14.10.12

Konzert in der Großen Freiheit Alex Clare: Ein Wechselbad der Stile

Rock & Pop: Alex Clare

Foto: DAPD

Rock & Pop: Alex Clare Foto: DAPD

Das ausverkaufte Konzert des Briten glich einem ausgedehnten Spaziergang quer durch alle möglichen Musiksorten

Alex Clare? Das ist doch dieser Dubstep-Vogel aus der Werbung, oder? Ja. Und nein. Wer den jungen Briten auf "Too Close" reduziert, tut ihm nicht nur unrecht. Er dürfte auch mehr als überrascht bei Clares Auftritt in der ausverkauften Großen Freiheit 36 am Sonntag stehen und sich fragen, wo er denn nun hineingeraten ist.

Um kurz nach Neun kommt der optische Inbegriff des Indiezausels mit Schiebermütze und Vollbart auf die Bühne, flankiert von drei Musikern und beginnt zu singen: "Relax My Beloved". Keine elektronischen Klänge, kein Dubstep-Wop-Wop-Wop. Bass gibt's trotzdem satt, der Viersaiter und die Drums grollen kellertief durch den Saal. Darüber leidet sich Clare mit beeindruckender Stimme durch "Whispering" und anderes tendenziell melancholisches bis zu "Caroline". Das Tempo ist gesetzt, bricht im einen oder anderen Part nach oben aus. Doch Skrillex-Fans kommen so nicht auf ihre Kosten. Dann schon eher diejenigen, die Clare als experimentierfreudigen Soulsänger begreifen.

Elektronisch wird es erst beim gelungenen Prince-Cover "When Doves Cry", und das brachiale "Up All Night" brennt Basslöcher in Trommelfelle und Außenwände. Dann der nächste Umschwung. Für zwei Songs sitzt Clare ganz allein auf der Bühne - mit einer Akustikgitarre. Auch das Singer/Songwriterige eines "Goodnight Irene"-Covers steht ihm gut zu Gesicht, wirkt aber irgendwie deplaziert. Etwas viel Leistungsschau für ein Konzert, mehr Fokus hätte der Show nicht geschadet. Den Hit aus der Werbung spielt Alex Clare natürlich auch noch, in all seiner Genre durchmixenden Pracht, mit Flackerlicht, Wop-Wop-Wop und allem Gedöns.

Mit einem letzten Stilwechsel - "I Won't Let You Down" singt er mit Pianobegleitung - verabschiedet Clare sein vermutlich geringfügig desorientiertes, aber zufriedenes Publikum nach 70 Minuten in die Nacht.

((josi))