Thalia-Premiere
"Don Giovanni" als Rausch aus Worten und Musik
Die Lessingtage am Thalia begannen mit Antú Romero Nunes' Bühnen-Version von Mozarts Opern-Meisterwerk. Das Leidmotiv Liebe.
Hamburg.
Man soll gehen, wenn's noch am schönsten ist. An diese Party-Regel hält sich
Don Giovanni, der Mann, der es liebte, von den Frauen geliebt zu werden, in der
Originalversion von Mozarts Oper "Don Giovanni" eher nicht. Da wird er
gegangen. Abgeholt, gegen seinen Willen, in die Hölle, durch den Geist von
Donna Annas Vater, den er zu Beginn des Stücks mal eben aufgespießt hatte.
In Antú
Romero Nunes' Fassung, mit der das Thalia am Freitag die diesjährigen
Lessingtage eröffnete, spazieren die beiden – Sebastian Zimmler als bauchfreier
Toyboy und Karin Neuhäuser als Todes-Diva - entspannt aus dieser Welt in die
nächste. Interessant. Könnte man ja auch mal so sehen. Nach dieser
Schaumermal-Methode, die ganz unbefangen und neugierig auf das
Vorlagen-Material blickt und es radikal anders zusammenpuzzelt, entstand ein Musik-Theater-Abend,
der im inneren Rhythmus nicht immer perfekt war, sich aber weitgehend hinreißend
darum bemühte.
Wie
leicht man dieses brutal schwere Stück mit Vollgas an die vierte Wand fahren
kann, hatte Nunes' Regie-Kollegin Doris Dörrie an der hiesigen Staatsoper
schmerzhaft unter Beweis gestellt, in diesem Hamburger Staatstheater kriegt es
– oft sehr virtuos unvirtuos und liebenswert – ziemlich gut die Kurve und wird
am Ende begeistert vom Premieren-Publikum gefeiert. Was nicht zuletzt auch an
der Cleverness liegt, mit der Johannes Hofmann Teile der Partitur und einige
dieser wunderbar unkaputtbaren Mozart-Melodien neu verteilt und charmant umarrangiert
hat. Spiel-Zeug für eine siebenköpfige Band, die es apart rumpeln, schmachten,
krachen lässt.
Gesungen
wird dazu schon noch auf der Bühne, in ironisch überdrehten Rokoko-Kostümen.
Nicht immer richtig, aber das macht nichts. Nicht immer nur auf der Bühne, und
auch das hat seinen Charme. Statt der Ouvertüre erscheint Mirco Kreibich,
Stammgast und schon wegen seiner Bühnenpräsenz stets heimliche Hauptperson in
den Inszenierungen dieses Regisseurs, als zerzauster, abgekämpfter Leporello im
Dämmerlicht. Singt sich und andere warm.
Eifersucht,
Einsamkeit und Sehnsucht sind danach der Treibstoff, durch den die toll inszenierten
Paare am Rasen gehalten auf der leergefegten Spielfläche, für die Florian
Lösche nicht mehr braucht als viel Trockeneisnebel, eine raffinierte
Beleuchtungsidee und einen Flügel. Den Rest übernehmen die guten Schauspieler,
die Musik und das unsterbliche Leidmotiv Liebe, das hier einmal total anders
variiert wird, als Da Ponte und Mozart sich das gedacht hatten.
Eine
ausführliche Kritik lesen Sie in der Montag-Ausgabe vom Hamburger Abendblatt.
An
diesem Sonntag, 11 Uhr, hält der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu,
Friedenspreisträger
des Deutschen Buchhandels, im Thalia den Eröffnungsvortrag zu den Lessingtagen.
Die nächsten
"Don Giovanni"-Vorstellungen: 26.1., 10.2., 12.2., 22.2.
Weitere
Informationen: www.thalia-theater.de















