02.01.13

Printkrise

"Newsweek": Der Abschied von einer Legende

Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" hat jetzt nach 80 Jahren die Druckausgabe eingestellt und wird nur noch online erscheinen.

Von Peter Kruse
Foto: dpa
US magazine Newsweek unveils final print edition before going on-
Die letzte "Newsweek"-Printausgabe

Hamburg. "As time goes by". Dieses alte Lied, das einst Frank Sinatra sang und davon erzählt, wie die Zeit vergeht, in Moll geschrieben, neigt dazu, die Menschen in Amerika auch heute wieder traurig zu stimmen. Das Nachrichtenmagazin "Newsweek" stellt nach knapp 80 Jahren zu Silvester die Druckausgabe ein - und verspricht eine Metamorphose. "Ende Februar werden die Leser die volle Evolution zur funkelnagelneuen, vollkommen digitalen 'Newsweek Global' sehen, die derzeit entwickelt wird", kündigte die Chefredaktion im letzten papierenen "Newsweek"-Editorial an. Ein Magazin also, nicht mehr aus Papier, nicht mehr nur mit dem Zeigefinger zu blättern, sondern zum Klicken auf der Tastatur des Computers oder mit der Hand zu "wischen" auf den Glasschirmen der "Flachhirne".

Die mediale Revolution weg vom bedruckten Papier hinein in die digitale Welt hat ihre volle Fahrt aufgenommen. Da hilft auch kein Wehklagen. Ja, es fällt schwer, sich ein Leben ohne anfassbare und mit dem Zeigefinger zu blätternde Zeitung vorzustellen. Das mag auch am höheren Alter liegen, von langen Gewohnheiten nicht lassen zu können, aber vor allem daran, selbst Zeitungen mitgemacht und inhaltlich verantwortet zu haben. Die gedruckte Zeitungen oder Zeitschrift ist ein Stück unserer Kultur - was wären wir ohne sie?! Umso trauriger ist es, in diesen Wochen vom Niedergang einiger gedruckter Blätter lesen zu müssen, weil sich immer mehr Leser von ihnen abwenden und dem Bildschirm des Computers mit einem weltumspannenden Internetangebot und der blitzschnellen Zurschaustellung von weltweiten Nachrichten und Kommentaren zuwenden. Ja, schneller kann kein anderes Medium sein.

Der Zeitraffer vom Geschehen eines Ereignisses bis zu seinem Bekanntwerden ist heutzutage gegen null gesunken. Wenn vor Jahrhunderten ein Segelschiff sich auf den Weg zu einem fernen Kontinent aufmachte, der später einmal Amerika heißen würde, dauerte es ein Jahr, bis man in der Heimat von den Heimkehrern eines anderen, zurückkehrenden Großseglers erfuhr, dass es drüben in der Neuen Welt heil angekommen ist. Am 27. Juni im Jahre 1858 schrieb der Schriftsteller Theodor Fontane einen Brief aus London an "Meine liebe, gute Mama". Über sein Leben im fernen England konnte "Mama" erst zehn Tage später lesen - so lange brauchte die Post von London nach Ruppin, nördlich von Berlin. Heute braucht die Nachricht "Heil in den USA gelandet" vom Eintippen ins Handy bis zum Empfänger nur Sekunden. Die Datenübertragung von lokalen und weltweit umfassenden Geschehnissen wird vom HEUTE diktiert, das GESTERN dient nur noch dazu, wie es zu einem heutigen Ereignis kommen konnte.

Für den Journalismus heißt diese längst erkannte Verknüpfung, ein Ereignis mit allen Facetten, die bis in die Vergangenheit zurückreichen, auszubauen. Das geschieht in den Redaktionen, doch über allen Journalisten schwebt der Zeitdruck: der unerbittliche Redaktionsschluss. Denn das Blatt muss nachts gedruckt und morgens verteilt werden an Kioske und an die Leser zu Hause. Aber in der Zeit dazwischen hat sich die Welt weitergedreht. Der Ausstoß neuer Entwicklungen kennt keine Pause. Die bisherige Einteilung Tag - Nacht - nächster Tag ist längst zu einem Ganzen verschmolzen.

Der Wandel in der Welt der Printmedien mit ihren Niedergängen ist mir noch gewärtig. Als ich mich im einstigen West-Berlin der 60er-Jahre dem Journalismus zuwandte, musste ich das erste Zeitungssterben im Nachkriegs-Deutschland erleben. Die Blätter erlagen nicht einer geringen redaktionellen Qualität, sondern der politischen Lage, in der die Berliner leben mussten. Die Zeitungen "Telegraf", die "Nachtdepesche", "Der Tag", "Der Kurier" und "Der Abend" kapitulierten, auch weil ihnen viele Leser aus dem Ostteil der geteilten Stadt mit dem Bau der Mauer verloren gingen - und der wachsenden Bedeutung des Fernsehens.

Die Zeitungsmacher von heute haben es mit anderen Entwicklungen zu tun, weil es allein in ihrer Hand liegt, journalistische Kapitulationen zu verhindern, nämlich die Welt rund um die Uhr dem Leser zu erklären - in gedruckter und gesendeter Form.

Unser Autor Peter Kruse war von 1989 bis 2001 Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

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