05.12.12

Rolf-Liebermann-Studio Tönendes Gruppenbild mit Sopranistin Sarah Maria Sun

Verena Fischer-Zernin
Saengerin Sarah Maria Sun

Foto: Roland Magunia

Saengerin Sarah Maria Sun

Die Sopranistin Sarah Maria Sun trat im Liebermannstudio in der Reihe "NDR das neue werk" auf - und überzeugte mit junger Musik.

Wer sich noch einmal erdreistet, Neue Musik mit so ehrenvollen Attributen wie "säuerlich" oder "verkopft" zu belegen, der kriegt ein Zwangsticket zum nächsten Konzert der Sopranistin Sarah Maria Sun. Der Frau, die sich und ihre ganze biegsame, wandelbare Gestalt komplett in den Dienst junger Musik gestellt hat. Bei ihrem Auftritt im Liebermannstudio in der Reihe "NDR das neue werk" haben leider nur zwei Hände voll Besuchern die Gelegenheit ergriffen, dieses Gesamtkunstwerk zu erleben. Tja. Schade für alle anderen.

Schlicht und ergreifend die Dramaturgie: Vorweg rollte "Das Neue Ensemble" aus Hannover der Sängerin einen rein instrumentalen Teppich aus, aber was für einen: Hochinspiriert und rhythmisch präzise wickelten sie sich unter der Leitung von Stephan Meier mikrotönig um die Noten in Iannis Xenakis' "Anaktoria" und verschmolzen raffiniert ihre Klangfarben.

Und dann: Auftritt Sun. Ihrem Namen machte sie alle Ehre mit dem goldleuchtenden Haar und ebensolchen Kleid. Stellte sich hin, sang die schwindelnd hohen Kantilenen in Georg Haas' "Atthis" oder Hanspeter Kyburz' "still and again", hauchte und seufzte und lautmalte die Worte. Und das alles noch an den virtuosesten Stellen mit der Grazie einer Elfe, kongenial umflattert und eingehüllt von den Musikern.

Doch damit nicht genug: Für das anschließende Nachtstudio wechselte Sun gleich dreimal Haar und Outfit und zeigte ihre virtuose Körperbeherrschung. Bei der Uraufführung von Iris ter Schiphorsts "Vergiss Salome" legte sie ihren Herrenanzug nur in Teilen ab, eine freche Andeutung an den berühmten Schleiertanz. Für "Sequenza III" von Luciano Berio aus dem Jahre 1966 durchmaß sie in wenigen Minuten sämtliche Befindlichkeiten einer Frau, von Spott über sexuelle Ekstase bis Trauer. Und zu den "Sept crimes de l'amour" von Georges Aperghis, Miniszenen mit Klarinette und Percussion, erschien sie im Domina-Outfit und sang in durchaus unbequemen Körperhaltungen. Das passte doch zur vorgerückten Stunde.