25.10.12

Musikszene

Mit Rock von Wilhelmsburg nach Hollywood

Die fünf Jungs der Hamburger Band denmantau wandern nach Los Angeles aus, um berühmt zu werden. Heute gibt's ihr Abschiedskonzert im Hörsaal.

Von Patrick Kiefer
Foto: PR
Mit diesem alten Chevy-Van fuhren denmantau und Freunde durch Kalifornien
Mit diesem alten Chevy-Van fuhren denmantau und Freunde durch Kalifornien

Die Mietverträge sind längst gekündigt, die Flugtickets liegen bereit. Vor der Hamburger Band denmantau liegt die wahrscheinlich größte Reise ihres Lebens. Mit Koffern, Instrumenten und einer dicken Portion Selbstbewusstsein wollen die fünf Jungs die Musikwelt erobern. Kein Witz, kein Größenwahn: Sie wollen Stars werden ohne das übliche Casting-Tamtam aus dem TV. "Unser Weg führt über die Straße", sagt Leadsänger Paul Weber.

Dass dieser Weg der richtige sein könnte, hat denmantau schon zwischen Melbourne, Hamburg und Los Angeles erfahren. Sie haben bereits einen erstaunlichen Weg hinter sich gebracht, dessen Ende nicht absehbar ist.

Angefangen hat alles an der Gesamtschule in Bad Bevensen. Paul setzte sich in der 7. Klasse neben Jonas Gerigk. Der hatte gerade E-Gitarre gelernt, und im Keller seiner Eltern stand ein Schlagzeug rum. Paul wollte trommeln, manchmal brachte er auch seine Trompete mit. Und dann machten die beiden Radau, bis Jonas Mutter den Stecker zog. "Wir hörten damals viel von Queens of the Stone Age, Korn und Kyuss – entsprechend heftig war es, wenn wir abgingen", erinnern sich die beiden.

Die Liebe zur Musik machte aus ihnen dicke Freunde, und während einer Projektwoche gründeten sie eine Band. Stefan Pomplun spielte Bass, Julian Schonscheck Gitarre und Steffen Lehmker saß am Schlagzeug. Paul trommelte nämlich nicht mehr, denn der hatte mit 14 die Rampensau in sich entdeckt.

"Ich hatte schon immer eine große Klappe und den Drang, in der ersten Reihe zu stehen", sagt der heute 22-Jährige. "Der Entertainer in mir will einfach raus. Ständig. Es ist wie ein- und ausatmen. Bei Auftritten will ich Energie abstrahlen, dazwischen die Batterien wieder aufladen." Wer denmantau live erlebt, egal ob auf der Bühne oder auf der Straße, der spürt, was dieser Kerl mit den wilden Augen und dem Spitzbärtchen meint. Dieser Energieaustausch – er funktioniert von Melbourne bis Malibu, und wahrscheinlich ist er das Rezept des Erfolgs.

2009, nach dem Abitur, hob Denmantau das erste Mal ab. Sie flogen erst nach Australien, dann nach Neuseeland. Viel Geld hatten sie nicht gespart, sie wollten die Tour mit Straßenmusik finanzieren. Von Cairns trampten sie nach Brisbane, dann hatten sie genug Geld für ein Auto. Weiter ging's die Ostküste entlang bis Melbourne. Während sie spielten, spülte ihre Energie alles Lebenswichtige in den aufgeklappten Gitarrenkasten: Zettel mit Schlafplätzen, Essen, Geld und Telefonnummern von entflammten Mädchen.

"Wir waren die reichsten Traveller", erzählt Paul nicht ganz ohne Stolz. "Am Ende mieteten wir uns in Melbourne eine Wohnung und gingen nur noch zwei, drei Mal die Woche auf die Straße." Er grinst. Sie verdienten mehr als 500 Dollar pro Auftritt. Insgesamt acht Monate blieben sie down under. Logisch, dass sie von den 2000 CDs, die sie vorher im Jugendzentrum in Bad Bevensen aufgenommen hatten, keine einzige wieder nach Hause mitbrachten. "Vier oder fünf haben wir sogar für 50 Dollar das Stück verkauft," erinnert sich Jonas.

Kurze Zeit später stieß ihr Sound auch in Frankreich und Italien auf offene Ohren. Denmantau klingt manchmal nach den Red Hot Chili Peppers. Allerdings mit Trompete. Pauls goldene B&S Challenger 2 sorgt für eine eigentümliche Mischung aus Mariachi-Klängen und Alternative Rock. "Wir standen lange auf die Peppers und Anthony Kiedis", sagt Leadgitarrist Jonas Gerigk. "Wir wollten aber keinesfalls nur einen Stil kopieren. Bei der Abnabelung half uns die Trompete."

