17.01.13

Konzert in der Fabrik

Aimee Mann: Die dunklen Kehrseiten des Charmes

Die fantastische US-Künstlerin Aimee Mann kommt nach vier Jahren wieder nach Deutschland und gastiert am 21. Januar in der Fabrik.

Von Heinrich Oehmsen
Foto: Sheryl Nields/Oktober Promotion
Aimee Mann, Sängerin, Songschreiberin und Bassistin aus Los Angeles
Aimee Mann, Sängerin, Songschreiberin und Bassistin aus Los Angeles

Charme wird im Allgemeinen als positive Eigenschaft bewertet. Doch es gibt auch eine andere Seite. "Charmer" hat Aimee Mann ihr aktuelles Album genannt und sich von verschiedenen charmanten Aspekten zu neuen Songs inspirieren lassen. "Es begann mit einem Lied, das ich über einen sehr guten und sehr charmanten Freund geschrieben habe. Als ich anfing, genauer über das Thema nachzudenken, fiel mir eine Reihe von negativen Beispielen ein. Wie Leute, die eigentlich ganz unterhaltsam sind, aber nicht aufhören können, von sich selbst zu reden. Oder Frauen, die auf den ersten Blick ganz toll wirken, sich später aber als manipulativ und durchgeknallt herausstellen", beschreibt sie die dunkle Seite von Charme.

Vier Jahre hat es gedauert, bis die US-amerikanische Sängerin dieses Nachfolgealbum zum Vorgänger "Smilers" aufgenommen hatte. "Ein Grund für die lange Pause zwischen den Platten ist meine eigene Faulheit", gibt sie zu. Dabei sei "Charmer" allerdings schon seit einem Jahr fertig gewesen. "Aber dann überlegt man, wann der richtige Zeitpunkt der Veröffentlichung sein könnte. Viele Faktoren können ein Erscheinungsdatum verzögern." Für die Fans der 52-Jährigen hat sich das Warten auf jeden Fall gelohnt, denn "Charmer" fügt sich nahtlos ein in die guten bis herausragenden Platten, die Aimee Mann seit ihrem Debütalbum "Whatever" (1993) aufgenommen hat.

Ihren bisher größten Erfolg landete die Bass spielende Blondine 1999, als sie eine Reihe von Songs für Paul Thomas Andersons Film "Magnolia" schrieb. Kontakte in die Zirkel wichtiger Filmemacher hat sie durch ihren Mann Michael, einen Musiker und älteren Bruder von Sean Penn. Ihr Song "Save Me" wurde damals sowohl für einen Grammy als auch für einen Oscar nominiert. Allerdings verlor sie gegen Phil Collins' "You'll Be In My Heart" aus dem "Tarzan"-Soundtrack, was Aimee Mann hämisch kommentierte. Später widmete sie "Save Me" bei Konzerten in einem Anflug von Sarkasmus Phil Collins. Einen Grammy als beste Sängerin gewann sie im Übrigen auch nicht, den begehrten Musikpreis schnappte ihr Macy Gray weg.

Doch Mann hat nicht nur Musik für Filme geschrieben, immer wieder taucht sie in kleinen Rollen auch als Schauspielerin auf. So war sie in "The Big Lebowski" als deutsche Nihilistin zu sehen, und auch in Serien wie "The West Wing", "Portlandia" und "Love Monkey" stand sie vor der Kamera.

"The West Wing" spielt im Weißen Haus, einem Ort, an den Aimee Mann nur die besten Erinnerungen hat. Dort war sie vor zwei Jahren von Präsident Barack Obama und seiner Frau Michelle zum "Celebration Day of American Poetry" eingeladen. "Das war eine große Ehre und ein unbeschreiblicher Tag. Den ganzen Tag im Weißen Haus abzuhängen ist schon etwas Besonderes", erzählt sie. Wie viele ihrer Musikerkollegen gehört auch Aimee Mann zu den Verehrern und Wählern von Obama: "Die Angst war im vergangenen Jahr groß, dass er nicht wiedergewählt werden würde. Nach dem überzeugenden Wahlerfolg ist die Hoffnung da, dass sich das Blatt jetzt wendet und er viel mehr erreichen wird als in seiner ersten Amtszeit." Nach dem Amoklauf von Connecticut im Dezember hofft die Musikerin, dass der Druck auf die Waffenlobby erhöht wird und neue Gesetze erlassen werden. "Amerika leidet immer noch an diesem Mythos vom einsamen Wolf, der alles allein lösen kann. Manchmal erinnert mich diese Haltung auch an kleine Kinder, die partout ihren Willen durchsetzen wollen. Rücksicht auf die Gemeinschaft ist in den USA nicht gerade beliebt. Aber es kann nun mal nicht jeder seine eigene Insel sein", äußert Mann sich über ihr Land.

Ähnlich kritisch ist auch ihre Haltung zum Musikgeschäft. Ende der 90er-Jahre trennte sie sich von Geffen Records, dem Label, das bis dahin ihre Alben veröffentlicht hatte, und gründete ihre eigene Firma SuperEgo. Seitdem nimmt sie die gesamte Werbung und Vermarktung in die eigenen Hände: "Ich kann mich besser promoten als eine große Firma. Das Internet hilft auch eine Menge, aber als junger Künstler ist es schwierig, angesichts der großen Konkurrenz Aufmerksamkeit zu bekommen. Da habe ich es als schon bekanntere Musikerin einfacher." Lediglich einen Vertriebspartner braucht sie für ihre Alben, zur Kommunikation mit ihren Fans nutzt sie mehr Twitter als Facebook.

Vier Jahre nach ihrer letzten Deutschland-Tournee freut sie sich auf das Konzert in Hamburg, und das, obwohl sie aus Kalifornien ins winterliche Deutschland fliegen muss. Mit dem Wetter geht sie allerdings sehr pragmatisch um: "Dann werde ich mir wohl Handschuhe und eine Mütze kaufen."

Aimee Mann Mo 21.1., 21.00, Fabrik (S Altona), Barnerstraße 36, Karten zu 37,75 im Vorverkauf; www.aimeemann.com

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