Drei Literaturfestivals für Hamburg

Im April locken außer den "Vattenfall Lesetagen" auch die "HEW-Lesetage" und "Lesen ohne Atomstrom" das Publikum an

Hamburg. Noch liegt in der Hansestadt der Schnee, den keiner im Vorfrühling erwartet hatte. Am 19. April, wenn alles befreit ist von Eise und Kälte, liest in Hamburg Erfolgsautor David Guterson, bekannt geworden mit seinem Roman "Schnee, der auf Zedern fällt". Der Amerikaner stellt sein neues Buch "Der Andere" im Amerika-Zentrum vor - und ist damit nur einer von mehr als 120 Mitwirkenden aus 14 Ländern bei den "Vattenfall Lesetagen".

Das Festival findet vom 18. bis 25. April zum 15. Mal in der Hansestadt statt, diesmal mit mehr als 100 Veranstaltungen.

"Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?", zitierte Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) den österreichischen Schriftsteller Karl Kraus bei der Programm-Vorstellung im Rathaus. Und dabei hatte sie die Literaturfestivals "HEW-Lesetage gegen Vattenfall" und "Lesen ohne Atomstrom" noch gar nicht erwähnt. Der April hat es in Hamburg literarisch in sich.

Das Konzept von Vattenfall - zum Ende des vorigen Jahrtausends entwickelt, als das Unternehmen noch als "Hamburgische Electricitäts-Werke" firmierte - zielt mit etwa der Hälfte der Veranstaltungen auf Kinder und Jugendliche. Da ist so, seit das Kinderprogramm 2001 Teil der Lesetage wurde. Auch die Eröffnungsveranstaltung am Vormittag des 18. April, bei der Bettina Göschel und Klaus-Peter Wolf aus "Ritterfest und Drachentanz" lesen, richtet sich an die ganze Familie. Ort ist das Ohnsorg Theater, das ebenso erstmals zu den Veranstaltungsstätten gehört wie etwa die Wasserinsel Kaltehofe, Desy oder die Oberhafen Galerie. Für Barbara Kisseler ein "Erfindungsreichtum, was neue Orte angeht". Dank dieser Veranstaltungsorte könnten die Besucher "bekannte Schauplätze der Stadt mal ganz anders kennenlernen".

Zu den internationalen Gästen zählt auch der spanische Autor Jesus Carrasco, der in seinem krisengeplagten Heimatland erst richtig populär wurde, nachdem ihn die Einladung aus Hamburg erreicht hatte. Carrasco stellt seinen Roman "Die Flucht" am 19. April im Kellertheater vor, er erzählt den gemeinsamen Überlebenskampf eines Jungen und eines alten Ziegenhirten. In der Frauen-Reihe erscheint am 19. April zwar nicht Angela Merkel in der Axel-Springer-Passage, Stefan Kornelius, Ressortleiter Außenpolitik der "SZ", stellt dort jedoch sein neues Buch "Die Kanzlerin und ihre Welt" vor. Ex-"Tatort"-Kommissarin Andrea Sawatzki liest nicht in der Frauen-Reihe, sondern aus ihrem viel gelobten Krimiromandebüt "Ein allzu braves Mädchen" am 20. April im Abaton.

Die "Vattenfall Lesetage" könnten eine runde Sache werden, wären da nicht die Vorwürfe des "Greenwashings" gegenüber dem schwedischen Stromkonzern. Senatorin Kisseler, deren Behörde die Lesetage mit nur 3485 Euro unterstützt, begrüßte das kulturpolitische Engagement von Firmen, betonte jedoch: "Die Lesetage sind kein kulturpolitischer Freibrief, den sich Vattenfall auf diese Art erkauft." Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall GmbH für die Metropolregion Hamburg, konnte und wollte das Engagement seines Unternehmens nicht beziffern, sagte aber: "Die ,Vattenfall Lesetage' sind ein Format, das wir bei uns entwickelt haben, leben und nicht eigens einkaufen."

Die Namensgebung des Alternativ-Festivals "HEW-Lesetage gegen Vattenfall" ist dennoch süffisant, erinnern die drei Großbuchstaben doch an den früheren Unternehmensnamen, stehen jetzt indes für "Hamburger Energie- Wechsel". Den Auftakt der mehr als 30 Veranstaltungen macht am 15. April auf Kampnagel Ingo Schulze ("Unsere schönen neuen Kleider"), anschließend folgt eine Diskussion über Kunst und Knechtschaft. Tags darauf ist Harry Rowohlt mit einer Vorleseshow dort.

Kostenlos für die Besucher ist das Festival "Lesen ohne Atomstrom - Die erneuerbaren Lesetage". Es beginnt am 21. April im Schauspielhaus mit Iris Berben und Roger Willemsen. Das Konzept vereint an jedem der Abende prominente Künstler aus Schauspiel, Literatur und Musik. So liest Elke Heidenreich am 25.4. in der Fabrik, flankiert von BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. Hier gilt: Wer zuerst da ist, hört am besten. Am besten auch genau zu.

"Vattenfall Lesetage" 18.-25.4., Karten zu jew. 7,-/erm. 2,- unter T. 01805/969 00 01 23; alle Termine und Orte unter www.vattenfall.de/Lesetage

"HEW-Lesetage gegen Vattenfall" 15.-21.4., alle Termine unter www.hew-lesetage.de

"Lesen ohne Atomstrom" 21.-26.4., Eintritt frei; alle Termine unter lesen-ohne-atomstrom.de

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