04.02.13

Comic-Minifestival

Strich für Strich zur Graphic Novel

Die Dokumentation "Graphic Novels! Melbourne!" ist im Rahmen eines Comic-Minifestivals bei "Flexibles Flimmern" zu sehen.

Von Birgit Reuther
Foto: PR
Die kunstvollen feinen Striche auf Papier verweben sich aufs Feinste mit den Erlebnissen aus dem wahren Leben der Künstler
Die kunstvollen feinen Striche auf Papier verweben sich aufs Feinste mit den Erlebnissen aus dem wahren Leben der Künstler

Projektor. "Der Schlüssel ist die Story", sagt Comic-Guru Scott McLoud über den Kern einer guten Bildergeschichte. Und genau dieses Credo hat sich der australische Filmemacher Daniel Hayward zu Herzen genommen. Er holt seinen Landsmann, den Zeichner, Performance-Künstler und Moderator Bernard Caleo, vor die Kamera und schickt ihn auf eine Reise durch die Comic-Szene down under.

Caleo ist ein entspannter Typ, der seine grauen Locken und seine dicke schwarze Brille wie eine Auszeichnung in Verschrobenheit trägt. Und gemeinsam mit Hayward inszeniert er in der Dokumentation "Graphic Novels! Melbourne!" nicht nur sehr lebensnah und poetisch zahlreiche Comic-Erzählungen, die in der australischen Metropole entstanden sind. Die beiden porträtieren vor allem die Zeichner selbst. Caleos ebenso flott erzählte wie liebevoll umgesetzte Ode an die Welt der Striche und Panels ist von Mittwoch bis Sonnabend im Projektor in der Sternstraße 4 zu sehen (Beginn jeweils 20 Uhr, Eintritt: 8 Euro).

Wenn sich die Künstler erinnern, wie sie als Teenager zu zeichnen begannen, wenn sie ihre ersten Skribbel-Versuche zeigen und wenn auch mal die Mutter eines solchen Kreativkinds zu Wort kommt, dann verquicken sich die kunstvollen Linien auf dem Papier mit denen des Lebens aufs Schönste. Oder, wie es Zeichnerin Mandy Ord im Film formuliert: Es sei eine große Erleichterung für sie gewesen, über das Lesen und Erschaffen von Comics herauszufinden, wer sie eigentlich ist. Die sogenannte neunte Kunst, sie wurde hier ein Identitätselixier. Die kantige und zugleich warmherzige Frauenfigur, die Ord mit Pinsel und viel lakonischem Witz erfunden hat, dient ihr als Chance, Facetten ihrer selbst auf dem Papier auszuleben.

Die Leidenschaft und das Leuchten, mit denen die Protagonisten Caleo von ihrer Berufung berichten, verleihen der Doku - obwohl sie am anderen Ende der Welt spielt - universelle Strahlkraft. Und die Akteure sind nicht allein. Mit Comic-Camps, bei denen tatsächlich zusammen gezeltet (und natürlich gezeichnet) wird, oder mit Zeichnen vor Zuschauern kreieren die Melbournians eine feine, gesunde Szene, die jenseits pulsierender Zentren wie New York oder London funktioniert. Und deren Enthusiasmus gewiss auch auf hiesige Künstler motivierend wirken kann.

Da verwundert es kaum, dass Holger Kraus, Initiator des Kinoprojekts "Flexibles Flimmern", um das Screening von "Graphic Novels! Melbourne!" direkt ein Comic-Minifestival gebastelt hat. Gemeinsam mit Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie dem Comicshop Strip & Stories auf St. Pauli lädt er von Dienstag bis Sonnabend zu Verkaufsbörse, Ausstellung, Vortrag und Talkrunde.

Mit "Postcards from here" eröffnet zum Auftakt am Dienstag im Projektor in der Sternstraße 4 eine Schau, die eine gezeichnete Zeitung gleichen Titels präsentiert (ab 19 Uhr, der Eintritt ist frei). Die Arbeiten, die das Künstlerpaar Feuchtenberger/Ricci in Workshops im französischen Angoulême, im niederländischen Zwolle sowie in Hamburg entwickelte, verhandelt das Dasein in den Städten rund um den Globus auf feinsinnige, narrative Art.

Wer Caleo, diesen Comic-Aficionado, persönlich kennenlernen möchte, sollte sich unter anderem den Donnerstag vormerken. Im Strips & Stories, umgeben also von seinem Metier, wird Caleo die australische Szene vorstellen und auch den Boom romanhafter Bildergeschichten, ebenjener Graphic Novels, erläutern (Seilerstr. 40, 18 Uhr, Eintritt frei). Am Sonnabend wiederum trifft Caleo - kurz vor dem Screening seines Films - im Projektor Hamburger Comic-Experten zum Gespräch.

Vielleicht wiederholt Caleo vor Ort ja auch sein Lob an all die Zeichner, die er bei seiner Recherche kennengelernt hat. Denn egal ob sie sich von ihrem Job als Coffeeshop-Kellnerin oder von ihrer Passion fürs Surfen inspirieren lassen. Egal ob sie "Der große Gatsby" und "Hamlet" grafisch umsetzen oder politische Themen wie Fremdenhass. "Immer und immer wieder gehen sie zu ihrem Zeichenbrett", führt Caleo zum Schluss seines Films aus. "Dort, wo es nur sie gibt, einen Zeichenstift und ein Blatt Papier. Und immer wieder entdecken sie neue Welten für uns."

Mikro-Comicfestival "Graphic Novels! Melbourne!/Postcards from here" Di 5.2.- Sa 9.2., Infos: www.flexiblesflimmern.de; Reservierungen für die Kinoabende unter: reservierungen@flexiblesflimmern.de

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