Hamburg

Konzert im Docks: "Wir sind Selig, ihr auch?"

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Hamburgs Vorzeige-Hippie-Rocker spielen das erste von zwei ausverkauften Konzerten im Docks. Die Stimme von Jan Plewka macht den Unterschied.

Hamburg. "Freunde! Ich darf euch doch Freunde nennen, oder?" Klar darf Hamburgs liebster Kurzhaar-Hippie das. Jan Plewka und der Rest von Selig stehen auf der Bühne des ausverkauften Docks, und fast alles ist wie früher in den 90er-Jahren. Die Lieder, die Musiker, ein Gutteil des Publikums und der Klub, alle trafen in dieser Konstellation auch schon vor langen Jahren aufeinander.

Alle sind ein wenig älter geworden, die eine oder andere Falte hat sich eingeschlichen in die Gesichter. Und in die Geschichten: "Sie hat geschrien", "Wenn ich wollte", "Ohne dich"; Plewka, Christian Neander, Leo Schmidthals, Stoppel Eggert und Malte Neumann schwelgen in musikalischer Nostalgie. Lassen aber auch die Gegenwart mit Songs wie den Openern "5000 Meilen", "Freier Fall" und "Lass sie reden" nicht zu kurz kommen. Zwölf Jahre lagen zwischen "Blender" und "Und endlich unendlich". Von dort aus bis zu "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" dauerte es nur 18 Monate.

Mehr als zwei Stunden geht es hin und her zwischen damals und heute. Selig fühlt sich immer noch verpflichtet, das Vergangene wieder aufleben zu lassen: "Das ist ein Song, den wir da drüben in der Seilerstraße geschrieben haben. Ein Song über Einsamkeit, den wir eigentlich gar nicht mehr spielen wollten. Aber wir mussten einsehen, er gehört zu uns." So kündigt Plewka "Bruderlos" an, und der anfängliche Widerwillen ist dem Titel nicht anzumerken. Die Kombination aus Neanders Gitarrenspiel und Plewkas Stimme ist es, die die Songs heraushebt aus der Masse der Bands, die die Hamburger inspiriert haben. Gleichzeitig ist es genau diese Charakteristik, die ein leichtes Gefühl von Einheitsbrei verursacht. Denn die Arrangements klingen oftmals ähnlich.

Man könnte von Einfallslosigkeit sprechen oder aber von einem Markenzeichen. Welche Interpretation die Fans bevorzugen, ist klar. Band und Publikum befeuern sich gegenseitig, animieren bräuchte Plewka die Menge nicht einmal. Wenn er in die Hände klatscht oder einen Chor anleitet, braucht es nur den Impuls, der Rest kommt von allein. "Die Besten" sind sie nicht mehr, man kann sie aber immer noch für recht glaubhafte "Doppelgänger" halten.

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