04.01.13

Interview

Filmemacher Wolfgang Petersen: Dritte Karriere in China?

Petersen ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmemacher. Was keineswegs bedeutet, dass der Erfolg in Hollywood ein Selbstgänger ist.

Von Rüdiger Sturm
Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de
Wolfgang Petersen
Wolfgang Petersen ist in Emden geboren, hat in den 60er-Jahren am Jungen Theater in Hamburg gearbeitet und lebt heute in Santa Monica

Am 16. Dezember ehrte der Bundesverband Wolfgang Petersen, 71, als weltweit erfolgreichsten deutschen Regisseur der letzten Jahrzehnte. Doch in gewissem Sinne kommt ihm diese Auszeichnung ungelegen. Denn der Filmemacher, der Klassiker wie "Das Boot" realisiert hat, will nicht zurückblicken, sondern kämpft darum, seine Karriere weiter fortzusetzen. Warum ihm Hollywood das schwer macht und inwiefern er trotzdem guten Grund zur Hoffnung hat, erklärt er im Gespräch.

Hamburger Abendblatt: Sie erhalten einen Preis für Ihr Lebenswerk, in Hollywood haben Sie seit mehreren Jahren keinen Film mehr gemacht. Haben Sie sich etwa schon aus der Branche zurückgezogen?

Wolfgang Petersen: Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe in der ganzen Zeit auch an zwei großen Science-Fiction-Projekten gearbeitet, aber mit den Autoren hat es nicht geklappt. Drehbuchentwicklung kann eine schöne Hölle sein. Und ich musste dann auch realisieren, dass sich die Welt bei den Studios geändert hat. Solche Projekte werden einfach nicht mehr gemacht. Denn die Stoffe basierten nicht auf Superbestsellern, hatten kein eingebautes Publikum, waren also nach dem Konzerndenken des Managements riskant. Und vor dem Risiko haben die Studios panische Angst.

Aber Sie hatten doch vorher nie Probleme, Ihre Projekte in Hollywood durchzusetzen. Wieso jetzt?

Petersen: Die Wirtschaftskrise der letzten Jahre hat die Industrie ziemlich gebeutelt. Die Luft ist rau geworden. Die Studios haben den Gürtel enger geschnallt, haben Verträge mit Produzenten und Regisseuren gekappt. Stattdessen wollen sie jetzt nur noch Produktionen machen, die auf etablierten Marken beruhen. So entstand der Trend der Comicfilme. Die Geschichten, die ich geliebt und gemacht habe, von "In the Line of Fire" bis "Troja", gibt es so gut wie nicht mehr. Bei "Der Sturm" hatte Terry Semel, der Chef von Warner noch den Mut zu sagen, wir investieren da 135 Millionen Sollar. Das wäre inzwischen unvorstellbar. Aber ich will mich nicht auf einen Trend draufsetzen und irgendeinen Superhelden-Film machen. Ich will etwas Neuartiges, Frisches, was es so noch nicht gegeben hat.

Sie standen doch einmal kurz davor, einen "Superman vs. Batman"-Film zu drehen ...

Petersen: Das war aber ein sehr gewagtes Konzept ... und noch vor der ganzen Welle. Der Plan war, die unschuldige Seite von Superman mit der von Batman zu konfrontieren. Aber das war für Warner Bros. damals schon zu riskant, ich habe stattdessen "Troja" gemacht.

Der war der letzte Film einer 15-jährigen Erfolgsserie, die mit "Poseidon" gerissen ist. Hat das auch Ihre Verhandlungen in den letzten Jahren erschwert?

Petersen: Das war bestimmt der Fall, aber damit muss man leben. Als ich "Enemy Mine" machte und der nicht gut lief, bremste das auch den enormen Aufwind, den ich von "Das Boot" und "Die unendliche Geschichte" hatte. Das war genau die Zeit, wo ich für ein Projekt nach Hollywood geholt wurde, aber dann fünf Jahre warten musste, bis ich "Tod im Spiegel" machen konnte. Viele sagen, du bist immer nur so gut wie dein letzter Film. Da ist was dran, auch wenn es nicht ganz so dramatisch ist.

