08.12.12

Schauspielhaus

"Männer Frauen Arbeit": In der Geisterbahn der Ex-DDR

Regisseur Heinzelmann verkannte in der Uraufführung "Männer Frauen Arbeit" dramatisch den neuen Verzweiflungs- und Wut-Text von Kluck.

Von Klaus Witzeling
Foto: dpa
Die Schauspieler (l-r) Saskia Taeger, Jürgen Uter und Samuel Weiss in "Männer Frauen Arbeit"
Die Schauspieler (l-r) Saskia Taeger, Jürgen Uter und Samuel Weiss in "Männer Frauen Arbeit"

Hamburg. Auf dem Spielfeld im Schauspielhaus steht eine "Burg des Grauens" (Bühne: Gregor Wickert). Klapptüren der morschen Festung oder Fluchtburg öffnen und schließen sich, setzen ein Panoptikum der Führungselite aus der DDR frei. Es krachen Bretter, es qualmt und blitzt bei dieser Geisterbahnfahrt durch den Niedergang des Arbeiter- und Bauernstaats". Unschwer sind der "Generalsekretär" Erich Honecker und seine eiserne Gattin Margot auszumachen, aber auch der "imperialistische Feind" in Gestalt einer Kanzler-Parodie auf Helmut Schmidt.

Parallel zum Zerfall der Familie eines überzeugten Ministeriumsbeamten schildert der in "Meck Pom" aufgewachsene 32-jährige Autor in seiner assoziativen Szenen-Collage den Untergang des sozialistischen Staates und rechnet mit dessen politischer Führung ab. Es ist sein bisher persönlichster Text, in dem er sich erbittert seine Verzweiflung über erlebte Benachteiligung (durch die Familie) und Ungerechtigkeit (durch den Staat) von der Seele schreibt, dabei die zentrale Figur eines oft in Monologen sprechenden Ichs aufsplittert: Denn sein Ich ist zugleich das der anderen, die sein Ich formten und zurichteten.

Markus Heinzelmann missversteht jedoch gründlich den eigentlich "innerlichen Text" als ein äußerliches Polit-Kabarett, lässt das achtköpfige Ensemble mit viel Perücken, falschen Bärten und Umzügen leidlich "witzige" Karikaturen mimen. Außerdem fehlt ein klarer dramaturgischer Zugriff, der den Text entschlackt und konzentriert. Mal in verteilten Rollen, mit oder ohne Mikro oder Musik (Viktor Marek live im Blumenkleid) oder auch mal vom Blatt gelesen, verpufft er rasch in leerlaufendem Aktionismus und verliert seine Zugkraft. Das Publikum wirkte nach zwei sich dahinziehenden Stunden so gelangweilt, dass es sich nicht einmal zu einem Buh-Konzert aufraffen wollte.

"Männer Frauen Arbeit", weitere Vorstellungen am 11.u. 15.12., sowie am 5., 17. u. 26.1. 2013, Schaupielhaus (S/U Hbf), Kirchenallee 39, Karten unter T. 24 87 13; www.schauspielhaus.de

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