02.02.13

Medienmacher

Unharmonischer Wechsel bei der Hamburg Media School

Der überraschende Abgang des erst Ende Mai berufenen Studiengangleiters Journalismus Michael Haller verlief offenbar unharmonisch.

Von Kai-Hinrich Renner
Foto: HA / A.Laible
Medienautor Kai-Hinrich Renner
Medienautor Kai-Hinrich Renner

Recht ungewöhnliche Wege geht der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmer Leopold Hoesch ("Stalingrad", "Das Wunder von Bern: Die wahre Geschichte") bei einem Projekt über das Leben und Werk des Ökonomen Joseph Schumpeter. Hoeschs Produktionsfirma Broadview plant ein 800.000 Euro teures 90-minütiges Dokudrama, das diesen September nicht etwa bei ARD oder ZDF Premiere haben wird, sondern im Internet. Hoesch plant für das Schumpeter-Projekt eine Community aufzubauen und setzt hierbei vor allem auf Twitter. Erst in einem zweiten Schritt ist an eine Verwertung im klassischen Fernsehen gedacht.

Der Dokumentarfilmer zählt auch zu den Bewerbern um eine Drittsendelizenz bei RTL, die von der zuständigen Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) nicht berücksichtigt wurde. Wie berichtet gingen die Lizenzen - wie bereits in den Vorjahren - an die Produktionsfirma DCTP des Filmemachers Alexander Kluge und die AZ Media des Zeitungshauses Madsack. Hoesch spricht davon, dass sein Angebot "mit Ansage keine Berücksichtigung" gefunden habe: "Ein faire Ausschreibung sieht für mein Befinden anders aus." Gefragt, ob er gegen die Entscheidung der NLM vorgehen werde, sagt der ehemalige "Spiegel"-Chef Stefan Aust, dessen Aust Media auch leer ausging: "Ich schaue mir das in Ruhe an. Und dann entscheide ich, was ich tue." Unmut herrscht bei Focus TV, das sich vergeblich für die Sendeplätze der sogenannten ersten Sendeschiene beworben hatte, die an die DCTP gingen. "Wir sind der Auffassung, dass auf der ersten Sendeschiene kein Vielfaltsbeitrag ausgewählt wurde", sagt Geschäftsführer Matthias Pfeffer. Genau deshalb aber wurden Sendezeiten für unabhängige Dritte einst eingerichtet. Wie es aussieht, könnte auf die NLM eine Klagewelle zukommen.

Allerdings herrscht auch bei einigen Produzenten, die künftig bei RTL senden können, ein gewisser Unmut. AZ Media hatte ein Konsortium aus insgesamt acht Anbietern gebildet, die pro Jahr auf jeweils etwa zehn Sendungen kommen werden. Die vergleichsweise niedrigen Minutenpreise für die Sendeplätze am Sonnabendvormittag - die Rede ist von einem Minutenpreis von 1000 Euro - machten den Aufbau einer Redaktion wenig profitabel, heißt es. Zudem habe RTL den Minutenpreis im Vergleich zum vorangegangen Vergabezeitraum gesenkt. Der für die Drittsendeplätze bei RTL verantwortliche Leiter Medienpolitik Tobias Schmid will weder bestätigen noch dementieren.

Der überraschende Abgang des erst Ende Mai berufenen Studiengangleiters Journalismus der Hamburg Media School (HMS) Michael Haller verlief offenbar unharmonisch. Wie es in Hochschulkreisen heißt, besitzt der renommierte Medienwissenschaftler nach wie vor einen ungekündigten Vertrag mit der HMS, der erst Ende dieses Jahres ausläuft. Haller will sich dazu ebenso wenig äußern wie die Hochschule. Dass es im Verhältnis von ihm zu HMS-Geschäftsführerin Insa Sjurts Friktionen gibt, wird schon seit Längerem vermutet. So soll die Verpflichtung des Medienwissenschaftlers Stephan Weichert als Berater des Studiengangs Journalismus im vergangenen Dezember ohne Wissen Hallers erfolgt sein. Weichert gilt nach dem Rückzug Hallers als dessen designierter Nachfolger.

Ein arbeitsrechtlicher Balanceakt ist offenbar die Besetzung der neuen Redaktion von Gruner + Jahrs Wirtschaftsmagazin "Capital" gewesen. Nach der Abwicklung der G J-Wirtschaftsmedien ist das Blatt neben "Business Punk" der einzige Wirtschaftstitel, den das Zeitschriftenhaus fortführt - dies allerdings nicht mehr in Hamburg, sondern in Berlin. Um arbeitsrechtliche Probleme zu vermeiden, musste der Verlag folglich sämtliche 18 Redakteure aus dem insgesamt 35 Mitarbeiter starken Berliner Büro der G + J Wirtschaftsmedien rekrutieren. Auf eine Sozialauswahl nach Absprache mit dem Betriebsrat wurde zwar verzichtet. Allerdings ging man vereinzelt nach sozialen Kriterien vor und übernahm einen 60-Jährigen, eine alleinstehende Mutter und zwei von drei eigentlich unkündbaren Betriebsräten.

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