marcus Wiebusch – "Der Tag wird kommen"

Trümmer – "Wo ist die Euphorie"

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