30.11.12

Ernst-Deutsch-Theater Wie eine Familie an den Rand der Zerstörung gebracht wird

Von Armgard Seegers
Moliere

Foto: picture alliance

Viel Applaus gab es für die amüsante wie stringent erzählte Inszenierung des "Tartuffe" von Regisseur Gerd Heinz am Ernst-Deutsch-Theater.

Um Heuchelei, Betrügereien und um einen Narren, der allen Schwachsinn glauben will, geht es in Molières Komödie "Tartuffe". Was Regisseur Gerd Heinz und sein spielfreudiges Ensemble nun am Ernst-Deutsch-Theater präsentieren, zeigt vor allem einen Titelhelden, der gar nicht allzu viel machen muss, um eine Familie an den Rand der Zerstörung zu bringen.

Man glaubt, weil man glauben will, weil man schwach ist, sich läutern will – es gibt viele Gründe, warum man lieber der Lüge als der Wahrheit ins Auge sieht, das weiß diese Inszenierung.

Orgon, ein erfolgreicher Geschäftsmann, lässt sich jedenfalls lieber von Tartuffe einwickeln, als Frau, Tochter oder Sohn zu glauben, die den dreisten Hochstapler schnell durchschaut haben. So entwickelt sich rasch eine Komödie, die aus allerlei Konfrontationen entsteht.

Werner Rehm spielt Tartuffe als leisen Fiesling, Charles Brauers Orgon ist ein in die Irre geführter, braver holländischer (nicht französischer) Mann, ein kleiner Narr und Leslie Malton eine fröhliche, stets mit der Wahrheit rausrückende, unabhängige Hauslehrerin Dorine.

Sohn Damis (Felix Lohrengel) poltert ein wenig, Tochter Mariane (Isabel Berghout), bleibt ein wenig blaß. Aber dem Ensemble ist ein amüsanter, sich wie am Schnürchen entwickelnder Abend gelungen. Viel Applaus.