17.11.12

Vampirroman-Zyklus

"Twilight"-Saga: Bis(s) zum letzten Blutstropfen

Hölzerne Dialoge, maskenhafte Gesichter: Mit dem zweiten Teil von "Breaking Dawn" findet die "Twilight"-Saga ihren Abschluss.

Foto: pa/AAPimages/Sch
Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht" ( Teil 2 )
Robert Pattinson mit Kristen Stewart und Taylor Lautner bei der Deutschlandpremiere "Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht ( Teil 2 )

Berlin. Nun also ist tatsächlich Schluss mit der "Twilight"-Saga. Um den Fans eine möglichst ausgiebige Umsetzung des abschließenden Bandes des Vampirroman-Zyklus zu bieten, wurde die Verfilmung von "Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht" in zwei Hälften zerlegt. Diesen Kniff hatten auch schon die Produzenten von "Harry Potter" angewandt, lässt sich so das unvermeidliche Ende doch etwas hinauszögern und an der Kinokasse in bare Münze verwandeln.

Im Falle der insgesamt 232 Minuten von "Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht" drängt sich dieser Verdacht unweigerlich auf. Bereits Teil eins schleppte sich über Strecken recht handlungsarm dahin, bis mit der Geburt des gemeinsamen Kindes von Vampir Edward (Robert Pattinson) und Bella (Kristen Stewart) dann doch noch ein dramatischer Höhepunkt erreicht war. Teil zwei schließt nun unmittelbar daran an.

Bis die frisch in eine Untote verwandelte Bella ihr Töchterchen, ein Baby mit allzu offensichtlich computergeneriertem Gesicht, selbst in Händen halten darf, muss sie allerdings erst noch ihre neu gewonnenen Vampirkräfte und Instinkte in den Griff bekommen. Der einsame Kletterer in der Hochgebirgswand ist tabu, an dem zarten Reh im Walde hingegen darf Bella ihren ersten Blutdurst stillen. Auch sich in Überschallgeschwindigkeit durch den Raum zu bewegen oder durch die Luft zu fliegen, will gelernt sein.

Der Zuschauer ist der penetrant eingesetzten Slow-Motion und Zeitraffer-Effekte allerdings bald überdrüssig. Daran, dass in den maskenhaft und idealisiert geschminkten Gesichtern wenig überzeugende Emotionen zu entdecken sind, hat sich der Zuschauer bereits durch die vier vorangegangenen "Twilight"-Filme gewöhnt. Die Dialoge bleiben auch weiterhin hölzern, zumal wenn sie von eher mäßig begabten Darstellern gesprochen werden.

Doch kann man diesen Verfilmungen überhaupt mit solchen Maßstäben begegnen? Am Standard anderer Genrestreifen gemessen ist und bleibt dieses Vampirepos eine kitschige Schnulze. Das weiß auch Regisseur Bill Condon ("Dreamgirls") und hat sich gar nicht erst bemüht, mehr aus Stephenie Meyers Romanvorlage herauszuholen. Die Fans – im Wesentlichen weiblich und jugendlich – sind damit zufrieden. Dass sich Dialoge und Handlung unendlich lange hinziehen, wird deren Kinoerlebnis wahrscheinlich kaum beeinträchtigen.

Und dass der dramatische Höhepunkt dieses zweiten Teils, der kollektive Kampf gegen den erzürnten italienischen Vampirclan der Volturi, der unter inszenatorischen Gesichtspunkten wie eine halbherzige Prügelei erscheint, wird die Kultgemeinde ebenso wenig stören. Ruckzuck verlieren die Bösen nacheinander im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf, bevor die allumfassende Friedens- und Versöhnungsbotschaft verkündet werden kann.

Im Kern, das hat Bill Condon gut erkannt, ist Stephenie Meyers Blutsaugerepos ein ganz gediegenes Märchen. Am Ende schwört sich das glückliche Paar ewige Liebe. Und ewig, dass wissen wir, bedeutet unter Vampiren tatsächlich bis ans Ende aller Tage. Nur mit den "Twilight"-Filmen ist nun wohl wirklich Schluss.

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