Hamburger Sologitarrist Christian Moritz: Der Prophet der Gitarre

Foto: Michael Rauhe

Vor zehn Jahren gründete Christian Moritz die Hamburger Gitarrentage - heute gibt Johannes Tonio Kreusch ein Jubiläumskonzert.

Laeiszhalle. Weltweit wohnen auf den Gipfeln der klassischen Gitarrenspielkunst viele Götter, und Christian Moritz, 45, ist ihr Hamburger Prophet. Genau genommen gar ein Prophet der Gitarre selbst. Vor zehn Jahren gründete der Sologitarrist und Musikpädagoge die Hamburger Gitarrentage im Farmsener Bildungszentrum Ost. An diesem Freitag gibt Johannes Tonio Kreusch das Jubiläumskonzert im Studio E der Laeiszhalle - passenderweise, denn der Künstler aus München war es, der auch zur Eröffnung vor zehn Jahren auftrat. Kreusch, der gerade eine neue CD mit Werken von Heitor Villa-Lobos eingespielt hat, gehört längst zu den deutschen Exportartikeln in Sachen klassischer Gitarre, gibt immer wieder Konzerte auch in den USA, wo er einst an der New Yorker Juilliard School of Music studierte. Beim Konzert am heutigen Freitag wird Kreusch auch mit seiner Frau, der Violinistin Doris Kreusch-Orsan, auftreten.

Aber nicht nur Kreusch, auch die Gitarrentage haben sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt. Sie sind aus Farmsen in den Kulturhof Dulsberg umgezogen und umfassen neben erstklassigen Konzerten und Meisterklassen auch das alle zwei Jahre stattfindende Gitarrenfestival. Dessen nächste Ausgabe ist für Herbst 2014 vorgesehen; im vergangenen Jahr kamen 4500 Gäste. Kein Wunder, denn Moritz arbeitet mit Gitarrengöttern zusammen, unter ihnen Pepe Romero und der spanische Nachwuchsstar Rafael Aguirre Minarro.

"Rückblickend bin ich froh, dass sich das Festival langsam, aber stetig aufwärts entwickelt hat", erzählt Moritz. Mittlerweile hat er die gemeinnützige GmbH GitarreHamburg gegründet, die als Veranstalter einen Teil seines persönlichen Risikos absichert. GitarreHamburg hat sich neben den Gitarrentagen und dem Festival der Nachwuchsförderung verschrieben und betreibt auch das momentan 15 Schüler zwischen elf und 27 Jahren umfassende JugendGitarrenOrchester Hamburg. Die Teilnahme für die Schüler ist kostenlos, das Orchester hat gerade eine CD eingespielt und den Landesorchesterwettbewerb gewonnen.

Wird ihm die Organisation neben dem Unterrichten nicht manchmal zu viel? Moritz lächelt: "In den Tagen vor jedem Festival schwöre ich mir, dieses eine Event noch durchzuziehen und das dann nie wieder zu machen. Da komme ich kaum noch zum Schlafen. Aber dann sitze ich im ersten Konzert, und die ganze Anspannung ist wie weggeblasen. Dann weiß ich wieder, wofür."

Hauptgitarrengötter der diesjährigen Gitarrentage sind die Mitglieder des Los Angeles Guitar Quartet, das als eines der besten klassischen Ensembles der Welt gilt (15. Mai um 20 Uhr im kleinen Saal der Laeiszhalle). John Dearman, derzeit Leiter der Kammermusik an der California State University und seine Mitstreiter Matthew Greif, William Kanengiser und Scott Tennant geben einen Tag vor ihrem Konzert in der Schule Alter Teichweg Workshops. Kinder aus Hamburg und Umgebung können kostenlos passiv teilnehmen. Erzählt Christian Moritz vom Los Angeles Guitar Quartett, kommt er schnell ins Schwärmen: "Die sind echt cool, die Jungs, treten ganz anders auf als zum Beispiel Pepe Romero. Der hat eine Aura, verkörpert die klassische Gitarre ganz anders. Für die Gitarrenschüler ist es toll, beides erleben zu können."

Das letzte von Moritz in diesem Jahr in Hamburg veranstaltete gitarristische Großereignis wird die Fingerstyle-Night am 25. Oktober um 20 Uhr im Kulturhof Dulsberg sein. Da geben sich das Duo Hands on Strings und Größen wie Adam Rafferty, Franco Morone und Marcel Mokbel die Saiten in die Hand - und am Tag darauf einen Workshop. Weitere Konzerte geben 2013 im Kulturhof jeweils um 20 Uhr Gerhard Reichenbach, Konzertgitarrist und Professor an der Musikhochschule Köln/ Wuppertal (14. September) und die Hamburger Szenegrößen Kamasol (21. Juni) sowie das gleichfalls in der Hansestadt beheimatete Duo "From East" (23. November).

Jubiläumskonzert Johannes Toni Kreusch Fr 12.4., 20.00, Laeiszhalle (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz, Karten 18,-