Kaum zu glauben, dass sich dieser eigene Sound ungewollt herausgebildet hat. Paul Weber behauptet ohne mit der Wimper zu zucken: "Wir kommen zusammen, spielen und lassen uns von der Muse küssen. Texte schreibe ich eigentlich nur zur Katharsis. Mal über eine tolle Autofahrt, mal über eine zerbrochene Liebe. Aus irgendeinem überirdischen Grund fügen sich meine Lyrics und die Harmonien der Band zusammen." Ob das nun alles immer so glatt geht oder nicht: Das Ergebnis sind rund 20 eigene Kreationen, die es in sich haben.

Trotzdem spielt einer aus der Ur-Band nicht mehr mit: Drummer Steffen Lehmker wurde durch Milan Carl ersetzt. "Steffen war die Zukunft als Musiker letztlich zu unsicher," sagt Paul. Lehmker zog eine Banklehre vor, was ihm niemand verübelt. Für den Rest der Band gibt es allerdings keine Alternative: "Wir können uns nichts anderes mehr vorstellen, als unsere Musik zu leben. Wenn Leute zu uns sagen: Wow, ihr seid aber mutig, dann erklären wir, dass der Umzug nach Los Angeles nichts mit Mut zu tun hat. Die Band ist unsere Passion und Hollywood nur der nächste, konsequente Schritt nach vorne."

Warum keine Casting-Show à la Supertalent? "Das haben uns einige Fans auch schon allen Ernstes gefragt. Aber wir wollen uns nicht von einem TV-Sender durch die Mühle drehen lassen," sagt Paul. "Da werden Leute künstlich aufgebaut, verheizt und wieder weggeschmissen. Wir wollen langsam wachsen, wie ein starker Baum, der dann auch Stürme überstehen kann."

Stürme? Bisher gab es nur Rückenwind. Von März bis Juni tourte denmantau durch Kalifornen, mit einem alten, blauen Chevy-Van, den sie liebevoll "Flinch" tauften. Unzählige Anekdoten können die Jungs davon erzählen. Wichtig ist aber vor allem eine Erkenntnis: In der Showbiz-Metropole der Welt nahm man die auf Englisch singende Hamburger Band mit offenen Armen auf. "Dadurch, dass Los Angeles ein Sammelbecken für Künstler ist, trifft man permanent auf Gleichgesinnte", erzählt Jonas. So ergab sich eine ganze Kette aus guten Kontakten. Und schon sind wir mittendrin in der bunten Welt von denmantau. Fast forward, Los Angeles in vier prägnanten Episoden:

Wie war das, plötzlich auf dem Walk of Fame zu singen? "Es war ein harter Kampf. Wir mussten uns gegen Cat-woman, Batman, einen Charlie Chaplin und jede Menge andere Darsteller behaupten. Jeder will auf der Touristenmeile Geld verdienen. Nur wenn man gut ist, wird man von der etablierten Konkurrenz nicht fort gejagt."

Wie hat die Band richtig gutes Geld verdient? "Der lukrativste Auftritt war eine Hochzeitsfeier am Strand. Wir wurden auf der Straße spontan angeheuert, spielten am nächsten Tag für 1000 Dollar. Am Ende hat man uns jede Menge Gourmet-Häppchen eingepackt, die wir später Downtown an die Obdachlosen verteilten."

Welches Highlight bleibt auf ewig unvergesslich? "Auf einer Jam-Session in einem Haus voller Musiker lernten wir Carina kennen. Sie war in der Szene gut vernetzt und wusste ständig, wo private Parties liefen. Eines Abends landeten wir in den Hollywood-Hills direkt vor einer weißen Designer-Villa. Sie lag am Ende der Straße, unmittelbar unter dem weltbekannten Hollywood-Schriftzug. Wir spielten auf der Terrasse und fühlten uns wie im Himmel."

Welcher Kontakt könnte der Schlüssel zur großen Karriere werden?

"Der Vater von Ashley. Sie lud uns ein, in Patrick's Road House zu spielen, dem Lieblingsrestaurant von Arnold Schwarzenegger. Ihr Vater ist da der Chef und hat exzellente Kontakte zu Universal Music. Er hat uns bereits Arbeitsverträge angeboten, so dass wir eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen können."

Wer noch tiefer eintauchen möchte, dem sei die Facebook-Präsenz von denmantau empfohlen. Dort dokumentiert unter anderem ein dreiteiliger Film die Erlebnisse der sogenannten "Almost Famous America Tour".

Klar ist allerdings auch: Denmantau ist live noch viel besser als in der virtuellen Welt. Und deshalb die gute Nachricht zum Schluss: Heute Abend rocken Paul Weber & Co. noch einmal auf der Reeperbahn. Und der Sänger hätte wohl nichts dagegen, wenn die Show endet wie einst am Venice Beach: "Ein Mädchen hörte uns zu, fing an zu tanzen und kam dann plötzlich zu mir. Sie sagte: I'm sorry – I don't have any money, but can I kiss you?"

Und dann küsste sie ihn.

Denmantau: heute abend, 21 Uhr, Hörsaal, Spielbudenplatz 7; Vorprogramm: The Morphinettes. Der Eintritt ist frei

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