26.01.13

Thalia-Premiere

"Don Giovanni" als Rausch aus Worten und Musik

Die Lessingtage am Thalia begannen mit Antú Romero Nunes' Bühnen-Version von Mozarts Opern-Meisterwerk. Das Leidmotiv Liebe.

Von Joachim Mischke
Foto: Roland Magunia
Don Giovanni
Regisseur Ant Romero Nunes (l.) und sein Komponist Johannes Hofmann einigen sich bei ihrer Bearbeitung von "Don Giovanni" auf "Theater, wo die Musik eine entscheidende Rolle spielt"

Hamburg. Man soll gehen, wenn's noch am schönsten ist. An diese Party-Regel hält sich Don Giovanni, der Mann, der es liebte, von den Frauen geliebt zu werden, in der Originalversion von Mozarts Oper "Don Giovanni" eher nicht. Da wird er gegangen. Abgeholt, gegen seinen Willen, in die Hölle, durch den Geist von Donna Annas Vater, den er zu Beginn des Stücks mal eben aufgespießt hatte.

In Antú Romero Nunes' Fassung, mit der das Thalia am Freitag die diesjährigen Lessingtage eröffnete, spazieren die beiden – Sebastian Zimmler als bauchfreier Toyboy und Karin Neuhäuser als Todes-Diva - entspannt aus dieser Welt in die nächste. Interessant. Könnte man ja auch mal so sehen. Nach dieser Schaumermal-Methode, die ganz unbefangen und neugierig auf das Vorlagen-Material blickt und es radikal anders zusammenpuzzelt, entstand ein Musik-Theater-Abend, der im inneren Rhythmus nicht immer perfekt war, sich aber weitgehend hinreißend darum bemühte.

Wie leicht man dieses brutal schwere Stück mit Vollgas an die vierte Wand fahren kann, hatte Nunes' Regie-Kollegin Doris Dörrie an der hiesigen Staatsoper schmerzhaft unter Beweis gestellt, in diesem Hamburger Staatstheater kriegt es – oft sehr virtuos unvirtuos und liebenswert – ziemlich gut die Kurve und wird am Ende begeistert vom Premieren-Publikum gefeiert. Was nicht zuletzt auch an der Cleverness liegt, mit der Johannes Hofmann Teile der Partitur und einige dieser wunderbar unkaputtbaren Mozart-Melodien neu verteilt und charmant umarrangiert hat. Spiel-Zeug für eine siebenköpfige Band, die es apart rumpeln, schmachten, krachen lässt.

Gesungen wird dazu schon noch auf der Bühne, in ironisch überdrehten Rokoko-Kostümen. Nicht immer richtig, aber das macht nichts. Nicht immer nur auf der Bühne, und auch das hat seinen Charme. Statt der Ouvertüre erscheint Mirco Kreibich, Stammgast und schon wegen seiner Bühnenpräsenz stets heimliche Hauptperson in den Inszenierungen dieses Regisseurs, als zerzauster, abgekämpfter Leporello im Dämmerlicht. Singt sich und andere warm.

Eifersucht, Einsamkeit und Sehnsucht sind danach der Treibstoff, durch den die toll inszenierten Paare am Rasen gehalten auf der leergefegten Spielfläche, für die Florian Lösche nicht mehr braucht als viel Trockeneisnebel, eine raffinierte Beleuchtungsidee und einen Flügel. Den Rest übernehmen die guten Schauspieler, die Musik und das unsterbliche Leidmotiv Liebe, das hier einmal total anders variiert wird, als Da Ponte und Mozart sich das gedacht hatten.

Eine ausführliche Kritik lesen Sie in der Montag-Ausgabe vom Hamburger Abendblatt.

An diesem Sonntag, 11 Uhr, hält der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu,

Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, im Thalia den Eröffnungsvortrag zu den Lessingtagen.

Die nächsten "Don Giovanni"-Vorstellungen: 26.1., 10.2., 12.2., 22.2.

Weitere Informationen: www.thalia-theater.de

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