Mi, 07.11.12, 15.31

Nach der US-Wahl "Alptraum abgewendet" – Erleichterung in der Kulturszene

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Foto: AFP

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Auch Hamburgs Ballett-Intendant John Neumeier freut sich über die Wiederwahl Obamas: dessen "inspirierende Rede" habe ihn begeistert.

Berlin/München/Hamburg. Kulturschaffende in Deutschland haben sich erleichtert über die Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama geäußert. Zugleich verbinden sie große Hoffnungen mit der zweiten Amtszeit des Präsidenten.

PEN-Chef Johano Strasser begrüßte Obamas Sieg. Die Wahl sei sehr wichtig für die weitere Entwicklung der USA, sagte der Präsident der Schriftstellervereinigung. "Wir haben gesehen, wie ungeheuer schwer es ist, in den USA für uns in Europa selbstverständliche Dinge wie eine allgemeine Gesundheitsversorgung durchzusetzen. Obama braucht eine zweite Amtszeit. In der zweiten Amtszeit wird er weniger Rücksicht auf schwierige Wählergruppen nehmen müssen, weil er nach der amerikanischen Verfassung ja nicht noch einmal zur Wahl antreten kann."

Strasser sagte, er sei besorgt über die "ungeheure Aggressivität in der politischen Auseinandersetzung" und den "Verfall der politischen Kultur" in den USA. "Ich hoffe, dass die Wahl Obamas mit dazu beitragen kann, dass wieder ein Klima entsteht, in dem Menschen unterschiedlicher Meinung sein können, ohne dass sie sich gegenseitig die Menschlichkeit absprechen." Für die Europäer sei der Umgang mit einer Regierung Obama leichter als es mit einer Regierung seines Herausforderers Mitt Romney gewesen wäre, meinte Strasser.

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, sagte: "Meine Freude über das Wahlergebnis und die Chance für Barack Obama, seine Arbeit fortzusetzen, ist groß. Er sollte den Kampf mit der destruktiven Macht der Märkte aufnehmen, die dabei sind, das gesellschaftliche Gleichgewicht aufs Spiel zu setzen und die Demokratie auszuhöhlen."

"Ich erwarte von Obama, dass der Schutz der Natur endlich die politische Bedeutung erfährt, die notwendig ist, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden, und hoffe, dass das traditionell gute Verhältnis zwischen den USA und Europa nicht dem neuen Blick in Richtung Pazifik zum Opfer fällt", ergänzte Staeck.

Schriftsteller Martin Walser zeigte sich ebenfalls angetan. "Wir, das heißt die Europäer, können froh sein, dass Obamas Wahl vor vier Jahren kein politischer Zufall war, sondern ein Beweis dafür, dass die USA wirklich auch eine große Demokratie sind", sagte der 85-Jährige. "Ich hoffe, dass er jetzt stark genug ist, in Afghanistan aufzuhören, so dass auch wir aus diesem unseligen Unsinn herauskommen."

Hamburgs Ballett-Intendant John Neumeier freut sich über die Wiederwahl von Obama. "Ich bin sehr erleichtert über den Ausgang der Wahl und den Sieg Barack Obamas", sagte der 70-Jährige gebürtige Amerikaner am Mittwoch. Ihn habe vor allem Obamas "inspirierende Rede" nach der Wahl begeistert. "Ich hoffe, dass er seine Versprechen jetzt in der zweiten Amtszeit mit viel Kraft verwirklichen kann, trotz der hohen Komplexität des amerikanischen Systems."