22.11.12

Harburg

Weltgeschichte im Klötzchenformat kommt gut an

Schon 25.000 Besucher sahen bisher die Lego-Zeitreise im Archäologischen Museum in Harburg. Verlängerung der Ausstellung geplant.

Foto: dapd
Mit Lego durch die Weltgeschichte
Lego-Figuren in der Modellwelt zum Thema Seidenstrasse

Hamburg. Vorsichtig repariert Rene Hoffmeister das Dach des Colosseums, während sein Kollege Axel Al-Rubaie die Pappeln auf der römischen Hauptstraße wieder mit Blättern versieht. Acht Wochen Ausstellungen haben im antiken Rom ihre Spuren hinterlassen. Alles ist aus Lego. Im Ausstellungsraum des Archäologischen Museums Hamburg werden von den Neandertalern, über das biblische Babylon bis in die Zukunft zwölf Szenen der Weltgeschichte gezeigt, gebaut aus über 1,5 Millionen Legosteinen.

"Die Ausbesserungsarbeiten halten sich dieses Mal in Grenzen", sagt Hoffmeister und lässt den Blick durch den Ausstellungsraum streifen. Zu dritt hätten sie fünf Monate daran gearbeitet, sagt der 36-Jährige. Im vergangenen Jahr bekamen der Brandenburger und sein Team den Auftrag für dieses Projekt vom Neanderthal Museum in Mettmann, der ersten Station der ungewöhnlichen Ausstellung. Um die Lego-Welten mit historisch korrektem Leben zu füllen, kaufte sich das Team erst einmal 30 "Was ist Was?"-Bücher und ließ sich passende Szenen von den Museumsmitarbeitern markieren. "Die Bücher kamen mit ungefähr 1.000 Markierungen zurück. Wir haben uns dann die Szenen ausgesucht, die am besten umsetzbar waren", erklärt Hoffmeister.

Das Ergebnis überrascht nicht nur die inzwischen über 25.000 Ausstellungsbesucher in Hamburg, sondern auch den Kurator Michael Merkel. "Ich hatte am Anfang durchaus Zweifel", sagt er. Denn Legosteine hätten eine ganz eigene Ästhetik. Er sei aber erstaunt gewesen, wie lebendig die Landschaften aus den Profi-Händen wirken. Ein gutes Gespür für die Steine ist der Beruf von Rene Hoffmeister. Er ist einer von weltweit 13 "Lego Certified Professionals" und der einzige Profi-Bauer im deutschsprachigen Raum. Er baue meist große Lego-Modelle hauptsächlich für Unternehmen, Einkaufszentren oder für Museen, sagt Hoffmeister. Schon während seines Informatikstudiums begann er Einzelteile aus Lego-Paketen zu verkaufen. Neben dem Handel baute er mit 1000steine.de außerdem eine Internetgemeinschaft für Legobauer auf.

Vor zehn Jahren erhielt Hoffmeister den ersten Großauftrag: Ein Automobilzulieferer bestellte für eine Messe einen Lego-Motor. Kurze Zeit später wurde auch der dänische Spielzeug-Riese auf den Brandenburger aufmerksam und bildete ihn zum Profi aus. Heute hat er einen Betrieb mit vier Mitarbeitern, die acht Stunden am Tag große Legomodelle bauen. Wer den römischen Legionären am Lego-Limes folgt oder den Cowboys beim Zusammentreiben des Viehs zusieht, bemerkt schnell, dass hier kaum Sets aus dem Handel verbaut sind. "Es besteht aus handelsüblichen Steinen, ist aber selbst konstruiert", sagt Hoffmeister. Die meisten Steine kann er direkt in der dänischen Legozentrale bestellen. Trotzdem gehört auch Tricksen zum Berufsalltag. Eine Bügelsäge für den mittelalterlichen Marktplatz mussten die Lego-Bauer übers Internet bei einem Händler aus Singapur kaufen. Und auch die römischen Legionäre kann man nicht so einfach bestellen.

Vorgezeichnet oder am Computer geplant werden die Modelle vor dem Bau nicht. "Wir haben alle genug Bauerfahrung. Der Aufbau passiert da schon fast im Schlaf", sagt Hoffmeisters Kollege Al-Rubaie. Sogar transportabel sind die Modelle. In extra angefertigten Boxen, die an Tortenwagen erinnern, lieferten die Legobauer die Modelle ins Museum und bauten alles in zwei Tagen auf. In der Hamburger Lego-Ausstellung gibt es aber auch "echte" historische Fundstücke. Etwa einen Faustkeil oder ägyptische Keramik. Die Macher der Ausstellung hoffen, durch das Lego die Hemmschwelle für einen Museumsbesuch zu senken. "Im Eintrittspreis ist auch unsere Dauerstellung enthalten. Natürlich haben wir die Hoffnung, dass die Besucher auch ohne Lego wiederkommen", sagt der Kurator.

Mehr als 25.000 Besucher in nur acht Wochen machen jedenfalls Hoffnung. Besonders über eine Sache freut sich Merkel: "Die Ausstellung wurde von vielen Familien mit Migrationshintergrund besucht. Normalerweise erreichen wir diese Zielgruppe nur schwer." Dank dieser Erfolge wird derzeit über eine Verlängerung der Lego Zeitreise über den 31. Januar hinaus beraten.

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