28.12.12

Schauspielhaus Max Goldt verzichtet nicht auf seine Chefin

Stefan Reckziegel

Foto: Hansestadt Stade

Der preisgekrönte Alltagssatiriker las auf dem Spielfeld des Schauspielhauses zweieinhalb anregend-unterhaltsame Stunden aus seinen Texten.

Hamburg. Alle zwei bis drei Jahre wartet Max Goldt mit einigen neuen Texten auf. "Die Chefin verzichtet" heißt die neue Sammlung, die der Autor erstmals in Hamburg vorstellte. Und die nahezu ausverkaufte Lesung auf dem Spielfeld des Schauspielhauses zeigte, dass der einstige Göttinger Glossengott, populär geworden dank seiner Kolumnen im Satire-Magazin "Titanic", hierzulande noch immer der ungekrönte König der doppelsinnigen Alltagsbeschreibungen ist.

Mit sichtlich mehr Spaß als früher und pointierter Vorlesekunst spannte der Berliner Satiriker zweieinhalb Stunden lang den Bogen von der titelgebenden Geschichte ("Die Chefin verzichtet auf demonstratives Frieren") seines neuen Buchs über frühere Erfahrungen bei der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover mit dem Gastland Kanada bis hin zur Zugabe "Schulisches" über die Infantilisierung der Gesellschaft und fast traumatische Erfahrungen im Erdkunde-Unterricht.

Lacher und Beifall waren dem 54-Jährigen dafür ebenso sicher wie bei seiner süffisanten Abrechnung mit den Talkshow-Frauen Illner, Will und Maischberger: "Man ist ein bisschen aufgeregt und langweilt sich trotzdem" heißt das Kapitel aus dem aktuellen Buch, in dem Goldt die drei Moderatorinnen "Kompetenz ausstrahlende Benebelungsinstrumente" nennt. Doch ohne ihren Quasi-Dauergast Sahra Wagenknecht (Die Linke), dieses "hin und wieder stolz und doch zerbrechlich dasitzende Rätselweib, wären ihre Sendungen wirklich unerträglich öde", meint Goldt. Bei seinen Abenden aber reichen die Vielfalt der Texte.

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