21.02.13

Arte-Serie

"Dr. Monroe": Der Kopfarbeiter im Arztkittel

Die britische Arztserie "Dr. Monroe" auf Arte erzählt mit viel Liebe zur Popkultur von einem Neurochirurgen. "Emergency Room" trifft "Dr. House".

Von Birgit Reuther
Foto: obs/DPA
Dr. Monroe
Dr. Monroe (James Nesbitt, r.) und seine Assistenzärzte Dr. Wilson (Michelle Asante, l.) und Dr. Springer (Luke Allen-Gale)

Hamburg. "Es gibt zwei Arten von Spielern", erklärt Dr. Gabriel Monroe, kurz bevor er seine Klinge an einer Schädeldecke ansetzt. Die einen investierten kleine Summen mit der Aussicht auf ein wenig Gewinn. Die anderen hingegen setzten mit hohem Einsatz auf volles Risiko. Letztlich käme es aber bei beiden Typen darauf an, wie gut sie damit umgehen könnten zu verlieren. Und wenn der Neurochirurg kurz darauf in den Kopf eines Patienten schneidet, ist überdeutlich, dass er einer jener wagemutigen Spieler ist, sein muss.

Jeden Tag entscheidet Dr. Monroe mit seinem Wissen und seiner Fingerfertigkeit zwischen Leben und Tod. Er bewegt sich im wahrsten Sinne des Wortes auf Messers Schneide. Das zeigt bereits die erste Folge dieser neuen Serie, die diesen Donnerstag bei Arte startet und schlicht nach ihrem Titelhelden benannt ist: Die junge Bankerin Alison wird mit einem Tumor eingeliefert, der in ihrem Hirn wuchert. Nur eine Operation kann sie vor einem frühzeitigen Tod retten. Allerdings besteht die Gefahr, dass sie danach unter Sprach- und Erinnerungsverlust leidet. So weit, so Arztserie.

Der Sender Arte ist bereits ein Indiz dafür, dass es sich bei dieser britischen Produktion, deren erste Staffel sechs Folgen umfasst, nicht um medizinisch aufgeladenes Wohlfühlfernsehen handelt. Vielmehr eint Hauptdarsteller James Nesbitt (bekannt unter anderem aus dem Filmdrama "Bloody Sunday") die smarte Sexyness eines George Clooney in "Emergency Room" mit dem erfrischenden Sarkasmus eines Hugh Laurie als "Dr. House".

Seinen Assistenzärzten erklärt er den Berufszweig etwa wie folgt: "Ihr haltet ein Messer an den Kopf eines Menschen. Das Einzige, was euch von einem Psychopathen unterscheidet, sind gute Noten." Und das Konkurrenzgeplänkel des Hirnprofis mit - klar - ausgerechnet der Kardiologin gerät ebenfalls hübsch pointiert: Das Gehirn sei ein mysteriöses, komplexes Organ, das "unser einzigartiges Menschsein" enthalte. "Das Herz ist nur eine Pumpe", führt er knapp aus. Süffisant wird da nebenbei jenes Klischee persifliert, dass die "Götter in Weiß" ihren Fachbereich und darin vor allem sich selbst für das Höchste halten. Risikospieler brauchen eben ein großes Ego.

Natürlich wird bei "Dr. Monroe" - wie in jeder guten Arztserie - nicht nur Gewebe, sondern auch die Seele seziert. Aber die Serie ist nicht im heimeligen Schwarzwald, sondern im nordenglischen Leeds angesiedelt. Und wie als Spiegel des rauen Klimas werden Ängste, Trauer und Wut eben nicht im langatmig-zuckrigen Melodram, sondern eher in knappen Skizzen dargestellt. Das Update etwa, das eine Schwester dem Doktor zur neu eingetroffenen Tumorpatientin gibt, ist eine minimalistische Collage aus Kernspin-Aufnahmen und Miniaturszenen, in denen die junge Frau mit Schwindel und Sprachstörungen zu sehen ist.

Auch wenn der treibende Popfolksoundtrack, der dieses Diagnose-Artwork begleitet, doch gewöhnungsbedürftig ist: Der Zusammenschnitt ist keineswegs eine sich plump anbiedernde Videoclip-Ästhetik, wie sie in den 90er-Jahren gerne verwendet wurde. Vielmehr erfassen diese kunstvollen Einschübe mit ihren Unschärfen und schnellen Schnitten sehr gut die Fassungslosigkeit, die die Betroffenen bei einem akuten Befund erfüllt. Oftmals ist es ein einziger Blick, der die Unsicherheit und Überforderung des Kranken weit besser ausdrücken kann als lange Erklärungen. Und wenn der Toaster, mit dem sich Dr. Monroe einen Imbiss bereitet, ebenso in Großaufnahme gezeigt wird wie sein Untersuchungsgerät, dann stellen die Regisseure Paul McGuigan und David Moore mit dem Look ihrer Serie auch die Frage nach der Relevanz inmitten des flott getakteten Krankenhausalltags.

Der Umgangston ist hart, aber herzlich - und zieht genau aus diesem Umstand seine Menschlichkeit. Mit seinen Patienten spricht der Neurochirurg einfühlsam, aber nicht beschönigend. Und er wäscht auch schon mal dem Freund der Tumorkranken, der sich davonstehlen will, bei einer Zigarettenpause den Kopf. Während Monroes Ehe (dann doch etwas arg stereotyp) den Bach runtergeht, hat er mit Lawrence Shepherd (Tom Riley) einen Kollegen und Freund an seiner Seite, mit dem er auch die Liebe zur Musik teilt. Und auch wenn es keine neue Erfindung ist, angesagte Songs in TV-Formaten unterzubringen: Vor allem in der ersten Folge wird die Liebe der Briten zu ihrer Popkultur besonders gelungen herausgearbeitet.

Direkt zu Beginn verweist Monroe auf Countrysänger Kenny Rogers. Die schottischen Indie-Popper Belle & Sebastian singen zur OP-Vorbereitung. Als die Tumorpatientin aus dem Koma erwacht, prüft er ihre Hirnfunktion, indem er sie nach dem Gitarristen der Stone Roses fragt. Und zum Abspann läuft Nick Caves "People Just Ain't No Good". Die Menschen in "Dr. Monroe", sie sind im Grunde ihres Herzens durchaus gut. Aber sie müssen manchmal eben unschöne Dinge tun und auf volles Risiko spielen, um diesem Ziel Tag für Tag ein Stück näher zu kommen.

"Dr. Monroe" Do 20.15 Uhr Arte

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