Und die Ergebnisse von einem "Air Force One" oder "Troja" zählen im Kurzzeitgedächtnis der Branche nicht mehr?

Petersen: Doch, durchaus noch. Denn durch die ganzen Medien sind die Filme permanent im Umlauf. Aber ich bin ja bei Weitem nicht der Einzige, der zu kämpfen hat. Das Problem ist eben, dass die Studios nur noch die Hälfte der Filme von früher machen. Die ganze Industrie geht durch eine wahnsinnig schwierige Zeit. Wenn man in diesem Land lebt und Filme machen will, dann muss man durch diese schweren Zeiten mit den anderen durchgehen und trotz aller widrigen Umstände versuchen, eine bessere Filmkultur zu schaffen.

Wie wollen Sie das durchsetzen?

Petersen: Wir haben jetzt ein Projekt namens Ghost Brigade nach dem Science-Fiction-Roman "Krieg der Klone" von John Scalzi - das ist eine extrem ungewöhnliche, originelle Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines intergalaktischen Krieges. Ich erwarte dazu Anfang des Jahres eine definitive Drehbuchfassung, die dem Stoff den letzten Schliff gibt. Und dann hoffe ich sehr, dass das Paramount Studio grünes Licht dafür geben wird.

Warum übernehmen Sie keine Auftragsarbeiten wie viele Ihrer Kollegen?

Petersen: Gerade weil ich so viele erfolgreiche Filme gedreht habe, denke ich nicht daran, etwas zu machen, nur damit ich irgendwie beschäftigt bin.

Sie könnten Independent-Filme mit niedrigem Budget realisieren. Dann wären Sie nicht mehr von den Studios abhängig.

Petersen: Das will ich nicht ausschließen. Aber ich habe nun mal eine Vorliebe für Projekte, die das große Ereignis bieten. Das war seit dem "Boot" mein Markenzeichen. Ich stand nie für die Independent-Seite, sondern für den Mainstream - der gehobenen Qualität.

Was ist mit deutschen Projekten?

Petersen: Mein Sohn Daniel schreibt gerade das Drehbuch zum Remake von "Vier gegen die Bank", den ich in den 70ern als Komödie für das Fernsehen gemacht habe. Das werde ich produzieren. Und ich werde bei einem anderen Projekt von ihm als Produzent fungieren, der Zeitreise-Komödie "Die Schande von Bern". Die Geschichte, an der der NDR sehr interessiert ist, handelt von drei deutschen Männern, die 2004 zum 50. Jahrestag des WM-Finales nach Mecklenburg-Vorpommern reisen, weil dort laut Bismarck alles 50 Jahre später geschieht. Tatsächlich landen sie in der Vergangenheit, aber hier verliert die BRD 2:3 gegen Ungarn, und von da an setzt sich eine irrwitzige Story in Gang.

Warum machen Sie kein Fernsehen?

Petersen: Tue ich auch. Mit meiner Firma entwickle ich derzeit fünf Serien.

Aber falls es wider Erwarten mit "Ghost Brigade" nichts wird, dann stehen Sie ohne Kinoprojekt da?

Petersen: Der Eindruck täuscht. Denn ich soll auch für eine chinesisch-amerikanische Koproduktion einen großen Fantasy-Film drehen - basierend auf dem 700 Jahre alten Roman "The Water Margin", einem der ganz großen Klassiker der chinesischen Literatur. Das könnte zwei, drei Filme ergeben, für die im Frühjahr das Drehbuch fertig sein soll. Noch nie hat eine chinesische Firma so viel für ein Skript ausgegeben. Es könnte also sein, dass im nächsten Jahr alles auf einmal kommt - dass die Fernsehgeschichten losgehen, dass "Ghost Brigade" mein nächster großer Film wird und dass "Vier gegen die Bank" als deutsche Komödie gedreht wird und ich dann auch noch "Water Margin" vorbereiten darf.

Und Sie erleben nie Momente des Zweifels?

Petersen: Natürlich. Es gibt Momente von Blut, Schweiß und Tränen, aber dann sehe ich wieder vor mir, was die nächsten Jahre noch an Wolfgang-Petersen-Filmen bringen werden. Der dritte Akt meiner Karriere liegt noch vor mir. Daran glaube ich ganz fest.

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