09.11.12

Gruenspan Shantel war gut, hätte aber besser sein können

Von Tino Lange
Verleihung der Armenia Music Awards in Moskau

Foto: pa/dpa/Tass

Schmissige Bläsern und mitreißender Humpa-Rhythmus sind die gewohnten Stärken von Shantel & Bucovina Club Orkestar im Gruenspan.

Hamburg. Schwarze Lederjacke und Ballonmütze: Shantel sieht am Mittwoch im gut gefüllten Gruenspan nicht nur aus wie Marlon Brando 1953 als Motorradrocker in "Der Wilde", er benimmt sich auch so. Laut, zornig und räudig bearbeitet der Frankfurter DJ und Bandleader seine Rickenbacker-Gitarre, sodass seine Begleiter vom Bucovina Club Orkestar alle Hände und Lungen voll zu tun haben, um mit Schlagzeug und Bass, Keyboard, Trompete und Posaune mitzuhalten. Es ist mehr Black Rebel Motorcycle Club (so hieß Brandos Gang im Film) als Bucovina Club Orkestar.

Shantel kennt keine Zurückhaltung bei den Balkan-Pop- und Russendisco-Rock-Bastarden "Being Authentic", "Da Zna Zora" und "Sandala", die in den vom ersten Takt an tobenden Saal scheppern, krachen und wummern. So ist man es gewohnt beim "Disko Partizani" und "Disko Boy" vom Main, und dass die Setlist in der ersten Hälfte der 90 Minuten der vom Vorjahreskonzert an gleicher Stelle entspricht, macht auch überhaupt nichts außer Spaß.

Sobald Shantel aber mit "The Kiez Is Alright" recht repetitive, simple Rotz 'n' Roller rauspustet, beruhigt sich der Ausnahmezustand im Span doch deutlich. Das Volk verlangt nach "Bella Ciao", "Citizen Of Planet Paprika", "Sura Ke Mastura" und "Bucovina Original", nach schmissigen Bläsern und mitreißendem Humpa-Rhythmus. Exotisch und erotisch. Das Verlangen wird gestillt wie bestellt. Die Damen stürmen die Bühne zum Tanz. Das ist gut, hat man aber schon besser erlebt.