Medienmacher M. DuMont Schauberg bekommt einen Vorstandsvorsitzenden

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Teurer als geplant wird für Gruner + Jahr der Anfang des Jahres erfolgte Personalabbau bei der "Brigitte". Beim WDR sind viele unzufrieden mit den Vorschlägen der Findungskommission für die Besetzung der vakanten Position des Intendanten.

Eine neue Führungsstruktur gibt sich das Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (MDS), in dem neben Blättern wie dem "Kölner Stadtanzeiger" und der "Berliner Zeitung" auch die "Hamburger Morgenpost" erscheint. Auf einem Führungskräftetreffen kommenden Donnerstag in Köln soll die Berufung eines Vorstandsvorsitzenden bekannt gegeben werden. Bisher wird der Verlag von einem gleichberechtigten vierköpfigen Vorstand geführt, in dem mit Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte jeweils ein Vertreter der beiden Verlegerfamilien sitzt. Zudem mischt mitunter auch noch der 86 Jahre alte Verlagspatriarch Alfred Neven DuMont im Tagesgeschäft mit. Mit der Berufung eines Vorstandsvorsitzenden will sich MDS eine zeitgemäße Struktur geben, heißt es in Verlagskreisen. Der künftige Vorstandsvorsitzende soll von außen kommen und ein erfahrener Medienmanager sein. Um wen genau es sich dabei handelt, ist nicht bekannt. Immer wieder genannt werden jedoch die Namen des Geschäftsführers der Funke Mediengruppe("WAZ","Thüringer Allgemeine")Christian Nienhaus und des Geschäftsführers der Verlagsgruppe Rhein Main (Mainzer "Allgemeine Zeitung", "Wiesbadener Kurier") Hans Georg Schnücker. MDS lehnt jede Stellungnahme ab.

Unzufrieden sind viele im WDR mit den Vorschlägen der Findungskommission für die Besetzung der vakanten Position des Intendanten. Alle drei vorgeschlagenen Kandidaten hätten Schwächen. Dem Intendanten von Radio Bremen Jan Metzger wird nachgesagt, den kleinsten ARD-Sender nicht im Griff zu haben, weshalb er Schwierigkeiten haben könnte, den größten zu führen. Direktor Stefan Kürten, Direktor der Europäischen Rundfunkunion, kennt kaum jemand. Und gege n"Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow spricht, dass er keine Führungserfahrung vorzuweisen hat. Kritik entzündet sich auch am Vorgehen der Findungskommission, die mit Headhuntern arbeitete, von denen mancher Kandidaten kontaktiert haben soll, deren Gehalt das eines WDR-Intendanten um das Dreifache überstieg. Dennoch gilt es als unwahrscheinlich, dass die Kommission, der wichtige Wortführer des Rundfunkrats angehören, die ihr Gesicht nicht verlieren wollen, kurzfristig einen weiteren Kandidaten nominiert. Als Fehler gilt, dass nur extern nach Kandidaten gefahndet wurde. Interne Interessenten wie der WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hatten keine Chance. Dass der Rundfunkrat, der am 29. Mai den Intendanten wählt, alle drei Kandidaten durchfallen lässt, macht das WDR-Gesetz praktisch unmöglich: Die einfache Mehrheit reicht aus. Eine Mindestanzahl von Stimmen muss der neue Intendant nicht erreichen.

Teurer als geplant wird für Gruner + Jahr der Anfang des Jahres erfolgte Personalabbau bei der "Brigitte". Eine ehemalige freie Mitarbeiterin der Redaktion einigte sich vor dem Arbeitsgericht auf einen Vergleich mit dem Verlag, der ihr eine Abfindung von 37.000 Euro zahlen muss. Die Frau hatte neun Jahre für die "Brigitte" gearbeitet, davon die ersten anderthalb Jahre in Festanstellung. Weil ihr Vertrag 2005 auf Wunsch von G J umgewandelt wurde, sei dies "kein 08/15-Fall" urteilte der Richter. G J kann bis zum 29. Mai von dem Vergleich zurücktreten, was das Zeitschriftenhaus aber, wie es in Verlagskreisen heißt, nicht tun wird. Im Falle einer Niederlage vor Gericht hätte G J wegen Scheinselbstständigkeit wohl eine weitaus höhere Summe an Sozialabgaben nachzahlen müssen. Vor dem Landesarbeitsgericht Berlin Brandenburg ist der Fall einer weiteren ehemaligen freien "Brigitte"-Mitarbeiterin anhängig, die 23 Jahre für das Blatt arbeitete, davon die erste Zeit in Festanstellung.