25.05.13

"Tatort" in der ARD

"Spiel auf Zeit": Glaube nie einem Gangster

Der Stuttgarter "Tatort – Spiel auf Zeit" ist spektakulär. Das von Holger-Karsten Schmid geschriebene Drehbuch ist so spannend, wie man das normalerweise nur von amerikanischen Serien oder Kinofilmen kennt.

Von Heinrich Oehmsen
Foto: dpa
Stuttgarter Tatort "Spiel auf Zeit"
Ihr Leben gerät aus den Fugen: Richy Müller (l.) als Kommissar Thorsten Lannert und Felix Klare als sein Kompagnon Sebastian Bootz

Die Straßensperre sieht aus wie eine normale Polizeikontrolle. Ein Gefangenentransporter der Justizbehörde wird von der Straße gewinkt. Doch die Uniformierten sind Gangster. Sie töten einen der Justizbeamten, verletzen den anderen schwer, sprengen die Tür auf und befreien den Bankräuber Volker Zahn. Die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) sind kurze Zeit später am Tatort, doch die Verbrecher sind schon über alle Berge. Möglich wurde die Befreiung nur, weil die für Zahn zuständige Staatsanwältin erpresst worden ist. Die Bande hat ihren Mann entführt, angesichts der Brutalität der Gangster scheint sein Leben in höchster Gefahr. Es beginnt ein "Spiel auf Zeit".

So lautet der Titel des Stuttgarter "Tatorts". Die Befreiung des Entführten ist nicht die einzige Aktion, bei der Lannert und Bootz im Wettlauf mit der Uhr ermitteln müssen. Sie erhalten Hinweise auf einen geplanten Überfall der Bande um Zahn. Hauptinformant ist ein alter Bekannter von Lannert aus seiner Zeit als verdeckter Ermittler. Vor Jahren hat er den Waffenschieber Victor de Man (Filip Peeters) hinter Gitter gebracht. De Man möchte für seine Hinweise Hafterleichterungen. Seine Informationen sind hilfreich, er berichtet, dass Zahn sich Schnellfeuergewehre besorgt hat. Er bietet an, herauszufinden, was die Bande vorhat. Dazu muss er aber das Gefängnis verlassen. De Man gibt Lannert sein Wort, nicht abzuhauen. Der Kommissar vertraut ihm, sein Kollege Bootz nicht. Ein turbulentes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Das von Holger-Karsten Schmid geschriebene Drehbuch ist so spannend, wie man das normalerweise nur von amerikanischen Serien oder Kinofilmen kennt. Die Gefangenenbefreiung und der Showdown sind spektakulär in Szene gesetzt, die Dialoge zwischen Lannert und dem aalglatten de Man sind psychologisch hochkarätig, weil beide sich gegenseitig belauern und versuchen, sich in ihr Gegenüber hineinzudenken. De Man spielte 2009 im "Tatort – Tödliche Tarnung" schon einmal eine entscheidende Rolle. Kurz vor der Verhaftung des Waffenhändlers flog Lannerts Tarnung auf, als vor seinen Augen Frau und Tochter tödlich verunglückten. Auch diese Rückblende mit ein paar offenen Fragen gibt der Beziehung zwischen den beiden Männern zusätzlichen Reiz.

Parallel zu den schwierigen Ermittlungen läuft ein zweiter Erzählstrang mit Sebastian Bootz im Mittelpunkt. Seine Frau (Thalia-Schauspielerin Maja Schöne) offenbart ihm, dass sie sich in einen anderen Mann verliebt habe und ihn verlassen will. Für Bootz bricht eine Welt zusammen, er kann sich kaum auf den laufenden Fall konzentrieren und besorgt sich illegal Informationen über den Nebenbuhler. Seine Wut geht so weit, dass er den Mann in dessen Haus aufsucht. Auch diese private Geschichte ist überzeugend inszeniert. Bootz fragt sich, warum er nicht gemerkt hat, dass seine Frau sich von ihm entfremdet hat. "Läuft doch alles. Gar nichts läuft", sagt er in einem hilflosen Selbstgespräch.

Mit Roland Suso Richter hat diese "Tatort"-Folge einen erfahrenen Regisseur, der eine ganze Reihe von Kinofilmen und aufwendigen Fernsehproduktionen inszeniert hat. Unter anderem hat er fürs Kino den Thriller "14 Tage lebenslänglich" und "Nichts als die Wahrheit" über den KZ-Arzt Josef Mengele gedreht. Im Fernsehen bekam Richter sowohl für "Die Bubi Scholz Story" als auch für "Der Tunnel" gute Kritiken. "Spiel auf Zeit" hat er als spannenden Polizeifilm nach amerikanischem Muster gedreht. Geschichte und Inszenierung bieten so viel Stoff, dass man sich gewünscht hätte, Richter hätte mehr Zeit zur Verfügung gehabt als die üblichen 90 "Tatort"-Minuten. Gerade die Schlusssequenzen mit der Schießerei an einem Bahnübergang hätte ein Hollywood-Regisseur sicher noch breiter ausgewalzt.

"Spiel auf Zeit" ist einer der spannendsten "Tatorte" der vergangenen Monate und ein gutes Beispiel, wie unterhaltsam Fernseh-Krimis sein können, wenn man ein entsprechendes Gefühl für das richtige Timing besitzt und eine gute Story hat. Zudem funktioniert das Paar Lannert/Bootz mit den Schauspielern Richy Müller und Felix Klare perfekt. Ihre Figuren überzeugen auch, weil sie menschliche Schwächen haben dürfen. Sie sind das derzeit beste Ermittlerteam der "Tatort"-Reihe.

"Tatort: Spiel auf Zeit" ARD, So 26.5., 20.15 Uhr

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