07.12.12

Geburtstag

Viele Wochen voller "Sams"-Tage: Paul Maar wird 75

Mit der Fantasiefigur mit den Wunschpunkten erobert der fränkische Autor bis heute die Herzen der Kinder. Jetzt wird er 75 - und hat Pläne.

Von Kathrin Zeilmann
Foto: dapd
Sams-Erfinder Paul Maar wird 75
Kinderbuchautor Paul Maar sitzt in Bamberg mit einer "Sams"-Puppe in der Hand an seinem Schreibtisch

Bamberg. Wenn Paul Maar schreibt, zieht er sich zurück in ein kleines Häuschen auf dem Land. Es gibt keinen Fernseher dort, die Telefonnummer haben nur die engsten Familienmitglieder und sein Verlag. Im Frühjahr will er sich dort wieder einigeln, zuvor aber noch Ideen sammeln für neue Bücher. Jetzt wird er aber erstmal seinen Geburtstag feiern. Der europaweit bekannte Kinderbuchautor und Erfinder der Fantasiefigur "Sams" wird am 13. Dezember 75 Jahre alt. Auf 3,4 Millionen Exemplare schätzt sein Verlag die Auflage seiner Bücher. In mehr als 30 Sprachen wurden sie übersetzt.

"Ich habe viele Ideen im Kopf, die werde ich niederschreiben", sagte Maar. Details will er noch nicht verraten. So viel ist aber sicher: Um das "Sams" wird es nicht gehen. Der in Schweinfurt geborene Autor hat dieses Kapitel abgeschlossen - fast zumindest. Nach sieben Bänden und drei Filmen sei Schluss. Oder doch nicht? "Ich kann es nicht zu 100 Prozent ausschließen. Aber wenn, dann wird es lange dauern, bis mir dazu vielleicht eine Idee einfällt", sagt er schmunzelnd.

Es gibt ja auch noch viele andere Themen für ihn. Aus Maars Buch "Das fliegende Kamel" entwickelte sich etwa ein ungewöhnliches Projekt: Für die Präsentation des Buches, das Geschichten des türkischen Till Eulenspiegels, Nasreddin Hodscha, aus dem 14. Jahrhundert erzählt, suchte er authentische Musik – und fand die Capella Antiqua Bambergensis. Man plante eine kleine Auftrittsreihe, und traf dann den türkischstämmigen Künstler Murat Coskun. Entstanden ist daraus ein deutsch-türkisches Kulturprojekt mit Geschichten, die in beiden Sprachen erzählt werden und so Orient und des Okzident genauso miteinander verbinden wie Vergangenheit und Gegenwart.

Zahlreiche türkische Familien besuchten die Auftritte Maars und seiner Mitstreiter. "Sie waren ungeheuer begeistert", sagt der Autor. Auch eine CD ist mittlerweile entstanden. Den Kinder- und Jugendbüchern ist Paul Maar stets treugeblieben. "Kinder sind sehr direkt", sagt er. Wenn es ihnen bei einer Lesung nicht gefällt, stehen sie einfach auf. "Sie sind da völlig cool." Selbst hat Maar so etwas freilich noch nie erlebt. "Bei mir bleiben sie erfreulicherweise sitzen."

Er trifft eben den Nerv der jungen Leser. Dafür braucht es kein kompliziertes Rezept. "Ich erzähle Geschichten, die ich als Kind gerne gelesen hätte." Die Themen seien nicht immer nur witzig. Er schreibe auch über Probleme, die die Kinder kennen. Bei "Jakob und der große Junge" gehe es um Mobbing.

Längst finden sich Paul Maars Werke in den Bücherschränken neben den Klassikern von Astrid Lindgren. Nicht selten komme es vor, dass er junge Eltern treffe, die ihm erzählen, dass sie seine Bücher früher gerne gelesen hätten – und jetzt ihren Kindern vorlesen. Drei bis zehn Briefe von jungen Lesern bekommt Maar jede Woche. Er beantwortet jeden Brief – und hebt die Schreiben auf. Möglicherweise seien sie ja einmal für ein pädagogisches Forschungsprojekt interessant.

Der mit vielen Preisen dekorierte Autor ist in vielen Ländern der Welt bekannt und geschätzt. Als er die Moskauer Buchmesse besuchte, war das dem Fernsehen sogar einen Beitrag in den Abendnachrichten wert. Er hat drei Kinder und drei Enkelkinder. Zusammen mit seiner Frau Nele, die als Psychologin und Familientherapeutin arbeitet, lebt er mitten in Bamberg.

In der malerischen Stadt spielen auch die drei Filme über das "Sams" – jener so beliebten Figur mit dem knallroten Haarschopf und den "Wunschpunkten" im Gesicht, die auf den biederen Herrn Taschenbier trifft. Maar sagte, er sei immer sehr zurückhaltend gewesen, wenn es um die Verfilmung des Stoffs gegangen sei. "Es gab viele Filmanfragen. Aber ich habe immer gesagt, ein Film zerstört möglicherweise die Fantasie der Kinder." Würde das "Sams" ausschauen wie ein verkleidetes Kind an Fasching und nicht wie ein fantastisches Wesen?

Als dann aber Produzent Ulrich Limmer kam, ließ Maar sich überzeugen, aber auch weitreichende Mitspracherechte einräumen. Etwa bei der Wahl des Regisseurs. Die Wahl fiel schließlich auf Ben Verbong. Als der Niederländer Maar in Bamberg besuchte, hatten sie noch Zeit, bevor der Zug wieder fuhr. Der Autor zeigte dem Regisseur die Stadt – und Verbong war begeistert. "Es gab eine Einheit. Der Film hat gut nach Bamberg gepasst", sagt Maar

(dpa)
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