24.12.12

Kinostart 27.12.2012

"Die Vampirschwestern": Blutsauger von nebenan

Ein Film, der sich eher an die "Kleine Vampir"-Klientel als an Edward-Fans und erst recht nicht an Anhänger von "True Blood" richtet.

Foto: sony
Silvania (Marta Martin, l.) und Dakaria (Laura Roge) wollen ihr Schicksal vom Zauberer der Kleinstadt (Richy Müller) beeinflussen lassen
Silvania (Marta Martin, l.) und Dakaria (Laura Roge) wollen ihr Schicksal vom Zauberer der Kleinstadt (Richy Müller) beeinflussen lassen

Ende 2012 einen Vampirfilm für die jüngere Zielgruppe auf die große Leinwand zu bringen, scheint in etwa so einfallsreich zu sein, wie Dominosteine und Lebkuchen zwischen den Jahren anzubieten. Sprich: Die Zeit ist eigentlich vorbei. Seit November verabschieden sich Teenager rund um den Globus im Kino von ihren Helden der "Twilight"-Saga. Was sollte eine Geschichte mit dem Titel "Die Vampirschwestern" dem Genre da noch Neues hinzufügen? Der Antworten gibt es gleich mehrere.

Zum einen richtet sich der Film unter der Regie von Wolfgang Groos ("Vorstadtkrokodile", "Rennschwein Rudi Rüssel") eher an Kinder als an Jugendliche. Also eher an die "Kleine Vampir"-Klientel als an die pubertären Edward-Fans und erst recht nicht an Anhänger erwachsener Blutsauger-Formate wie "True Blood". Zum anderen hat Autorin Franziska Gehm, die vor vier Jahren die Romanvorlage lieferte, die Handlung ins deutsche Kleinstadtmilieu verlagert. Und in diesem Umstand liegt zugleich Segen und Fluch der Produktion. Denn das gesamte Setting kommt, nun ja, auch äußerst deutsch daher. Sprich: "Die Vampirschwestern" könnte von der Machart her genauso gut im öffentlich-rechtlichen Nachmittagsfernsehen laufen. Vieles sieht nach Kulisse und nach Maske aus. Es fehlt das große Kino, der schöne Schein, die Illusion. Wie da jedoch die hiesige Spießigkeit aufs Korn genommen wird, das wiederum ist doch hübsch gelungen.

Die beiden zwölfjährigen Halbvampirschwestern Silvania (Marta Martin) und Dakaria (Laura Roge) verschlägt es von ihrer transsilvanischen Heimat nach Deutschland. Denn nachdem sie ihre Kindheit inmitten der spitzzahnigen Verwandtschaft ihres Vampirvaters (Stipe Erceg) verbracht haben, möchte ihre Menschenmutter (Christiane Paul) den beiden endlich mal ein halbwegs geordnetes Leben mit Vorgarten und Fußgängerzone bieten.

Während sich die mädchenhaft-verträumte Silvania auf neue Freunde freut und sich sogar ins Freibad traut, ist ihre burschikose Schwester Dakaria genervt davon, dass sie nur noch nachts fliegen darf und auch keine Käfer mehr als spontane Zwischenmahlzeit verspeisen soll. Ihre Superkräfte setzt Dakaria dennoch heimlich ein. Etwa, um den mobbenden Jungs in der Schule eins auszuwischen.

Den beiden jungen Darstellerinnen Marta Martin und Laura Roge ist es dann auch zu verdanken, dass "Die Vampirschwestern" viel Coolness und Frische besitzt. Jenseits von explizit als "frech" titulierten Kinderfilmen. Wie da die Themen Fremdheit, Freundschaft und Vertrauen verhandelt werden, ist allgemeingültig. Und wie sich die Mädchen ihrer Wünsche im Leben bewusst werden, geschieht ohne Zeigefinger. Die Coming-Of-Age-Seite der Story überzeugt also. Denn sie zeigt, dass charakterliche Eigenarten allemal interessanter sind als ein Dasein nach Vorschrift. Und das gilt auch für den Rest dieser unkonventionellen, aber friedliebenden Patchworkfamilie.

Wie sich die vier da hippiemäßig im neuen Zuhause einrichten, mit Sarg und transsilvanischem Mutterboden, versprüht einiges an freigeistigem Charme. Nicht zuletzt durch die stets wunderbar spezielle Art von Christiane Paul, die noch jede Leinwand zum Leuchten bringt. Kleine Abstriche sind hingegen bei Stipe Erceg zu machen, der seine vampirische Vaterrolle zwar einfühlsam und amüsant spielt, mit dunklen Augen und blass geschminkt, mit Melone und Anzug aber doch arg wie ein Abziehbild von Johnny Depp aussieht. Und ein wenig überzeichnet ist auch der Plot um den neurotischen Nachbarn (Michael Kessler), der sich bald bis unter die (stumpfen) Zähne einrüstet, um die vermeintlich gefährliche Sippe zu bekämpfen. Kruzifixe, Weihwasserspritzpistolen und Knoblauch sind in der da gezeigten Fülle dann doch, genau, wenig einfallsreich.

Bewertung: annehmbar

"Die Vampirschwestern" Deutschland 2012, 97 Minuten, ohne Altersbeschränkung, R: Wolfgang Groos, D: Marta Martin, Laura Roge, Christiane Paul, Stipe Erceg, Michael Kessler, Richy Müller, Jeremias Meyer, Jamie Bick, Jonas Holdenrieder; Internet: www.vampirschwestern-film.de

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