Medienmacher

Das Projekt Nordwind bläst den "Stern" zurück in die Zukunft

Foto: HA / A.Laible

Dominik Wichmann verordnet opulente Foto- und Lesestrecken. Großer Verlust bei der FAZ. Trotz Rente: Peter Urban macht weiter.

Größere Umbauarbeiten stehen derzeit beim "Stern" an. Unter dem Projektnamen Nordwind möbelt dessen stellvertretender Chefredakteur Dominik Wichmann die G+J-Illustrierte auf. Wie es in Verlagskreisen heißt, soll sie sich künftig auf alte Tugenden besinnen: Wichmann wolle dem "Stern" mehr opulente Fotostrecken und lange Lesestrecken verordnen. Sämtliche Rubriken stünden auf dem Prüfstand. Auch das Verhältnis von Print zu Online soll neu definiert werden. Dass mit einem so wichtigen Projekt die - nach den Chefredakteuren Thomas Osterkorn und Andreas Petzold - nominelle Nummer drei in der Redaktionshierarchie betraut wurde, werten manche im Verlag als Indiz dafür, dass Wichmanns Beförderung zum Chefredakteur wohl nur noch eine Frage der Zeit ist. Wie konkret ein solcher Aufstieg aussehen könnte, ist derzeit unbekannt. Nicht auszuschließen ist folgendes Szenario: Osterkorn verabschiedet sich aus der "Stern"-Chefredaktion, wird Herausgeber der Illustrierten und bleibt im Übrigen Chefredakteur des Best-Ager-Magazins "Viva". Seinen Platz in der "Stern"-Chefredaktion nimmt künftig Wichmann ein. Petzold bleibt zumindest für eine Übergangszeit Chefredakteur. Nach einer stellvertretenden Chefredakteurin wird dem Vernehmen nach schon jetzt gesucht. Anbieten für diese Position würde sich theoretisch "Stern"-Autorin Katja Gloger, die auch schon das Auslandsressort leitete. Angeblich scheidet sie als Kandidatin aber aus, weil sie mit "Spiegel" -Chefredakteur Georg Mascolo verheiratet ist.

Ein schweres Jahr liegt hinter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Wie es in Verlagskreisen heißt, soll sie 2012 mit einem Defizit im zweistelligen Millionenbereich abschließen. Die Rede ist von einem Verlust zwischen zehn und 20 Millionen Euro. Verantwortlich für das Minus soll ein unerwartet heftiger Einbruch des für die "FAZ" extrem wichtigen Stellenmarkts gewesen sein. Er sei nun auf einem Niveau, auf dem ihn die "FAZ"-Geschäftsführung erst in fünf Jahren erwartet habe. "FAZ"-Geschäftsführer Tobias Trevisan will sich zu konkreten Zahlen nicht äußern. Er bestätigt jedoch, dass auch sein Haus vom Einbruch der Stellenanzeigen betroffen sei. Es seien jedoch bereits vor geraumer Zeit Maßnahmen ergriffen worden, um einen solchen Einbruch abzufangen. Trevisan nennt als Beispiel die Zusammenlegung der kaufmännischen Bereiche der "FAZ" und ihres Schwesterunternehmens Frankfurter Societät. Einen Personalabbau schließt er für die nähere Zukunft aus. Der "FAZ"-Geschäftsführer bestätigt zudem, dass auch ein höherer Verlust sein Haus nicht in Bedrängnis bringen könne, da in den vergangenen Jahren erhebliche Rücklagen gebildet worden seien.

Menschen im Alter von Peter Urban freuen sich auf ihre Pensionierung, wenn sie nicht ohnehin schon in Rente sind. Für den NDR- Musikredakteur, der am 14. April 2013 65 Jahre alt wird und seit 1974 in Diensten des Senders steht, liegt der Ruhestand aber noch in weiter Ferne. Zwar geht auch er formal mit 65 Jahren in Rente. Doch Urban, der verantwortlicher Redakteur für "Nachtclub" und "Nightlounge" auf NDR Info ist, am Donnerstagabend bei NDR2 moderiert und das NDR2 Radiokonzert betreut, wird weitermachen. Und zwar als freier Mitarbeiter. Und selbstverständlich wird Urban in seiner neuen Funktion auch den Eurovision Song Contest 2013 in Malmö kommentieren.