30.06.13

Stadtpark-Konzert

Woodstock-Veteranen, die ihr Eintrittsgeld wert sind

Crosby, Stills und Nash lassen im Stadtpark die späten 60er- und frühen 70er-Jahre wieder aufleben. Der vergleichsweise hohe Kartenpreis von 65 Euro hat sich gelohnt.

Von Heinrich Oehmsen
Foto: pa/dpa/UPI_/Landov
Stephen Stills und Graham Nash bei Konzert
Stephen Stills (l.), Graham Nash und David Crosby (r.) von der US-Band "Crosby, Stills and Nash" (Archivbild)

Hamburg. Entspannt schlurfen sie kurz vor 19 Uhr auf die Stadtpark-Bühne, prosten dem Publikum aus Plastikbechern zu und hängen sich ihre Gitarren um. David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash (CSN) müssen niemand mehr etwas beweisen, höchstens, dass sie die 65 Euro Eintritt wert sind. Das Konzert der "Supergroup" beginnt mit "Carry On" und zeigt, wofür das Dreigestirn seit Jahrzehnten gelobt und geliebt wird: Es ist der kristallklare vielstimmige Harmoniegesang, der etwas himmelhochjauchzendes hat, wenngleich alle drei immer weit davon entfernt waren, Chorknaben zu sein. "Klingt viel besser als früher", sagt ein Fan, der CSN vor mehr als 20 Jahren in der Musikhalle erlebt hat. Damals hatte vor allem Crosby noch stark mit seiner Drogensucht zu tun und war oft nicht Herr seiner Sinne.

An diesem kühlen Sommerabend sind alle drei sehr konzentriert bei der Sache und wollen dem Publikum offenbar einen Abend präsentieren, den es in bester Erinnerung behalten soll. Das Repertoire und die Klasse dafür besitzen die Woodstock-Veteranen. "No rain" skandieren sie bereits nach dem ersten Song und zitieren damit die Hippiegemeinde, die 1969 bei der Mutter aller Rockfestivals gegen das schlechte Wetter angesungen hat. In Hamburg erhört der Wettergott den Wunsch, es bleibt trocken, aber von einem lauen Sommerabend kann nicht die Rede sein. "Die Politiker erzählen uns immer was von globaler Erwärmung, aber das ist doch kein Sommer", mault Crosby und bekommt sofort den Konter von Stills: "In Kalifornien sind gerade 40 Grad."

Animositäten zwischen den drei Musikerpersönlichkeiten und ihrem zeitweiligen vierten Mitglied Neil Young gehören zur Geschichte von CSN wie die Elbe zu Hamburg. Doch inzwischen haben sie sich die Hörner aneinander abgestoßen und lassen die großen Nummern der späten 60er- und frühen 70er-Jahre wieder aufleben: "Long Time Gone" haben sie ebenso im Programm wie "Teach Your Children", "Guinnevere" und das etwas kitschige "Our House". Die Reihenhausromantik passt eigentlich nicht zu dem Trio, das sich immer auch als politische Band gesehen hat. Auch in Hamburg wird nicht mit Kritik gegeizt. "In den USA kannst du dir einen Kongressabgeordneten für den Preis eines Autos kaufen", grantelt Crosby. Die Hände hat er tief in den Taschen einer Vliesjacke gesteckt, die langen weißen Haare und die abgewetzte Baseball-Kappe geben ihm etwas proletarisches. Der schlanke Graham Nash wirkt in seinem eleganten schwarzen Bühnenoutfit daneben wie ein Gentleman der britischen Upper Class.

Eine fünfköpfige Band inklusive Crosbys Sohn James Raymond an den Keyboards begleitet die drei Sänger. Die variieren das Programm und agieren zu dritt, zu zweit oder als Solisten. Einer der stärksten Momente des fast dreistündigen Abends ist Stephen Stills' Nummer "Treetop Flyer". Nur von Bass und Schlagzeug begleitet zeigt er, welch brillanter Gitarrist er immer noch ist. Der Schluss des Konzerts ist noch einmal von Woodstock-Nostalgie geprägt: Mit "Wooden Ships" und dem achtminütigen "Suite: Judy Blue Eyes" beenden Crosby, Stills und Nash ihr Hamburger Konzert. Am Ende sieht man viele zufriedene bis strahlende Gesichter. Die 65 Euro haben sich gelohnt.

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