31.01.13

Ballett

Gigi Hyatt - Die Rückkehr einer Unvergessenen

16 Jahre nach ihrem Abschied von der Bühne arbeitet Hyatt wieder in Hamburg. Als Leiterin der Ballettschule wird sie neue Akzente setzen.

Von Monika Nellissen
Foto: Roland Magunia
Gigi Hyatt, neue Ballettschulleiterin
Die Frisur hat sich verändert, der Charme ist geblieben: Gigi Hyatt wird in Hamburg ihre in den USA gemachten Erfahrungen in die Arbeit mit den Ballettschülern einbringen

Hamburg. Hat Gigi Hyatt sich sehr verändert in den knapp 16 Jahren, seit sie Abschied von Hamburg und John Neumeiers Compagnie als erste Solistin nahm? Was hat das Leben aus der mädchenhaft zierlichen, tanzenden Menschendarstellerin gemacht, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere entschied, nur noch für ihre Tochter Emilie da zu sein? Jetzt ist sie als designierte Nachfolgerin von Marianne Kruuse als stellvertretende Direktorin und leitende Pädagogin der Ballettschule aus Amerika zurückgekehrt. Und die Fragen, die sich in Erinnerung an Gigi Hyatt stellen, finden bei der ersten Begegnung mit ihr unmittelbar Antworten.

Gina Gail Hyatt-Mazon, genannt Gigi, ist äußerlich beinahe die alte geblieben. Die einst langen Haare sind zwar gestutzt, die weichen, fast kindlichen Züge einer zarten Fraulichkeit gewichen, die ihrem Alter entsprechen - im vergangenen Dezember ist sie 50 geworden - und doch sind ihr Charme, ihr bisweilen kicheriges Lachen und ihre offene Weltsicht geblieben. Gigi Hyatt war nie das ätherisch verträumte Seelchen, als das sie mancher Ballettfan sehen wollte. Sie war bis zu ihrem Abschied 1997 eine außergewöhnlich kraftvolle und facettenreiche Tänzerin, die John Neumeier neben vielen anderen Werken zu ihrer Signaturrolle, der Desdemona im "Othello"-Ballett, inspiriert hatte. Und sie war mit einem untrüglichen Instinkt begabt, der ihr sagte, was richtig für sie sei.

So war es auch nach der Geburt von Emilie, ihrer heute 17 Jahre alten Tochter. Gigi Hyatt beschloss damals zum Entsetzen all ihrer Bewunderer, nur noch Mutter zu sein, weil beides, Beruf und Mutterschaft, nach ihrem Verständnis nicht hundertprozentig zu vereinbaren war. Sie zog die Konsequenz - "und hab es nie bereut", sagt sie. "Ich konnte einfach nicht anders." Doch das Leben werfe einem manchmal Überraschungen zu, mit denen man nicht gerechnet habe. Die Berufung nach Hamburg war so eine. "Ich bin auch da meinem Instinkt gefolgt und habe, ohne abzuwägen, darauf gehorcht, ob es sich richtig anfühlt."

Und es fühle sich richtig an. Auch noch nach drei Wochen, wie sie lachend versichert. Inzwischen unterrichtet sie, um sich auf ihre große neue Aufgabe vorzubereiten, die sie nach dem Abschied von Marianne Kruuse zum Beginn der kommenden Spielzeit übernimmt.

So ganz überraschend aber kam das Angebot, am Ballettzentrum zu wirken, nicht. Alle zwei Jahre nämlich war Gigi Hyatt hier zu Besuch, ohne freilich im Traum daran zu denken, eines Tages Marianne Kruuse zu beerben. Sie war zunächst Ballettmeisterin, dann künstlerische Direktorin des Georgia Ballet in Marietta nahe Atlanta. Was wollte sie mehr? "Als mein Mann Janusz und ich anfingen, mit dem Gedanken zu spielen, nach Deutschland zurückzukehren und vielleicht in der Schule zu unterrichten, hat es sich ganz einfach ergeben", erzählt Gigi Hyatt, glücklich, in dem ihr immer noch vertrauten Umfeld wirken zu dürfen.

Emilie ist bereits mit ihr gekommen und trainiert in der Theaterklasse. Janusz Mazon aber, ehemals Erster Solist im Hamburg Ballett - die beiden hatten sich Knall auf Fall beim Tanzen der Titelrollen in Neumeiers Ballett "Romeo und Julia" verliebt - betreibt in Marietta noch eine physiotherapeutische Praxis. Er kommt nach.

Warum haben sich Gigi Hyatt und ihr Mann entschlossen, nach außerordentlich erfolgreichen Jahren in Amerika nach Hamburg zurückzukehren? Hyatt, in Berlin geboren, ist von Geburt Deutsch-Amerikanerin. Das allein aber erklärt nicht ihre Sehnsucht nach Deutschland. "Emilie war fertig mit der Schule. Sie sollte etwas anderes kennenlernen, zumal wir versucht haben, sie zweisprachig groß werden zu lassen. Ich bin ohnehin nicht der Typ, der lange irgendwo sesshaft wird. Wenn dann eine Gelegenheit kommt, sich zu verändern, Neues zu erproben, muss man zupacken, um zu wachsen", zeigt sich Gigi Hyatt wieder von ihrer pragmatischen Seite.

Dass dieses Neue in ihrer alten Wirkungsstätte liegt, empfindet sie als Privileg: "Die Schüler kriegen Einflüsse durch die Compagnie und durch John Neumeier selbst. Sie lernen seine Ideen, sein Streben, seine Philosophie kennen. Das gibt es nirgendwo sonst."

John Neumeier und Marianne Kruuse waren es, die Gigi Hyatt als Schulleiterin erkoren hatten. Sie habe, begründet Neumeier die Wahl, in den Staaten Erfahrungen sammeln können, die der Schule jetzt zugutekämen. Was hat er konkret damit gemeint? In Amerika konnte Gigi Hyatt die verschiedensten Stile, Trainingspläne und Lehrmethoden studieren und anwenden, aus denen sie nun das jeweils Beste herausnehmen und bündeln wird. Wobei die rein klassische Basis der Ballettausbildung unverzichtbar bleibt.

"Die heutigen Tänzer müssen viel mehr können als wir damals, sie stehen unter ungleich größerem Druck", weiß die ehemalige Starballerina, von der enormes psychologisches Feingefühl erwartet wird. Marianne Kruuse, die sie als Tänzerin verehrte, ist ihr auch hier bewundertes Vorbild. Sie hat sich deren Credo, offen und ehrlich gegenüber sich selbst und den Schülern zu sein, zu eigen gemacht. "Gegenseitiger Respekt schafft Vertrauen", ist Gigi Hyatt sicher. Um diese Maxime zu fördern, werden künftig Leitsätze gelten, die nicht nur für das Ballett, sondern für das Leben generell nützlich sind, um über das Normalmaß hinaus Außergewöhnliches zu erreichen: "Mach nicht andere für dein derzeitiges Leben verantwortlich, sondern dich selbst", lautet einer von ihnen.

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