08.11.12

Kinostart: 08.11.12

"Sushi in Suhl": Kulinarische Oase in der DDR

Die Komödie "Sushi in Suhl" über einen real existierenden Japaner in der DDR der 70er-Jahre unterhält angenehm.

Foto: dapd
Themendienst Kino: Sushi in Suhl
"Ham wa nich" gibt es in Suhl nicht

"Ham wa nich!" Wer einmal das Pech hatte, in der DDR hungrig ein Restaurant zu entern und die Speisekarte zu Rate zu ziehen, konnte sein blaues Wunder erleben. Lustlose Kellner konstatierten lakonisch eine Mangelwirtschaft - ohne ein Begründung zu (er)finden oder Abhilfe zu schaffen. Dass es ausgerechnet hier, im thüringischen Suhl der 70er-Jahre, eine Oase der Esskultur, dann auch noch vom japanischen Klassenfeind, gab, ist eine der Ironien des realen Sozialismus, und irgendwann musste diese wahre Geschichte einmal erzählt werden.

Rolf Anschütz (Uwe Steimle), Koch im "Waffenschmied" und (noch) glücklicher Familienvater, hat keine Lust mehr, nur Klöße zu kneten und Gulasch zu rühren. Angeregt von dem Buch "Die Küchen der Welt" fängt er an zu zaubern und serviert in einem Hinterzimmer des "Waffenschmieds" Teriyaki und Tempura. Stäbchen ordert er beim Schreiner, Kimonos werden aus Judo-Mänteln geschneidert. Und als dann auch noch ein waschechter Japaner vorbeikommt, probiert und anerkennend nickt, ist der Siegeszug des DDR-Japaners nicht mehr aufzuhalten, sehr zum Ärger der Parteibonzen, denen die Eigeninitiative eines Einzelnen ein Dorn im Auge ist. Aber: Hier wird nicht einfach nur gespeist - hier verständigen sich auch die Völker.

Ein ausländisches Restaurant als Symbol für ostdeutsche Bemühungen um den Weltfrieden? Das hätte eine wunderbare Satire auf Obrigkeitsstaat und Planwirtschaft werden können. Doch "Sushi in Suhl" kommt sehr harmlos daher. Hier wirkt die DDR vor allem ulkig, und dass Funktionäre und Stasi-Spitzel ihr Fähnchen in den Wind hängen, ist eher lustig denn erschreckend. Filme wie "Das Leben der anderen" oder "Barbara" sind da sehr viel ehrlicher und kritischer. Regisseur Carsten Fiebeler hatte etwas anderes im Sinn, angenehme Unterhaltung nämlich, und die ist ihm geglückt.

Bewertung: annehmbar

"Sushi in Suhl" D 2012, 107 Min., o. A., R: Carsten Fiebeler, D: Uwe Steimle, Julia Richter, Ina , täglich im Magazin, Internet: www.sushi-in-suhl.de

(mira)
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