22.11.12

Kinostart: 22.11.12

"Twilight": Weltfrieden, wie langweilig

Mit dem fünften Film "Breaking Dawn: Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2" endet die Vampir-Saga "Twilight" dramaturgisch schwach.

Von Birgit Reuther
Foto: dpa
Noch einmal glitzern: Robert Pattinson als Vampir Edward
Noch einmal glitzern: Robert Pattinson als Vampir Edward

Zugegeben: Harmonische Paarbeziehungen, glückliche Jungfamilien und politisch korrekter Weltfrieden mögen durchaus erstrebenswert sein. Diese Konstellationen sind aber dauerhaft nicht nur unrealistisch, sondern liefern vor allem nicht gerade den Stoff, aus dem spannende Leinwand-Storys gemacht sind. Insofern haben sich die Produzenten von Summit Entertainment dramaturgisch keinen Gefallen damit getan, den letzten Teil der Vampir-Saga "Twilight" nach den Bestsellerromanen von Stephenie Meyer auf zwei Filme auszudehnen. "Breaking Dawn: Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2" ist der inhaltlich wenig überzeugende Versuch, das über vier Jahre lang höchst erfolgreiche Projekt bis auf den letzten Tropfen kommerziell auszusaugen - inklusive eigener Make-up-Edition und (durchaus schönem Folk-)Soundtrack. Doch was am Ende cineastisch übrig bleibt, ist - nun ja - recht blutleer.

Was soll auch noch groß passieren, nachdem die Dreiecksgeschichte zwischen Menschenmädchen Bella (Kristen Stewart), Vampir Edward (Robert Pattinson) und Werwolf Jacob (Taylor Lautner) erzählerisch aufgelöst worden ist? Schon Shakespeare wusste: Romeo und Julia müssen sterben. Sonst ist es, genau: langweilig. Doch nach der dramatischen Geburt ihrer Tochter Renesmee am Ende von "Breaking Dawn 1" erhält Bella das ewige Leben, indem Gatte Edward sie zum Vampir macht.

Die Ouvertüre des zweiten Teils, in der Bella mit geschärften Sinnen die Welt erkundet, in der sie feinste Laute von Spinnen und Pusteblumen hört, ist ein ästhetisch vielversprechender Auftakt. Doch die Konflikte, die aus dem neuen Leben als Halbtote entstehen (der Blutlust widerstehen, dem eigenen Vater begegnen), sind ein wenig zu flott abgehandelt. Und nach viel Rumgeknutsche, "I love you" und altbacken inszenierten Ehefreuden mit Sex vorm Kamin, nach Klavierspiel der Tochter am Steinway-Flügel und jeder Menge leicht dümmlichem Gelächele ist der Zuschauer fast froh, dass mit den Volturi, einer Art vampirischen Purismus-Polizei, endlich ein paar Bösewichter auftauchen (neben dem Darsteller von Bellas Vater, Billy Burke, der beste Schauspieler: Michael Sheen).

Der Vorwurf der Volturi: Die Familie Cullen um Bella und Edward habe mit Renesmee ein Vampirkind geschaffen. Dass der Spross jedoch ein ungefährlicher Mischling aus Mensch und Blutsauger ist, davon wollen über weite Strecken der Handlung Übernatürliche rund um den Globus überzeugt werden. Bei der Zeichnung dieser ethnischen Gruppen wird dann auch kein Klischee ausgelassen: die rothaarigen Iren, die blonden Verwandten aus dem Norden, die exotischen Schönheiten aus dem Dschungel. Natürlich sind sie alle friedliebend und wollen nur im Ernstfall gegen die Volturi kämpfen. Bis auf die rachsüchtige rumänische Sippschaft, die immerhin ein wenig Auflockerung ins moralinsaure Getue bringt.

Einzig ein dramaturgischer Kniff mischt dann doch noch Action ins Geschehen. Und die Köpfe, die da reichlich rollen, lassen die Altersangabe ab zwölf Jahren für einige Minuten fragwürdig erscheinen. Doch danach löst sich alles vollends in Wohlgefallen auf. Regisseur Bill Condon frönt noch einmal dem Hang der Saga zum Blümchenwiesen-"Bravo"-Poster. Und er lässt es sich auch nicht nehmen, ein Best-of der kitschigsten Momente aller "Twilight"-Teile abzuspulen. Wer bisher keinen der Filme gesehen hat, dem sei nach wie vor der erste, da geheimnisvollste und stilistisch schönste von Regisseurin Catherine Hardwicke empfohlen.

Die Zielgruppe wird in "Breaking Dawn 2" viel Gelegenheit zum Abschiednehmen und Schmachten haben. Aber letztlich hat sich das junge Publikum mit "Die Tribute von Panem" längst einem wesentlich zeitgemäßeren Hype zugewandt. Die weibliche Hauptperson verhandelt da keine Fragen wie "Sex vor der Ehe - ja oder nein?", sondern kämpft ums Überleben, gegen soziale Ungleichheit und zettelt eine Revolution an. Nicht gähn, sondern wow!

Bewertung: belanglos

"Breaking Dawn: Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2" USA 2012, 116 Min., ab 12 J., R: Bill Condon, D: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, in den Cinemaxx- und UCI-Kinos, im Hansa, Streit's (OF); www.breakingdawn-themovie.com

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