25.02.13

Laeiszhalle

Manches hätte man am liebsten noch einmal gehört

Meisterdirigent Paavo Järvi, das Hilliard Ensemble und die Deutsche Kammerphilharmonie waren zu Gast in der Hamburger Laeiszhalle

Foto: © Julia Baier
die deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Paavo Järvi gehört zu den bedeutendsten Dirigenten seiner Generation

Hamburg. Selten etwas gehört, das gleichzeitig so fremd und vertraut klingt: Im Jahre 1960 hat Strawinsky sich Gesangsstücke des Renaissancekomponisten Gesualdo vorgenommen und sie für ein ganzes Orchester gesetzt, bearbeitet, fortgeschrieben. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr Chefdirigent Paavo Järvi haben in der Laeiszhalle den Scheinwerfer auf die kühnen Gespinste Gesualdos gehalten: Da brachen Crescendi jäh ab, da übernahmen Bläser im Pianissimo von den fortissimo spielenden Streichern, als wechselte ein Organist von einem Manual aufs andere. So atemberaubend in der Mischung der Klangfarben und der Präzision der Szenenwechsel, wie man das von den Bremern kennt. Am liebsten hätte man das "Monumentum pro Gesualdo di Venosa ad CD annum" am liebsten gleich noch einmal gehört.

Und nicht nur dieses Stück. Paavo Järvi hatte ein höchst ungewöhnliches Werk seines Freundes und Landsmanns Erkki-Sven Tüür im Gepäck, das sich auf ganz eigene Weise in das Thema des Festivals "Lux aeterna" fügte: Unter der Überschrift "Questions ..." hat der Este nämlich ein Interview mit dem Quantenphysiker David Bohm vertont. Nix Seele, nix Esoterik, nix Weihrauch. Stattdessen eine Reflexion über Wissenschaft, Kultur und menschliches Zusammenleben in schönster, klarster Prosa, die die Hörer in ihrer musikalischen Gestalt fast eine halbe Stunde lang auf der Stuhlkante hielt.

Die vier Sänger des britischen Hilliard Ensemble ließen keinen Moment nach in der Dringlichkeit, mit der sie die Themen ausbreiteten, manches rezitativisch wie im Gespräch, anderes mit choralartiger Wucht. Und das, obwohl der Countertenor Robin Tyson erst tags zuvor für David James eingesprungen war. Das Orchester murmelte und zwitscherte dazu, es antwortete und widersprach. Aufregender kann ein Diskurs nicht sein. Damit machten die Sänger den zwiespältigen Eindruck vom Beginn des Konzerts vergessen: Die fünf Motetten von Guillaume de Machaut klangen stimmlich befangen und oft unsauber.

Eine Offenbarung war Mendelssohns "Reformationssinfonie". Die christlichen Sakralwerke Mendelssohns, der aus einer jüdischen Familie stammte, klingen oft pathetisch und überladen, so als müsste sich der Komponist erst noch selbst überzeugen. Paavo Järvi und die Kammerphilharmonie umschifften diese Klippen mit der Kompromisslosigkeit, die gewissermaßen das Markenzeichen der Künstler ist: Beethovenscher Furor wechselte ab mit den berühmten "Amen"-Figuren, die Wagner später im "Parsifal" aufgenommen hat und die so zart klangen, wie das Licht am Morgen durch ein Kirchenfenster fällt. Allein der Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" hätte einen auf der Stelle zum Protestanten bekehren können. Und dann schlich sich in den langsamen Satz auch noch ein Hauch des hebräischen Liedes "Hevenu shalom alechem".

(vfz)
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