07.01.13

Hamburger Malerin

Die Hammaburg zum Geburtstag des Abendblatts

Die Hamburger Malerin Katharina Duwe hat zum 65. des Hamburger Abendblatts und zum 25. Neujahrsempfang ein Kunstwerk geschaffen.

Foto: Katharina Duwe
Die Hammaburg, die sich im Abendblatt-Logo auf der Titelseite findet, hat Duwe auf ein Lichtermeer aufgetragen
Die Hammaburg, die sich im Abendblatt-Logo auf der Titelseite findet, hat Duwe auf ein Lichtermeer aufgetragen

Hamburg. Die Rücklichter der Autos driften davon. Hinein in eine unwirkliche urbane Kulisse. Die Straßenlaternen leuchten wie künstliche Sonnen über dem Blau der dämmrigen Szenerie. Das Motiv fotografierte Katharina Duwe vor einigen Wochen in der Nähe ihres Ateliers im Karolinenviertel, bevor sie es mit Wasser- und Ölfarbe auf die große Leinwand übertrug und mit Verwischungen verfremdete. Es war ein Novemberabend in der City. Als sich der Feierabendverkehr auf der Ausfallstraße Richtung Norden staute.

Was für Autofahrer ein Ärgernis ist, ist für die Künstlerin Inspiration. Lichterketten, die ins Rollen geraten. Menschliche Zustände, die in der Beleuchtung zum Vorschein kommen. Duwes Gemälde skizzieren unser Leben in der Zivilisation. Das Schattendasein im Glitzermeer. Das Komplexe zwischen den grellen Tönen.

"Dieses Stadtbild kann überall existieren. Nicht zwingend in Hamburg. Zum Beispiel auch in New York", sagt Duwe und schaut sehr offen unter ihrem schwarz-grauen Pagenkopf hervor. Die Situation, die sie zum Sonnenuntergang am Brahms Kontor einfing, passt ihrer Meinung nach bestens zum Motto des Hamburger Abendblatts: "Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen". Denn der universelle Charakter des Gemäldes weise über die eigene Stadt, über die konkrete persönliche Verwurzelung hinaus in die Metropolen rund um den Globus. Für den 25. Neujahrsempfang sowie den 65. Geburtstag der Zeitung in diesem Jahr verknüpfte Duwe diese extra erstellte Arbeit daher mit dem Logo des Abendblatts, der Hammaburg. 3,50 mal 3,50 Meter misst dieses Werk, das die Liebe zur Region mit der Neugierde auf die große Weite eint, ohne die feinen Nuancen zu vergessen.

Auf einem wuchtigen Tisch liegt die große Schablone, um das Emblem mit dunklem Abendblatt-Grün auf das Bild aufzutragen. Zügig umkreist Duwe ihren Arbeitsplatz. Eine zierliche, zarte, energische Person. Ihre Schritte sind deutlich zu hören auf dem Holzboden mit all seinen Klecksen und hinabgefallenen Schnipseln. Spuren ihrer Kunst.

Duwes Atelier erinnert eher an ein New Yorker Loft als an einen Raum in der Hansestadt. Hohe Decken. Bei der Eingangstür Büro und Essecke. Zwischendrin ein Schlafsofa, wenn es nach durchwirkter Nacht mal zu weit scheint bis in die Winterhuder Wohnung. Hinten schließlich der Schaffensplatz.

An den Staffeleien ist Pastellfarbe in Grün und Blau heruntergelaufen wie bei einer abstrakten Skulptur. Auf der Fensterbank stehen Pinsel in Gläsern, aparten Gestecken gleich. Ein Luftbefeuchter bläst feinen Nebel in den Raum. An den weiß getünchten Wänden hängen einige Bilder Duwes. Darunter das Porträt einer rauchenden Frau, die in einer voluminösen Handtasche wühlt. Ihre Konturen sind unscharf. Und dennoch besitzt die Dame eine akzentuierte Coolness. Wie ein mondäner Ruhepol in urbaner Hektik.

Vor einem Jahr verlegte Duwe ihr kreatives Zentrum von Hammerbrook aus in die Karolinenstraße. Mit einem Buchbinder im Erdgeschoss und einer Dependance der Hochschule für bildende Künste (HFBK) im Nachbarhaus. Die Nähe passt. An der HFBK studierte Duwe von 1975 bis 1983 Freie Kunst, später hatte sie selbst zahlreiche Lehraufträge. Etwa im Fachbereich Gestaltung an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften oder an der Sommerakademie "Pentiment".

Lange hat sich die Malerin auf einen collagenartigen Stil konzentriert. Wie das Großformat über ihrem Atelierschreibtisch zeigt. Ein stolz blickender, androgyn wirkender Kopf an überdimensionalen rot lackierten Fingernägeln, einem Regenbogen, mintgrünen und rosa Flächen. Als wenn Duwe die Details unserer mit Botschaften und Zeichen angefüllten Zeit in einem Schaukasten auslegen möchte.

Vor einigen Jahren wiederum begann sie mit ihrer Serie zu Lichtern der Stadt. Einige ihrer Arbeiten sind unter dem Titel "Move" noch bis zum 31. Januar in der Galerie Ute Claussen in Klein Flottbek zu sehen. Angestoßen wurde diese neue ästhetische Ausrichtung durch einen Aufenthalt in New York 2006. "Als ich am Times Square stand, habe ich diese Energie gespürt. Da fühlt man sich wie in einer einzigen großen Collage", erzählt Duwe. Ein Sich-Überbieten an Animation. Doch auch Hamburg gewinne strahlende Anziehungspunkte. Etwa wenn der Fernsehturm pink illuminiert sei.

Diese Leuchtobjekte sind für Duwe optischer Reiz und zugleich Kontrastmittel. Denn die Figuren ihrer Bilder sind oftmals dunkel gehalten, schemenhaft, wie in Auflösung begriffen. Schleichende Gestalten, die sich selbst fremd geworden sind in ihrer Umgebung. "Sie sind Platzhalter für Einsamkeit und Anonymität", erzählt Duwe. Wenn sie von ihrer Arbeit spricht, changiert ihr Gesichtsausdruck fast unmerklich von sensibel zu entschieden und zurück.

Die Lichter sollen das große Event suggerieren. Sie sagen: Hier ist unglaublich was los. "Die Frage ist, ob dieses Versprechen eintritt. Die Realität sieht eben anders aus, weniger plakativ, subtiler", erläutert Duwe. Und sie fügt hinzu: "Als Maler muss man doch gucken, wie unsere Welt eigentlich aussieht." Eine Aufgabe, die Künstler und Zeitungen durchaus gemeinsam haben.

Katharina Duwe: "Move" bis 31.1., Mo u. Mi, jeweils 17.00-19.00 sowie n. Vereinb., Galerie Ute Claussen (S Klein Flottbek), Am Klein Flottbeker Bahnhof 2, Eintritt frei; www.katharina-duwe.de

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