Düsterfunkelndes Technomärchen

Wie Tausende andere Partytouristen jedes Wochenende landet der junge Spanier Luis (Fernando Tielve) in Berlin, um in den Clubs tage- und nächtelang durchzufeiern. Wenn der weltweite Ruf der Stadt als exzessive Partyhochburg auch nur einen Kern Wahrheit enthält, lässt es sich hier prima zwischen Techno, Drogen und Sex versumpfen. Genau das will Luis, und die Stadt präsentiert sich zunächst wie das urbane Idyll einer perfekten Werbekampagne. An der Warteschlange zur begehrten Techno-Kathedrale kommt er dank eines unbekannten Mädchens vorbei, mit dem er kurz darauf diverse Drogen einwirft.

Doch schon am nächsten Tag entwickelt sich Luis' Kurzaufenthalt zu einem größeren Trip, als dem Jungen gut tut. Auf der After-Hour-Party im Kater Holzig lernt er den charismatischen Ukrainer Viktor (Marco Mandic) kennen und verliebt sich prompt. Doch was hat der mit dem Verschwinden des Griechen Dimitri zu tun, dem Luis verblüffend ähnlich sieht?

Der Film von Stefan Westerwelle und Patrick Schuckmann ist dann am besten, wenn er atmosphärisch die Berliner Partyszene und die Stimmung in der Stadt einfängt und dabei das niedrige Budget durch reichlich Stilwillen ausgleicht. Ganz leise übt er auch Kritik an der Uniformität der angeblich so individuellen Hipster.

Luis steht symptomatisch für eine ganze Generation junger Ausländer, die für eine Weile nach Berlin kommen und auf der Suche nach sich selbst zwischen Realität und Rausch verloren gehen. Der Film setzt ihnen mit seinem düsterfunkelnden Technomärchen, angeregt von einem realen Fall, ein kleines Mahnmal.

+++-- "Lose Your Head" D 2013, 98 Min., ab 16 J., R: Stefan Westerwelle, P. Schuckmann, D: F. Tielve, täglich im 3001 (OmU); www.loseyourhead.de

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